Cowboyhut auf, Lederstiefel und Blue Jeans angezogen: wo früher Reifröcke und Perücken das höfische Leben dominierten, stand am Freitagabend der Dresscode für viele Fans fest, und das hatte einen Grund: „The Boss Hoss“ stationierten auf ihrer „Back to the Boots“- Tour in der Residenzstadt, eröffneten die KSK Music Open – und hatten das erklärte Ziel, an diesem Abend zusammen mit den Fans das Schloss abzureißen.
KSK Music Open Berliner Viehhirten im Ländle
„Boss Hoss“ eröffneten die KSK Music Open. Die Country-Rock-Veteranen rissen das Publikum mit ihrer temperamentvollen Bühnenshow mit.
„On the Road again“ war dann gleich einer der ersten Titel, mit dem sie das Publikum gegen neun Uhr auf Touren brachten. „Unterwegs“, das sind auch die beiden Musiker: Mit dem neuen Album „Back To The Boots“ und der dazugehörenden Tour wollen sie zu ihren musikalischen Wurzeln zurückkehren. Die Klassiker wie „Don’t Gimme That“, „Dos Bros“, „Do It“ und „Jolene“ waren aber auch an diesem Abend natürlich wieder mit dabei.
Seit zwei Jahrzehnten auf der Bühne
Seit zwei Jahrzehnten gibt es Boss Hoss inzwischen: Alec Völkel alias Boss Burns und Sascha Vollmer alias Hoss Power, zusammen mit Hank Williamson (Mundharmonika, Mandoline), Russ T. Rocket (Gitarre), Guss Brooks (Kontrabass), Frank Doe (Drums) und Ernesto Escobar de Tijuana (Percussion). Live unterstützen sie seit langem die Bläsersektion „The Tijuana Wonderbrass“, die in mexikanischem Mariachi-Kostüm und Sombrero spielten. Auch auf dem neuen Album: die Single „I’ll Be Back“, für die die beiden Arnold Schwarzenegger ins Studio holten, der sein berühmtes Terminator-Zitat beisteuerte. Weiter ging es mit „Burn Baby Burn“, einem neuen Song, ebenso wie „One more time“, aber auch Covers wie „Ring of Fire“.
Bei „Hey Ya!“, auch ein neuer Titel, gab Hank Williamson an der Mundharmonika alles. Und dabei wurde nicht nur mit amerikanischem Akzent das „R“ gerollt: zumindest Hoss beherrscht auch das Schwäbische – immerhin ist er gebürtiger Heidenheimer. „Soid ihr alle Schwobaseggl?“, fragte er das Publikum und erhielt fast einstimmige Bestätigung, auch wenn er erfuhr, dass nur ein kleiner Teil des Publikums aus Ludwigsburg selbst kam.
Felix wird zur „Jolene“
Und auch bei diesem Konzert gab es wieder eine „Jolene“: wie erfahren Fans wissen, holt sich die Band zu diesem Song seit einiger Zeit Unterstützung aus dem Publikum auf die Bühne. Ein kreatives Pappschild erhielt diesmal den Zuschlag: „Darf ich eure Jolene sein?“, hatte Felix, von Beruf Erzieher, darauf geschrieben, wurde direkt auf die Bühne geholt und durfte mitsingen.
In den ersten Minuten vor dem vollen Schlosshof merkte man ihm die Nervosität noch deutlich an, dann fand er mit den ersten Akkorden des Songs aber zu solcher Stimmgewalt, dass auch Boss Burns der Mund offenstand und er, voll des Lobes war. Auch wenn beim Abschluss um elf Uhr das Schloss noch stand, hinterließen die beiden aber zumindest ein glücklich-erschöpftes Publikum mit wundgeklatschten Händen.
