Kreis Ludwigsburg Wo geht es Hunden im Kreis besonders gut?

Von Lisa Lorenz und Bigna Fink
Bettina Weigel geht mit ihrem Hund auf den Feldern zwischen Sachsenheim und Bietigheim-Bissingen Gassi. Der Hundekotbeutel, den sie bei sich trägt, ist gut gefüllt, denn sie nimmt auch die Häufen anderer Vierbeiner mit. Foto: /Martin Kalb

Die Untersuchung des „Dog Wellbeing Index“ zeigt die Hundefreundlichkeit der Großstädte an. Die BZ hat nachgefragt, wie es um Grünflächen, Mülleimer und Hundesteuer im Kreis steht.

Wo geht es Hunden am besten? Wo haben sie die größten Wiesen, genügend Hundeschulen und wo ist die Hundesteuer am niedrigsten? Mit dieser Frage hat sich der „Dog Wellbeing Index 2026“ beschäftigt. 25 Großstädte vergleicht er hinsichtlich den sieben Kriterien Hunde pro Einwohner, Grünflächenanteil, Anzahl der Tierärzte, Hundepensionen, Luftqualität, Hundepflege-Angebote und Hundeschulen. Die Städte können bei jedem Kriterium einen bis zehn Punkte erhalten, die erreichbare Gesamtpunktzahl beträgt dadurch 70.

Stuttgart liegt mit nur 20,1 Punkten auf Platz 22 von 25 und damit im Bereich „noch Luft nach oben“. Die BZ hat sich erkundigt, ob die Lebensqualität für Hunde in Ludwigsburg, Bietigheim-Bissingen und Bönnigheim ähnlich mau ist. Anhand der Kriterien wurden Hundehalter gefragt, wie hundefreundlich ihrer Kommune ist und wo es noch Luft nach oben gibt.

In Bietigheim-Bissingen liegt das Verhältnis von Hunden pro Einwohner bei ungefähr 1:28. Registriert sind zehn Hundesalons, neun Hundeschulen und drei Anbieter von Beratung rund um Hunde, teilt die Pressesprecherin der Stadt, Anette Hochmuth, mit. Die Anzahl der Tierarztpraxen ist der Stadt nicht bekannt. Die Hundesteuer liegt in Bietigheim-Bissingen bei 144 Euro. „Hier in Bietigheim-Bissingen gibt es genug Wald und Wiesen und ausreichend Freiflächen für den Auslauf der Hunde,“ sagt Michael Klein, Vorsitzender der Ortsgruppe Bietigheim-Bissingen des Vereins für Deutsche Schäferhunde.

„Schade ist, dass es so wenige Mülleimer in der Stadt gibt, und ich kenne keine Kotbeutelspender in Bietigheim-Bissingen, in anderen Städten gibt es die.“ Pressesprecherin Hochmuth teilt dazu mit, dass es kostenlose Beutel zur Abholung im Bürgeramt und in der Tourist Information gebe.

Rücksichtslose Radfahrer

Klein gehe öfters mit seinem Schäferhund im Bissinger Bruchwald Gassi, und im ganzen Waldgebiet gebe es keinen Mülleimer, auch nicht bei den Sitzbänken. Er selbst habe stets Tüten in seiner Tasche, um den Kot seines Hundes in Mülleimern zu entsorgen – das rät er jedem Hundehalter. Schade findet er auch, dass es seit einiger Zeit keine Hunde-Waschbox mehr beim Fressnapf gibt. Dort konnte er seinen Hund praktisch in einer erhöhten Wanne waschen. Ihm falle aktuell im Sommer negativ auf, dass viele Radfahrer, etwa im Japangarten, keine Rücksicht auf Hunde in ihrer Nähe nehmen und kaum Abstand beim Überholen einhalten würden.

Von ähnlichen Erfahrungen berichtet Udo Strokis, Vorstand des Vereins der Hundefreunde Ludwigsburg. Radfahrer würden an Hunden vorbeirasen, ohne zu klingeln. Es gebe zwar auch Radfahrer, die klingeln und sich dann bedanken, wenn man den Hund zur Seite nimmt. Das werde aber weniger. Bezüglich Grünflächen bezeichnet Strokis den Ludwigsburger Ortskern als „schwierig“, es gebe wenig Möglichkeiten für Freilauf. Außer der Bärenwiese und dem Favoritepark gebe es nicht viel Rasen. Bei dem Gelände des Vereins im Osterholzäcker in Asperg gebe es mehr Möglichkeiten. Mülleimer seien zwar genügend aufgestellt, an Kotbeuteln mangele es jedoch. „Im Osterholzäcker gibt es einen einzigen Mülleimer. Da laufen aber viele mit Hund entlang. Das finde ich wenig.“ Geleert werde dieser eine Mülleimer zwar regelmäßig, aber wenn zusätzlich zu den Hundebeuteln noch Dinge wie eine Pizzaschachtel in den Mülleimer geworfen werden, laufe er über.

