Lage der Unternehmen in Bietigheim-Bissingen 70 Prozent halten den Lockdown für unangemessen

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Klaus Kittel, Inhaber des gleichnamigen Modehauses, hofft auf eine baldige Öffnung. Foto: Martin Kalb

Die Aktiven Unternehmer in Bietigheim-Bissingen müssen auf ihre Feste verzichten. Die Unzufriedenheit mit dem Lockdown ist laut einer Umfrage groß.

Tausende Besucher in der Hauptstraße vom Ku(h)risorium bis hinauf zu den Marktplatzarkaden – wenn das Wetter gut ist, ist das Osterbrunnenfest der Werbegemeinschaft Innenstadt der Aktiven Unternehmer in Bietigheim-Bissingen ein Besuchermagnet, das die Menschen in Scharen in die Innenstadt lockt. Doch wie berichtet, wird es – wie schon im Vorjahr – auch 2021 keine Stände, Ostergeschenke, Kunsthandwerk, Musik und mehr geben. Die Werbegemeinschaft Innenstadt hat das für den 28. März vorgesehene Osterbrunnenfest abgesagt, weil nach den Worten von deren Sprecher Klaus Kittel, der auch zweiter Vorsitzender der Aktiven Unternehmer in Bietigheim-Bissingen ist, klar geworden sei, dass die Veranstaltung unter Pandemie-Bedingungen nicht durchführbar sei. Auch die für den 9. Mai geplante Herzensmaile sowie der Ostermarkt in Bissingen mussten dran glauben (die BZ berichtete).

Erst im Herbst wieder feiern

Laut dem Sprecher haben sich die Veranstalter angesichts der gegenwärtigen Corona-Situation zuletzt ohnehin keine großen Hoffnungen mehr gemacht. „Wir sind Realisten“, so Kittel zur Absage, die vor Kurzem erfolgte. Die früheste Möglichkeit, wieder Feste in der Bietigheimer Innenstadt zu veranstalten, sieht er nun im Herbst. Auf „kleiner Flamme“ liefen Planungen für das Apfelfest, das immer in diesem Zeitraum stattfindet, und für weihnachtliche Veranstaltungen weiter, so Kittel.

Die Stimmungslage bei den Aktiven Unternehmern bleibt damit angespannt, wobei die Auswirkungen der Corona-Pandemie laut Kittel je nach Sparte unterschiedlich sind. So spürten Handwerker den Lockdown wenig bis gar nicht, während der Einzelhandel unter dem verhängten „Berufsverbot“ leide. „Schwerst betroffen“ sei die Gastronomie, die schon länger zu ist.

Der Sprecher der Werbegemeinschaft und Inhaber eines Bekleidungsgeschäfts in der Hauptstraße hatte sich von der Bundesregierung „Handlungsstränge“ erhofft, wie die Rückkehr zur Normalität aussehen könnte – sieht sich darin aber getäuscht. Den ersten Lockdown habe man noch mit einer ganz anderen Solidarität mitgetragen, da die Situation neu und unerwartet war, so Kittel. Wie eine aktuelle Umfrage unter den Mitgliedern der Aktiven Unternehmer Bietigheim-Bissingen zeigt, ist das beim zweiten Lockdown nicht mehr der Fall.

So halten von 48 Mitgliedsbetrieben, die daran teilnahmen, fast 71 Prozent die aktuellen Corona-Maßnahmen, speziell den Lockdown, für „unangemessen“. 87,5 Prozent bezeichnen die Maßnahmen und die definierten Ausnahmen als „ungerecht“. Die Hilfsmaßnahmen sind aus Sicht von 79 Prozent der Befragten „nicht ausreichend“, knapp 69 Prozent halten sie auch für „nicht gerecht“.

Was das bisherige Krisenmanagement anbelangt, so sind damit 79 Prozent der Befragten unzufrieden, nur 14,5 Prozent sind zufrieden, 4 Prozent sehr zufrieden.

Gefragt wurde auch nach der wirtschaftlichen Lage. Demnach sind nur 18,75 der befragten Betriebe wirtschaftlich durch die Corona-Maßnahmen nicht betroffen. Knapp 40 Prozent verzeichnen hingegen einen „stark negativen Effekt“, 35 Prozent einen „negativen Effekt“. Nur für 4 Prozent ist der Effekt „positiv“, für 2 Prozent „stark positiv“.

Wie sich der Lockdown auf den Einzelhandel in der Bietigheimer Innenstadt längerfristig auswirkt, ob Händler aufgeben müssen, lasse sich noch nicht abschätzen, meint Klaus Kittel. Er gehe aber davon aus, so der Sprecher, dass alle versuchten, „mit allen Mitteln ihre Lebenswerke zu erhalten“.

 
 
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