Kreistag in Ludwigsburg Hakelei um Straßenausbau

Von Jörg Palitzsch
Zwischen Bietigheim-Bissingen und Tamm soll eine dritte Fahrspur den Verkehr flüssiger machen. Foto: Richard Dannenmann

Der Kreistag stimmt dem Bau einer dritten Fahrspur zwischen Bietigheim-Bissingen und Tamm nach einer heftigen Diskussion zu.

Der Ausschuss für Umwelt und Technik hatte bereits im Oktober 2022 empfohlen, dem Bau einer dritten Fahrspur zwischen Bietigheim-Bissingen und Tamm mit Kosten in Höhe von rund 2,5 Millionen Euro zuzustimmen (die BZ berichtete). Dabei geht es um eine 650 Meter lange Ausbaustrecke der K 1671 von der B 27 aus vorbei am Gewerbegebiet Laiern I-III bis zur Einmündung der Fritz-Lieken-Straße.

Walter (Grüne):Rausgeschmissenes Geld

Saniert werden soll auch der Knotenpunkt mit der B 27 bei Porsche, durch die Ergänzung einer Einfädelspur wollen die Planer einen besseren Verkehrsabfluss in Richtung A 81 erreichen. Die Kreisstraße zwischen Bietigheim-Bissingen und Tamm muss täglich 21 000 Fahrzeuge verkraften, die Kapazitätsgrenze liegt jedoch nur bei rund 15 000 Fahrzeugen, so das Landratsamt. Durch den Bau einer weiteren Fahrspur soll der Verkehr flüssiger werden, Staus vermieden und die Verkehrssicherheit erhöht werden. Vorgesehen ist nach dem Ausbau die Beibehaltung der Geschwindigkeit von 70 Stundenkilometern, ein ergänzender Radweg ist nicht vorgesehen, da eine Verbindung auf Wirtschaftswegen zwischen beiden Kommunen ausreichend vorhanden sei.

Vor der Abstimmung über das Vorhaben in der jüngsten Sitzung des Kreistags in Ludwigsburg ergriff Jürgen Walter (Grüne) das Wort. Man habe auch im Landkreis ein sehr dichtes Straßennetz, aber Defizite bei der Bildung und im Klimaschutz. Er forderte bei der Straßenplanung ein Umdenken ein. Es stelle sich die Frage, ob die geplante Baumaßnahme sinnvoll sei, es werde damit Geld rausgeschmissen. Die Anbindung an die B 27 sei in Ordnung, aber es sei völlig egal, ob man aus Richtung Tamm einspurig- oder zweispurig darauf zufahre, so Walter.

Kreisrat Gerhard Jüttner (SPD) sagte, man solle keine Grundsatzdiskussion über mehr oder weniger Straßen eröffnen. Die Ertüchtigung der völlig überlasteten Straße sei positiv und mit überschaubaren Kosten auch zu bewältigen. „Die Vorteile überwiegen“, so Jüttner.

Peter Schimke (Linke) meinte, der Ausbau der Kreisstraße ziehe noch mehr Verkehr an, seine Fraktion werde deshalb dagegen stimmen. Bei Linken und Grünen werde Mobilität immer nur auf den Autoverkehr reduziert, konterte Klaus Herrmann von der CDU.

In allen Kommunen des Landkreises seien die Grenzwerte unterschritten, „obwohl es mehr Autos gibt.“ Der Ausbau der Straße zwischen Bietigheim-Bissingen und Tamm verringere Staus und damit auch Abgase.

Baustart ist für das Frühjahr

geplant

Schimke beantragte daraufhin eine getrennte Abstimmung – zum einen über den Anschluss an die B 27, zum anderen über den Streckenausbau. Jürgen Vogt, im Landratsamt zuständig für Verkehr und Straßen, machte darauf aufmerksam, dass bei einer getrennten Ausführung auch neue Planungen nötig seien, was das Vorhaben weiter verzögere.

Während Schimke an seinem Antrag festhielt, wies Jürgen Kessing (SPD) darauf hin, man müsse im Gremium zunächst grundsätzlich darüber abstimmen, ob man eine getrennte Abstimmung überhaupt wolle. Dies wurde im Gremium anschließend mit Mehrheit abgelehnt, damit war der Schimke-Antrag passé. Anschließend stimmte der Kreistag mit großer Mehrheit für den Ausbau des Verkehrsknotens und dem Bau einer weiteren Fahrspur zwischen Bietigheim-Bissingen und Tamm.

Die Kosten für die neue Anbindung an die B 27 tragen Bund und Land, die Kosten für den Straßenbau in Höhe von 2,5 Millionen Euro teilen sich das Land und der Kreis. Die Ausschreibung und der Baustart sind für das Frühjahr vorgesehen, die Bauzeit beträgt laut Landratsamt voraussichtlich 28 Wochen.

Die Kreisstraße muss dann für rund 14 Wochen zwischen der Zufahrt zum Industriegebiet Laiern IV (Fritz-Lieken-Straße) und der B 27 voll gesperrt werden. Eine Umleitung wird eingerichtet, Verkehrsbehinderungen seien jedoch nicht zu vermeiden.

  Jörg Palitzsch

 
 
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