Kunst-Workshop Bönnigheim Gepfefferte Kunst, die gut riecht

Von Yannik Schuster
David Brenner aus Bönnigheim (rechts) zeigt stolz sein Werk, das er wie andere Teilnehmer mit Workshopleiterin Silke Seybold (links), beim Workshop am Sonntag im Museum im Steinhaus in Bönnigheim gefertigt hat. Foto: /Martin Kalb

Im Bönnigheimer Schnapsmuseum hat die Künstlerin Silke Seybold ihre Kunst der Lumen-Bilder zum Besten gegeben und Workshop-Teilnehmer geschult.

Kunst kommt bekanntlich in allerlei Formen und Farben daher. Im Falle der Künstlerin Silke Seybold sind es die sogenannten Lumen-Bilder. Im Rahmen eines Workshops im Schwäbischen Schnapsmuseum in Bönnigheim konnten am Sonntag Interessierte ihr Glück als Künstler und Künstlerinnen versuchen.

Inspiration aus den USA

Diese Art der Kunst sei in Deutschland nicht weitläufig bekannt, erklärt Seybold. Sie habe solche Bilder zum ersten Mal in den USA gesehen, wo die Künstlerin Fotografie studierte. Bei Lumen-Bildern werden Pflanzen auf Fotopapier gelegt und anschließend von der Sonne belichtet, sodass klare Konturen entstehen. Salz, Gewürze oder Spülmittel sorgen für weitere Effekte.

Die Herstellung verzichtet daher auf Chemie und kommt ohne Dunkelkammer aus. So kam Seybold auch die Idee, mit der Lumen-Kunst zu beginnen: Vor acht Jahren habe sie eine große Menge Fotopapier geschenkt bekommen. „Aus Verzweiflung, weil ich nach der Rückkehr nach Deutschland keine Dunkelkammer mehr hatte, habe ich dann mit den Lumen-Bildern angefangen“, erklärt sie. Seit etwa fünf Jahren experimentiert sie nun bereits mit verschiedensten Gewürzen und Materialien. So hinterlässt Salz etwa eine blaue Farbe, während Pfeffer eher helle Stellen erzeugt.

Schön und wohlriechend

Ein Nebeneffekt der Gewürze: „Es riecht gut“, stellt der elfjährige David Brenner fest, der gemeinsam mit Vater Nassim zum Workshop gekommen war. „Wir haben das im Blättle gelesen und gar nicht lange überlegt. Das klang einfach interessant“, sagt er weiter.

Ein weiterer Vorteil der Lumen-Bilder: Es dauert nicht lange, ein solches Bild zu erstellen. Steht einmal die gewünschte Komposition mit Blättern, Federn und Gewürzen, dann geht es an die Sonne.

Bereits nach Sekunden beginnt das Fotopapier sich zu verfärben, nach wenigen Minuten ist das Bild fertig. „Die Intensität der Farbe hängt dabei von der Intensität der Sonneneinstrahlung ab“, erklärt Seybold. Nach rund 20 Minuten präsentiert David Brenner stolz sein fertiges Kunstwerk. Ein paar mögliche Plätze für das Bild hat er bereits im Kopf.

Das Licht-Bild verändert sich

Dabei ist jedoch Obacht geboten: Wer sein fertiges Lumen-Bild zu Hause ausstellen möchte, der sollte dafür lediglich ein eingescanntes und anschließend ausgedrucktes Exemplar verwenden. Das Original verändert schnell seine Farbe und sollte daher möglichst dunkel, in einer Box oder in einem Buch, gelagert werden.

Silke Seybold hat bisher rund 250 Lumen-Bilder angefertigt, experimentiert hat sie dabei viel: „Man kann auch Stoffe oder Metall anstatt Blättern benutzen, um Konturen zu schaffen.“ Auch bei den Gewürzen habe sie unterschiedliche Effekte festgestellt. Lediglich mit getrockneten Blättern waren die Ergebnisse nicht zufriedenstellend. Der Fantasie sind entsprechend kaum Grenzen gesetzt. Von optisch ansprechenden Motiven bis hin zu Bildern mit Interpretationsspielraum – möglich ist alles.

So präsentiert die Künstlerin eine Auswahl ihrer eigenen Bilder: Schöne Blumen oder Blattmotive reihen sich dabei neben das Motiv eines Schmetterlings, gefangen in einem Ring aus Flechten. Für Silke Seybold war dieser Workshop der erste dieser Art. Schnell bildete sich eine Traube aus Menschen um ihren Stand. Jüngere und ältere Interessierte wollten gleichermaßen selbst ihr Glück als Kunstschaffende versuchen.

 
 
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