Es sind stürmische Zeiten für die Landwirtschaft“, sagte Stefan Kerner, der Vorsitzende des Bauernverbandes Heilbronn-Ludwigsburg, am Freitag beim diesjährigen Bauerntag. Das Treffen fand wie bereits im vorletzten Jahr im Bürgerhaus in Möglingen statt. Verglichen zu der Veranstaltung 2024 ging es jedoch deutlich ruhiger zu. Keine Traktoren mit Protestplakaten waren vor dem Bürgerhaus abgestellt worden und auch die Lokalprominenz war etwas dezimierter vertreten. Und doch war der Saal voll.
Landkreis Ludwigsburg Bauernverband will die Marke „Made im Ländle“ stärken
Der diesjährige Bauerntag des Kreisbauernverbands fand in Möglingen statt. Vorsitzender Stefan Kerner sieht im Mercosur-Abkommen auch Chancen.
Veranstaltung für die Basis
Viele Landwirte und Landwirtinnen waren gekommen, „das Allerwichtigste bei solchen Veranstaltungen sind Sie, die Basis“, versicherte Kerner seinem Publikum. Aber auch einige Vertreter und Vertreterinnen aus der Politik, etwa Bundestagsabgeordneter Steffen Bilger, einige der Landtagsabgeordneten und „solche, die es noch werden wollen“, sowie Kommunalpolitiker und -politikerinnen begrüßte Kerner.
„Die Landwirtschaft ist mehr als ein Wirtschaftszweig, sie prägt uns“, sagte Möglingens Bürgermeisterin Rebecca Saile in ihrer Begrüßungsrede. Luise Pachaly, Leiterin des Fachbereichs Landwirtschaft im Landratsamt Ludwigsburg, die den verhinderten Landrat Dietmar Allgaier vertrat, versicherte den Anwesenden: „Wir Ämter spüren gerade viel Unsicherheit und wir verstehen die Landwirte“, jedoch sei der Einfluss der Behörden auf dieser Ebene „sehr begrenzt“, man müsse umsetzen, was die Politik beschließe. Pachaly verwies jedoch auf das breite Beratungsangebot des Landratsamts, das den landwirtschaftlichen Betrieben mit Rat und Tat zur Seite stehe. Auch bei schwierigen Themen, etwa der überbordenden Bürokratie. Sie wisse sehr wohl, dass „der Bürokratieabbau oft versprochen wurde, jedoch eher das Gegenteil passiert ist“ – ein tosender Applaus bestätigte dies auch aus Sicht der Betroffenen, der Landwirte. Vor allem der regionale Weinbau stecke tief in der Krise, so Pachaly, was an verschiedenen Faktoren liege. So habe sich der Lohn in den vergangenen Jahren von 5,40 zu 13,90 Euro gesteigert, der Klimawandel mache den Bauern zu schaffen, ebenso die hohen Standards und Erwartungen sowie eine spürbare Zurückhaltung der Verbraucher.
Die Belastungen der Betriebe seien immer größer geworden, das sagte auch Kreisbauernvorsitzender Stefan Kerner. Das Problematische daran: „Landwirte machen nur noch knapp 1,5 Prozent der Gesellschaft aus. Der Bezug zur Landwirtschaft geht immer weiter verloren.“ Jedoch sei auch wahr: „Wir haben die Kaufkraft in unserer Region.“ Kerner sprach sich dafür aus, die Marke „Made im Ländle“ aktiv zu stärken und besser zu vermarkten, um die vor Ort hergestellten landwirtschaftlichen Produkte wieder fest in der Gesellschaft zu verankern – und dadurch deren Wertigkeit zu steigern. Er wolle nicht alles schwarzmalen und sei fest davon überzeugt, „dass die Landwirtschaft weiterhin Bestand hat.“
Das sogenannte Mercosur-Abkommen, ein im Januar dieses Jahres unterzeichnetes Freihandelsabkommen zwischen der EU und den Mercosur-Staaten in Südamerika, bestehend aus Argentinien, Bolivien, Brasilien, Paraguay und Uruguay, sei nicht nur, wie viele Landwirte befürchten, problematisch für die „Made im Ländle“-Produkte, so Kerner, der die Frage stellte: „Ist das gesamtwirtschaftlich eine Chance für uns?“ Nun, da verschiedene Schutzmechanismen eingebaut worden seien, durchaus, findet der Chef des Kreisbauernverbands. Es habe vor gut 20 Jahren bereits Überlegungen gegeben, regionalen Wein nach Südamerika zu exportieren. Das sei an den Einschränkungen und hohen Export-Gebühren gescheitert.
Mercosur-Abkommen als Chance
Nun jedoch sei das gut denkbar. „Es gibt Chancen. Jedoch muss die Ware, die zu uns kommt, gekennzeichnet sein.“ Denn in Südamerika seien etwa Pflanzenschutzmittel in Benutzung, die in Deutschland seit vielen Jahren nicht mehr zugelassen seien. Durch saubere Kennzeichnung könne der Verbraucher erkennen, dass die sichersten Produkte nach hohen Standards vor Ort produziert werden. Das sei eine echte Chance für die regionale Landwirtschaft.
In Richtung der Politik sagte Kerner: „Wir sind transparent, verlässlich und leisten täglich saubere, gute Arbeit“, das wünsche er sich auch von der Politik. „Wir brauchen langfristige Rahmenbedingen – sonst funktioniert’s nicht.“
Zum Fachvortrag von Dr. Ralf Schaab
In seinem Vortrag „Motiviert in die Zukunft in herausfordernden Zeiten“ sprach Dr. Ralf Schaab (Foto), Landwirt aus Wiesbaden und Trainer bei der Andreas Hermes Akademie, darüber, wie sich Landwirte selbst motivieren können. Es gebe viel zu beklagen, etwa schlechte Preise bei hohen Kosten, kostentreibende Auflagen oder die Macht des Lebensmitteleinzelhandels. Aus Frustration könne aber Depression werden. Es helfe, positiv zu denken, selbst nach Lösungen zu suchen. Schaab plädierte für persönliche Weiterbildung und dafür, echte Landwirtschaft auf den Sozialen Medien zu zeigen, selbst positiv vom Beruf zu berichten. Wenn es jedoch nicht laufe, müsse es eine „Exit-Strategie“ geben: Rahmenbedingungen verbessern oder rechtzeitig aufhören – „Beides ist richtig, muss aber zur rechten Zeit kommen.“
