Alle städtisch geförderten und bezuschussten Institutionen leiden unter den schlechten Finanzen und dem damit verbundenen Sparwillen der Stadt Ludwigsburg“, sagt Christine Hofer, künstlerische Leiterin des Ludwigsburger Theatersommers im Clussgarten. „Ich verstehe, dass wir alle sparen müssen und weniger Geld bekommen, aber eine zugesagte Förderung kurzfristig auszusetzen, ist für einen kulturellen Betrieb eine unlösbare Situation“, sagt Hofer. Im Januar habe man ihr und der kaufmännischen Leiterin Susanne Schmidt mitgeteilt, dass 80.000 Euro, beinahe die Hälfte des Gesamtzuschusses, eingefroren werden und erst im Juli entschieden wird, ob das Geld freigegeben werde.
Kultur in Ludwigsburg Theatersommer kämpft mit unsicheren Finanzen
Die Stadt hält fast die Hälfte des Budgets von 180.000 Euro zurück und will erst im Juli über die Zahlung entscheiden.
Planung für die Saison steht seit letztem Sommer
Am 13. Juni soll der Theatersommer offiziell starten. „Jeder, der im Theater arbeitet, weiß, dass Verträge mit dem Ensemble über Stückerechte meist ein Jahr im Voraus geschlossen werden und man so kurzfristig nichts machen kann.“ Die Planung über die kommende Saison sei aber schon längst abgeschlossen, „wir können nicht reagieren, um Geld einzusparen“, sagt Hofer. Verträge seien geschlossen, Stücke gekauft. Eine „bedrohliche Situation“ sei das. Zwar komme der höchste Anteil des Etats über die eigenen Einnahmen aus den Kartenverkäufen, aber da der Theatersommer ein Openair-Theater mit unvorhersehbaren Wetterbedingungen sei, wisse man nie im Voraus, wie viel Geld hereinkomme. „Ein verregneter Sommer wäre in diesem Jahr tragisch“, so Hofer.
Bei der Planung habe sie schon im Kopf gehabt, dass „das Programm so interessant sein muss, dass genügend Zuschauer kommen“. Hinzu kämen Kostenfaktoren, die nicht aufschiebbar seien, wie, dass im Herbst die Bühne gewartet und zum Teil erneuert werden müsse. Auch für besondere Inszenierungen müsse man investieren. So sei bei der Aufführung in diesem Sommer von Yasmina Rezas Stück „Bella Figura“ ein besonderes Auto wichtig, dass angesichts klammer Kasse nicht drin war. „Da kommt dann zum Glück unser Förderverein und unser Netzwerk zum Einsatz“, sagt Hofer. In diesem Fall war es Scala-Geschäftsführer Horst P. Jung, der ein E-Golf-Cart zur Verfügung stellt. „Er hat die Aufführung gerettet“, sagt die Intendantin.
Kindertheater ist am unwirtschaftlichsten
Wenn, was Hofer und Schmidt befürchten, der Zuschuss der Stadt für die Saison 2027 generell gekürzt werde, müsse man sich von dem am wenigsten wirtschaftlichen Bereich trennen. „Und das ist leider das Kindertheater, so beliebt es auch ist und hier vor allem die Vormittags-Schülervorstellungen“, sagt Hofer. Diese sind zwar immer schon früh ausverkauft, werden aber finanziell von den großen Abendstücken getragen, rechnen sich nicht von selbst. Sieben Euro muss ein Kind Eintritt zahlen, das sei weit entfernt von kostendeckend, aber mehr seien viele nicht bereit, zu zahlen. Auch müsse man dann Kooperationen wie die sehr produktive mit der Akademie für Darstellende Kunst Baden-Württemberg überdenken, die auf der kleinen Rondellbühne aufgeführt wird. Nur 100 Besucher können sie sehen, sie ist deshalb nicht kostendeckend.
Programm des Theatersommers
Offiziell beginnt der Theatersommer am 13. Juni. Jedoch wird es in diesem Jahr ausnahmsweise schon vom 12. bis 15 Mai eine Inszenierung auf der Rondellbühne geben. Die Kooperation mit der Akademie für Darstellende Kunst Baden-Württemberg in Ludwigsburg (ADK) findet ihre Fortgang mit „Novecento“. die Nachwuchsregisseurin Kim Salmon inszeniert das Monologstück von Alessandro Baricco mit dem Schauspieler Levi Tounkara, der 2024 den Jugendfilmpreis als bester Schauspieler bekam. Erzählt wird die Geschichte eines begnadeten Pianisten, der alleine auf einem Schiff aufwächst und dies nie verlässt.
Das erste Stück, dass dann ab 13. Juni aufgeführt wird ist „Hamlet“ von William Shakespeare. „Auf diese Welle wollte ich unbedingt aufspringen in diesem Shakespeare-Jahr“, sagt Intendantin Christine Hofer, die das Stück inszeniert. Mit sechs Schauspielern will sie die „nicht ganz einfache Geschichte“ auf die Theatersommer-Bühne bringen und in die „verzweigten Tiefen eindringen“. Hamlet sei das stück der Stunde derzeit, weil es zeigt, wie aufgeklärte Menschen in Krisen schlittern können und dies oft nur mit Humor aushalten.
Auf der Rondell-Bühne wird dann Yasmina Rezas „Der Gott des Gemetzels“ vom 14. bis 26. Juli aufgeführt, als Wiederaufnahme war es ein vielfacher Publikumswunsch. Darauf folgt die Neuinszenierung von Rezas schwarze Komödie„Bella Figura“, das Peter Kleinert leitet und das von einem Pärchen handelt, das keines sein dürfte.
„Emil und die Detektive“ kommt als Wiederaufnahme auf die Kinderbühne im Clussgarten. Und als zweites Kinderstück inszeniert Christine Hofer „Pinocchio“. „Aber nicht als Stück der schwarzen Pädagogik“, so Hofer. Deshalb hat sie sich der Fassung des Schwetzinger Theatermachers Joerg Steve Mohr angenommen, die diese Pädagogik sogar in Frage stellt und die Geschichten um die Holzpuppe „zauberhaft“, wie Hofer sagt, erzählt. Die Fantasie des Kindes in der Holzpuppe käme stattdessen zum Tragen. Drei Studierende der ADK führen das Stück auf mit allen Rollen auf. .
