KZ-Gedenkstätte in Vaihingen „Der Verein braucht eine Verjüngung“

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Der stellvertretende VorstandssprecherJörg Becker sieht den Verein KZ-Gedenkstätte vor neuen Herausforderungen.⇥ Foto: mib

Beim Verein KZ-Gedenkstätte Vaihingen steht ein Umbruch bevor. Die Vorstandsarbeit soll in jüngere Hände gelegt werden.

Für den April 2020 – genau 75 Jahre nach der Befreiung des Vaihinger Konzentrationslagers durch die französische Armee – hatte der Verein KZ-Gedenkstätte eine große Veranstaltung geplant. Wie bei so vielem in diesem Jahr machte aber die Corona-Pandemie einen Strich durch die Rechnung. Und angesichts der noch immer unabsehbaren Situation wurde inzwischen auch der neue, um ein Jahr verschobene Termin abgesagt, erläutert der stellvertretende Vorstandssprecher des Vereins, Jörg Becker.

Mitten in dieses Krisenjahr fiel auch der 30. Jahrestag der Gründung des Gedenkstättenvereins. Im November 1990 hatten sich im Vaihinger Büchereikeller viele geschichtsinteressierte Bürger zusammengefunden, um ihr Ziel – den Aufbau einer Gedenkstätte – gemeinsam zu verfolgen. 80 Mitglieder waren es damals auf einen Schlag, erinnert sich Becker, der seit jenem Tag zum vierköpfigen Führungsgremium gehört. Dem vorangegangen waren etliche Jahre, in denen das Thema erst nach und nach ins Bewusstsein vieler Menschen gerückt war. Besonders auch durch die Forschungen des Vaihinger Historikers Dr. Manfred Scheck.

Beharrliche Arbeit

Denn wenngleich 1958 ein eigener Friedhof eingerichtet worden war, auf dem ein Teil der rund 1500 Toten begraben liegt, so drohten doch von dem einstigen Lager selbst die letzten Spuren für immer verloren zu gehen. Mit seiner beharrlichen Arbeit ist es dem Verein nicht nur gelungen, eine eigene Gedenkstätte aufzubauen, sondern diese über viele Jahre ehrenamtlich zu betreiben – mit rund 3000 Besuchern pro Jahr.

Die Veranstaltungen zum runden Geburtstag des Gedenkstättenvereins mussten nun allerdings ebenfalls wegen der Pandemie entfallen. Nächster wichtiger Termin dürfte somit die Vollversammlung Mitte März sein. Es wird kein gewöhnliches Treffen sein. Denn nicht nur personell soll es eine Zäsur geben.

So wird Vorstandssprecher Bernhard Freckmann nach 13 Jahren seinen Posten altershalber abgeben. Und auch er selbst wolle diesen Schritt in absehbarer Zeit tun, verrät der stellvertrete Vorstandssprecher Becker. „Der Verein braucht eine Verjüngung.“

Neue Phase

Becker sieht zudem auch eine neue Phase für den Verein anbrechen. In den ersten Jahren sei es darum gegangen, politische Mehrheiten zu finden und Fördergelder für den Aufbau der Gedenkstätte zu gewinnen. Zudem galt es, die Geschichte des Konzentrationslagers weiter zu erforschen und dies didaktisch umzusetzen. Jetzt sei eine Neuausrichtung nötig. Erstmals werde überlegt, eine Stelle jenseits des reinen Ehrenamtes zu schaffen, so Becker.

Das Land Baden-Württemberg fördere die Einstellung von 450-Euro-Kräften an den Gedenkstellen im Land. Das wolle man nutzen und eine wissenschaftliche Hilfskraft gewinnen. Deren Aufgabenfeld könnte beispielsweise in der nötigen Digitalisierung liegen. Zudem soll die Vaihinger KZ-Gedenkstätte auch Auftritte in den sozialen Medien bekommen. Denn es gehe nicht nur um das Erinnern an zurückliegende Ereignisse. In einer Zeit, in der sich wieder rechtspopulistisches oder rechtsextremes Gedankengut ausbreite, müsse eine Gedenkstätte mehr denn je die Besucher mit ihrer Gegenwart konfrontieren. Becker ist zuversichtlich, dass der Verein die Herausforderungen bewältigen wird. „Wir dürfen nicht stehenbleiben in der Erinnerung.“

 
 
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