Kreis Ludwigsburg Zwischen Politik und Partyschlager

Von Yannik Schuster
Landtagskandidatin Helena Herzig auf ihrem E-Roller vor ihrer alten Schule in Ditzingen. Die Zeit am Gymnasium habe sie stark geprägt, sagt sie.  Foto: /Martin Kalb

FDP-Kandidatin Helena Herzig erzählt von ihrer Schulzeit, ihrem Weg in die Politik und ihrer Liebe zum Ballermann.

Die Zeit am Gymnasium in der Glemsaue in Ditzingen habe sie sehr geprägt, sagt Helena Herzig. Deshalb habe sie diesen Ort für das Gespräch mit der BZ ausgewählt. Am 8. März kandidiert die 26-jährige FDP-Politikerin für den baden-württembergischen Landtag im Wahlkreis Vaihingen. Geboren in Karlsruhe wuchs Herzig zunächst im Elsass auf. Nach der Trennung ihrer Eltern zog sie mit ihrer Mutter zur Großmutter nach Ditzingen – wo die drei auch knapp 20 Jahre später noch zusammen wohnen.

In der Schule sei sie eine ehrgeizige Schülerin, eine Einzelgängerin, gewesen. Die Worte ihrer Biologie-Lehrerin – „Du musst dir auch immer selber Freundin bleiben“ – begleiten sie nach eigener Aussage bis heute. Damals hatte Helena Herzig mit der Politik noch wenig zu tun. Erst rund um die Europawahl 2019 – ihre erste Wahl überhaupt – habe sich ein Interesse für die Politik entwickelt. Früh habe sie sich für den Klimaschutz interessiert und an Fridays-for-Future-Demonstrationen teilgenommen. Während der Pandemie habe sie sich schwer getan mit Ausgangssperren und der Isolation. „Da wird man entweder deprimiert oder verfällt in Aktionismus. Bei mir war es letzteres.“ Auch eine E-Mail an den damaligen FDP-Parteichef Christian Lindner, der ihr in seiner Antwort eine Parteimitgliedschaft nahegelegt habe, hätten sie dabei bestärkt, sagt Herzig.

Eigenen Song aufgenommen

Trotz ihres jungen Alters hat Herzig in kurzer Zeit schon so einiges mitgemacht: Sie war im Bundesvorstand der Jungen Liberalen, hat sich mit einer Kampfkandidatur um einen Posten im FDP-Landesvorstand durchgesetzt und ist Ortschaftsrätin im Ditzinger Stadtteil Hirschlanden. Nachdem sie bei der Landtagswahl 2021 bereits beim Wahlkampf geholfen habe, sei sie nunmehr zu dem Entschluss gekommen: „Warum soll ich Wahlkampf für andere machen, wenn ich auch etwas zu sagen habe?“ Zumal ihre Partei in einer schwierigen Lage junge Gesichter gebrauchen könne.

Dabei habe man in der Familie zunächst skeptisch auf ihre Kandidatur geblickt. Ob sie angesichts ihres Studiums – Herzig studiert BWL mit Schwerpunkt Nachhaltigkeit und Ressourceneffizienz – nicht die falschen Prioritäten setze, habe man ihr gesagt. Doch sie habe sich nicht davon abbringen lassen, auch weil der Großteil des Studiums längst geschafft sei.

Bei Helena Herzig dreht sich viel um Klimaschutz. Zu diesem Zweck gründete die Ditzingerin den Verein „Ökologische Marktwirtschaft“ und will sich dafür auch im Landtag einsetzen. „Ich will, dass wir Klimaschutz im Land betreiben, so dass er wirtschaftlich tragfähig bleibt.“ Weitere Schwerpunkte legt Herzig auf die Wirtschafts- und Bildungspolitik. Sie spricht sich etwa für einen Erhalt der Vielschichtigkeit des Schulsystems und des Leistungsprinzips aus.

Im Privatleben begeistert sich Herzig für den Ballermann und Partyschlager. Einmal im Jahr gönne sie sich einen Urlaub auf Mallorca.

Sogar einen eigenen Song namens „Hakuna Matata“ habe sie bereits aufgenommen. Irgendwann soll dieser veröffentlicht werden, ob noch vor der Wahl oder erst danach, stehe noch nicht fest. „Helena Herzig wäre ja schon ein guter Name für einen Partyschlager-Star“, sagt sie und lacht. Dabei sieht die 26-Jährige, die zuletzt im Rahmen ihres Praxissemesters bei den Stadtwerken Ditzingen für den Rollout intelligenter Stromzähler verantwortlich war, ihre berufliche Zukunft klar im Bereich des Klimaschutzes und nachhaltigen Innovationen – egal ob in der Politik oder der Industrie. Auch eine Kandidatur bei der kommenden Oberbürgermeisterwahl in Ditzingen 2031 könne sie sich vorstellen.

Keine Illusionen

Was den Ausgang der Landtagswahl betrifft, mache sie sich keine Illusionen. Ein Einzug durch die Landesliste sei bei Listenplatz 27 ohnehin ausgeschlossen. Sollte die FDP sogar an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern, dann werde es sehr schwer, wieder aus dem „Tal der Tränen“ herauszukommen. In den kommenden Wochen will Helena Herzig deshalb reichlich Wahlkampf betreiben: Infostände, Firmenbesichtigungen, Podiumsdiskussionen, Haustürwahlkampf oder Brezelaktionen am Bahnhof seien geplant.

Auch habe sie sich mit nahezu allen Bürgermeistern in ihrem Wahlkreis getroffen. Doch auch das Studium erfordere Aufmerksamkeit, denn noch stünden einige Prüfungen an.

Kandidatenporträts

In loser Reihenfolge stellt die BZ-Redaktion die Kandidatinnen und die Kandidaten vor, die sich bei der Landtagswahl am Sonntag, 8. März, in den Wahlkreisen Bietigheim-Bissingen und Vaihingen um ein Mandat für den Baden-Württembergischen Landtag bewerben. In dieser Artikelreihe geht es nicht um politische Aussagen der Kandidaten, viel mehr will die Redaktion die Person mit ihren Leidenschaften und Interessen sowie ihrem persönlichen und beruflichen Werdegang vorstellen.

Hier geht’s zu mehr BZ-Kandidatenporträts zur Landtagswahl 2026:

Meike Günter (Die Grünen)

Nikolaos Boutakoglou (AfD)

Konrad Epple (CDU)

Torsten Liebig (SPD)

Steve Burgstett (Die Linke)

 
 
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