Unverständnis für Hundesteuer

Dass die Hundesteuer zu hoch sei, würden natürlich alle sagen. „Manchmal fragt man sich, warum sie so hoch ist“, sagt Strokis. In Ludwigsburg beträgt sie 168 Euro. In Heilbronn werde die Hundesteuer erlassen, wenn man einen Hundeführerschein absolviert, weiß Strokis. „Das finde ich eine gute Lösung.“ Die Kosten für die Kotbeutel sind seiner Ansicht nach keine Ausrede für die Höhe der Steuern.

Andere Bürger haben seiner Erfahrung nach meist nichts gegen Hunde. „Es kommt darauf an, ob der Hund störend ist, zum Beispiel wenn er ständig bellt, während er alleine ist.“ Von den 30 aktiven Kursteilnehmern, die der Verein aktuell hat, habe er aber nichts Negatives bezüglich der Haltung von Bürgern gegenüber Hunden gehört. Einzig, wenn ein Hund beispielsweise einen Maulkorb trage, komme es vor, dass andere Angst haben. Aber „wenn sie erzogen sind, sind auch Listenhunde lieb und nett“.

Das Verhältnis von Hunden zu Einwohnern liegt mit circa 1:35 in Ludwigsburg unter dem in Bietigheim-Bissingen. „In Ludwigsburg gibt es drei Hundepensionen und zwei Hundefriseure“, berichtet die Pressesprecherin Karin Bühl. Auch hier lasse sich die Anzahl der Tierärzte über das Gewerberegister nicht abbilden.

In Bönnigheim liegt das Verhältnis von Hunden und Einwohnern bei 1:21. Es gibt keine Tierarztpraxen oder Hundefriseure, aber eine Hundepension, sagt Martina Goldmann von der Stadtverwaltung. Eine Hundehalterin aus Bönnigheim, die nicht namentlich genannt werden möchte, berichtet, dass es ausreichend Möglichkeiten für Gassirunden gibt; sowohl innerhalb als auch außerhalb des Stadtgebiets, wie beispielsweise den Amann-Park.

„Dennoch wäre mehr Grün, auch ohne Hund, mit Sicherheit immer schöner.“ Die Haltung anderer Bürger gegenüber Hunden empfindet sie als positiv. Direkt in Bönnigheim gibt es zwar keine Tierarztpraxen, in der Umgebung sei die Versorgung aber mit Praxen in Neckarwestheim, Brackenheim, Besigheim und Kirchheim gut gedeckt.

„Anders sieht es leider mittlerweile mit Notfallpraxen und Kliniken aus“, so die Frau. Notdienste würden mittlerweile nur noch in Ludwigsburg angeboten.

Hohe Kampfhundesteuer

Bezüglich Mülleimern und Kotbeutelspendern sagt die Hundehalterin, dass es diese früher nicht gab. „Mittlerweile gibt es verteilt im Ort und an den Ortsrändern durchaus entsprechende Einrichtungen, allerdings ist die Verteilung manchmal nicht einsichtig.“ So gebe es an manchen Orten mehrere Mülleimer und Spender nebeneinander, an anderen viel besuchten Stellen dafür keine. „Sinnvoll wäre ein Kottütenspender direkt in der Fußgängerzone, falls doch mal unbeabsichtigt etwas ‚daneben’ geht“, findet sie.

Die Hundesteuer sei in den letzten Jahren enorm gestiegen, weiß die langjährige Hundebesitzerin: „Ich habe 2007 mit einem Betrag um die 70 bis 80 Euro für einen Hund, unabhängig von der Rasse, begonnen.“ Mittlerweile liegt die Steuer bei 156 Euro, für Kampfhunde bei 936 Euro. „Da ich selbst schon immer sogenannte Listenhunde halte, trifft mich diese Steuer finanziell hart, zumal sie meiner Meinung nach nicht gerechtfertigt ist und vermutlich eher dazu führt, dass Hundehalter ihre Hunde nicht oder falsch anmelden.“ Das Ablegen eines Wesenstests befreie jedoch von der Kampfhundesteuer. Als Halter habe man von der Steuer nicht viel, da sie nicht zweckgebunden sei. Wohin das Geld verschwinde, wisse sie nicht – „die Kottüten alleine können es kaum sein“.

In Sachsenheim liegt die Hundesteuer wie in Bietigheim-Bissingen bei 144 Euro. Mit einem Verhältnis von 1:18 halten hier am meisten Einwohner Hunde. „Tierarztpraxen sowie gewerbliche Angebote rund um die Betreuung und Pflege von Hunden sind in Sachsenheim vorhanden. Eine gesonderte statistische Erfassung der Tierarztpraxen, Hundepensionen und Hundefriseure führt die Stadtverwaltung jedoch nicht, sodass hierzu keine belastbare Anzahl genannt werden kann“, teilt Pressesprecherin Nadja Greiner mit.

 
 
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