Kurzfristige Absage in Bietigheim-Bissingen Sternlesmarkt: Buden werden wieder abgebaut

Von Heidi Vogelhuber
Am Mittwochmorgen ist der Bietigheimer Sternlesmarkt ebenfalls abgesagt worden. Erich Bauer und Karin Motz bauten am frühen Nachmittag völlig enttäuscht ihren Imbissstand gegenüber dem Rathaus ab. ⇥ Foto: Martin Kalb

Ein Markt nach dem anderen wurde abgesagt. Marktbeschicker ärgern sich über Politik und schlechte Kommunikation.

Nachdem die Büdchen aufgebaut, die Waren schön angeordnet und die Lichterketten aufgehängt waren, kam die bittere Nachricht: Der Sternlesmarkt kann auch 2021 nicht stattfinden. Erst Esslingen, dann Ludwigsburg, gefolgt von Stuttgart und nun auch Bietigheim-Bissingen.

Entscheidung alternativlos

In nichtöffentlicher Sitzung hat sich der Bietigheim-Bissinger Gemeinderat am Dienstagabend einstimmig dazu entschlossen, den Sternlesmarkt in der Altstadt abzusagen – „mit großem Bedauern“, wie es in einer Mitteilung heißt. Die Stadtverwaltung hatte diesen Schritt empfohlen. Aufgrund der rasanten Entwicklung der Pandemie und der Verhängung der Alarmstufe II sei die Entscheidung „alternativlos“ gewesen, sagt Sprecherin Anette Hochmuth.

Dass der Beschluss erst zwei Tage vor der für Donnerstag geplanten Eröffnung des Weihnachtsmarkts fiel, begründete sie damit, dass erst am Montag die Absagen aus Ludwigsburg und anderen Städten in der Region kamen. „Wir wären dann der einzige Weihnachtsmarkt weit und breit gewesen.“ Bietigheim wäre dadurch zu einem „Hotspot“ geworden. Zudem habe man die Absage noch mit dem Gemeinderat am Dienstag beraten wollen.

Das sei auch das einzig Vernünftige, sagt Matthias Eigel, der seit vielen Jahren den Stand „Toni Maroni“ auf dem Ludwigsburger Weihnachtsmarkt betreibt. „Sonst wären ja alle nach Bietigheim gepilgert.“ Was der 56-Jährige allerdings nicht versteht ist, warum sich die Städte nicht zusammengesetzt und gemeinschaftlich eine Regelung überlegt haben. Eine Absprache im Umkreis von vielleicht 100 Kilometern hätte viel geholfen. Nach der ersten Absage mussten alle anderen auch absagen, um eine Ballung zu vermeiden. „Eine Kettenreaktion.“ Bei allem Verständnis für die Absagen sagt Eigel aber auch: „Das ist nicht nur traurig, sondern für viele existenzbedrohend.“

Verlagerung der Probleme

Wenn er den Glühwein zurückgeben würde, könnte er zwar seine Verluste verringern, jedoch würde sich dann das Problem auf die Wengerter verlagern, ähnlich gehe es seinem Großlieferanten mit den Maronen. Er biete daher einen Garagen-Verkauf von Maronen und Glühwein an. „Ich bin ein Mensch, der kämpft. Und trotzdem würde ich mich am liebsten unter der Decke verkriechen.“ Am Montag hätten er und seine Eltern den Stand auf dem Ludwigsburger Marktplatz gerade fertig aufgebaut und eingerichtet, als die Absage per Mail kam. „Wir haben erst einmal geheult. Weihnachtsmarkt ist Leidenschaft und nicht nur Business“, sagt er und ist unzufrieden mit der Politik. Ob er sich nächstes Jahr trotzdem wieder auf einen Standplatz bewerben werde? „Klar. Wenn es die Corona-Lage hergibt und man es sich wirtschaftlich leisten kann“ – er habe von 30 Prozent der Marktleute gehört, dass sie es nicht schaffen würden, die Absage nochmals finanziell zu verkraften.

„Es lag schon in der Luft, die offizielle Absage des Sternlesmarkts kam dann Mittwochmorgen“, sagt Nicol Mayer. Der Erligheimer wäre mit seinem Catering-Betrieb auf dem Ludwigsburger und auf dem Bietigheimer Weihnachtsmarkt vertreten gewesen. Ein Teil der Ware werde wohl oder übel entsorgt werden müssen, ewig seien die Lebensmittel nicht haltbar. Ob er einen Verkauf fernab der Märkte anbieten könne, wisse er noch nicht. „Wir müssen nun erst Schadensbegrenzung betreiben und die Stände abbauen“, sagt er betrübt. Auch wenn das alles sehr zermürbend sei, habe das Organisationsteam der Stadt die Kommunikation so transparent und so gut wie es eben ging gehalten. Nächstes Jahr bewerbe er sich auf jeden Fall wieder auf beiden Märkten. „Wir bleiben weiterhin zuversichtlich.“

„Ich hätte eigentlich bereits letztes Jahr das 40-jährige Bestehen meines Standes gefeiert, nun wird es wohl noch weiter verschoben“, sagt Christa Laiß aus Ingersheim. Sie betreibt gemeinsam mit ihrem Mann Dieter Kaiser den Stand „Artis Tinctoria“ und wäre auf dem Ludwigsburger Weihnachtsmarkt vertreten gewesen. Sie bieten pflanzlich gefärbte und ökologisch hergestellte Woll- und Seidentücher an. „Als die E-Mail am Montag um 16.45 Uhr kam, hatten wir schon alles aufgebaut.“ Man sei realistisch gewesen, keiner der Standbetreiber sei von einem Markt bis zum 22. Dezember ausgegangen, aber mit zwei Wochen Laufzeit habe man schon gerechnet. Aber so sei es schon eine „harte Nummer“ gewesen, dass die Absage so kurzfristig kam, sagt die 62-Jährige, die ihren Stand hauptberuflich betreibt. Nun weiche man auf einen Lagerverkauf in Kleiningersheim aus. Finanziell sei das natürlich ein Tropfen auf den heißen Stein und doch sagt Laiß: „Ich mache das mit Leib und Seele. Beim Lagerverkauf fehlt das Drumherum. Die Menschen, die Atmosphäre. Es ist ein Verlust für alle.“

 
 
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