Im Rahmen der Reihe „Mundart und Musik“ präsentiert der Schwäbische Albverein mit seiner 500 Mitglieder starken Ortsgruppe Gemmrigheim einmal pro Jahr Künstler, die in der Kelter für gute Laune sorgen. In diesem Jahr hatte der Stuttgarter Hauptverein für die Veranstaltung der Seniorengruppe Claudia Pohel ausgewählt, die nicht nur durch ihr Harfenspiel, Gitarre und Gesang, sondern auch durch ihre Bilder bekannt geworden war. Unter dem Motto „Goht’s no?“ zeigte sich die ursprünglich aus Wiesensteig stammende Künstlerin am Freitag „Vielseitig und Vielsaitig“.
Kultur in Gemmrigheim Gesang gepickt mit einer guten Portion Ironie
Sängerin Claudia Pohel trat unter dem Motto „Goht’s no?“ bei der Gemmrigheimer Ortsgruppe des Schwäbischen Albvereins auf.
Claudia Pohel frotzelt über die Dinge des täglichen Lebens
Die sympathische Liedermacherin breitete ihr Leben unterhaltsam vor dem Publikum aus und bekannte lachend: „I han em Gräbele gschlofa.“ Gespickt mit einer guten Portion Ironie beschrieb sie plastisch die Dinge des täglichen Lebens, die „schlonzigen Schnecka“ und den „Semsakrebsler, Magenverhexer, Stehaarexoter, Dünndarmverknoter“. Sie frotzelte genauso gutmütig über die heranwachsenden Mädchen mit ihrem Schönheitswahn wie über die langen Bärte der jungen Männer, „die mit dor Hecke im G’sicht“ und stellte fest: „So alt wie du grad aussiesch, wirsch du doch nie!“ Scherzhaft plauderte sie vom „Zwetschgegsälzbrot“ und besang Barbie, denn „jede Barbie hat ihrn Ken, aber Ken will lieber Ben“.
Das Publikum, das nicht nur aus der näheren Umgebung, sondern unter anderem auch aus Etzlenswenden und Prevorst angereist kam, zeigte sich begeistert: „Da bleiben die Mundwinkel oben.“
Besucher kommen von weither, um die Sängerin zu hören
Doch auch ernsthafte Stücke kamen zum Tragen. Sie lagen fernab jeglicher Komik und gingen den Zuhörern unter die Haut. „Temms de vivre“ – „Zeit zu leben“ – von Georges Moustaki war von Pohel für die Harfe ungeschrieben worden. Ein Lied mit Tiefgang, bei dem der Musikerin der technisch schwierige Spagat gelang, während des Harfenspiels zu singen. „Danny boy“ ein traditioneller irischer Song, der später von der IRA als Hymne missbraucht worden war, erklang tragisch-schön auf Englisch, unterstützt vom Klang der mittelalterlichen Hakenharfe – nachdenklich, melancholisch und gleichzeitig voller Herz. Liebeslieder folgten in schwäbischer Romantik und „You‘ve got a friend“ wurde überzeugend eingeschwäbelt in „Du hosch a Freindin“.
Immer wieder spannte Claudia Pohel den Bogen zu aktuellen, zeitkritischen Themen, witzelte über den Hausmeister, der seinen gelben Sack hütet „wie bei dor Stasi“ und dichtete über das „Trumpeltier“ mehr ein- als doppeldeutig. Die Musikerin bot ihren Gästen ein gekonntes Wechselspiel aus Jux und Getragenheit. Renate K. aus Gemmrigheim faszinierte besonders „die Aktualität der Themen“.
Schließlich beendete Claudia Pohel den Abend in der Gemmrigheimer Kelter mit dem hoffnungsvollen Lied Dietrich Bonhoeffers „Von guten Mächten wunderbar geborgen“, in das viele Zuschauerstimmen einfielen.
