Das Land Baden-Württemberg möchte eine Vorreiterrolle einnehmen, was die eingeschränkte Nutzung von Mobiltelefonen an Schulen anbelangt. Konkret schlägt das Kultusministerium vor, dass an allen Schulen künftig ein Handyverbot gelten soll – von der ersten bis zur letzten Schulstunde und auch in den Pausen. Ausnahmen sollen für Notfälle gelten oder wenn das Handy im Unterricht genutzt wird.
Landkreis Ludwigsburg „Handyverbot an Schulen kommt viel zu spät“
Baden-Württemberg möchte ein landesweites Handyverbot an Schulen einführen. An vielen Schulen im Kreis Ludwigsburg gibt es bereits Regelungen. Die BZ hat nachgefragt.
Bislang mussten die Schulen eigene Regelungen für sich festlegen, Grüne und CDU haben sich jedoch im Koalitionsvertrag darauf geeinigt, künftig landesweite Regelungen zu erarbeiten. Die BZ hat bei einigen Schulen im Landkreis Ludwigsburg nachgefragt, wie sie die Handynutzung geregelt haben und was sie von einer landesweiten Regelung halten.
Eigene oder landesweite Regelung
„Wir haben eine bewusste pädagogische Entscheidung für eine handyfreie schulische Umgebung getroffen – aber nicht als grundsätzliche Ablehnung digitaler Medien“, sagt Achim Salomon, Schulleiter am Alfred-Amann-Gymnasium in Bönnigheim (AAG). Der Grundgedanke sei, digitale Geräte dort einzusetzen, „wo sie für Lernen und Unterricht einen konkreten Mehrwert haben“. Im übrigen Schulalltag sollen Schülerinnen und Schüler möglichst ohne permanente Smartphone-Präsenz miteinander lernen, kommunizieren und ihre Pausen verbringen. Das AAG verfolge damit vier Ziele: weniger Ablenkung und Unterbrechungen im Unterricht, mehr direkte Kommunikation in den Pausen, weniger Konflikte durch Fotos, Videos und soziale Medien während des Schultags sowie eine klare und für alle nachvollziehbare Regel statt permanenter Einzelfalldiskussionen.
Konkret bedeutet das für die Schüler und Schülerinnen, dass sie in der Schule zwischen 7 und 17 Uhr ihr Handy nicht benutzen dürfen, außer sie werden im Unterricht dazu aufgefordert. Smartphones, Smartwatches sowie sonstige Audio- und Videogeräte müssen innerhalb des Pausengeländes ausgeschaltet sein und nicht sichtbar aufbewahrt werden.
Bei einem Verstoß werden die Eltern informiert. „Mit diesem Vorgehen haben wir sehr gute Erfahrungen gemacht“, sagt Salomon. Es binde die Eltern unmittelbar ein und stärke die gemeinsame Verantwortung von Schule und Elternhaus. „Bemerkenswert ist zudem, dass die Regelung nicht nur von Eltern und Lehrkräften getragen wird. Auch ein großer Teil unserer Schülerinnen und Schüler bewertet es positiv, dass Handys während der Schulzeit nicht genutzt werden dürfen“, so der Schulleiter weiter. Das sei durch eine Umfrage der SMV bestätigt worden.
Auf die Frage, wie die Handynutzung an der Gemeinschaftsschule (GMS) am Sonnenfeld in Sachsenheim aussieht, antwortet Schulleiter Bernhard Dietrich: „Handys und Smartwatches sind bei uns generell verboten. Die Geräte müssen aus und in der Schultasche verstaut sein. Sie dürfen also auch nicht am Körper getragen werden. Diese Regelung gibt es bei uns schon seit mehreren Jahren.“ Ausnahme sei die Nutzung im Unterricht auf Aufforderung. Wird gegen die Regelungen verstoßen, wird den Jugendlichen das Gerät abgenommen. Beim ersten Verstoß kann es nach Unterrichtsende im Sekretariat abgeholt werden, beim zweiten Mal geschieht das durch die Eltern, so Dietrich. Von der Schülerschaft werde das Verbot akzeptiert. Auch mit den Eltern habe es keinerlei Diskussionen gegeben. Notfälle würden sowieso über das Sekretariat abgewickelt.
Wie er die geplante landesweite Regelung finde? „Tatsächlich kommt das Verbot viel zu spät. Ich denke, fast alle Schulen haben bereits restriktive Regeln aufgestellt“, sagt Dietrich. Auf der anderen Seite sei es wichtig, die sinnvolle Nutzung des Handys aufzuzeigen. „Die Kinder müssen ihr Handy beherrschen können und nicht andersherum.“ Insgesamt sei beim Thema digitale Medien weniger ein Flickenteppich aus Verboten und Altersbeschränkungen gefragt, sondern vielmehr eine gesellschaftliche Debatte und ein verbindlicher Rahmen für Medienbildung. „Unser Ziel sollte nicht sein, Kinder von der digitalen Welt fernzuhalten, sondern sie stark genug zu machen, sich darin selbstbestimmt und verantwortungsvoll zu bewegen.“
An die Regelungen an der Eichwald-Realschule in Sachsenheim hätten sich die Schüler und Schülerinnen gewöhnt, sagt Rektor Sascha Renner. Auf dem Schulgelände seien Handys und andere Multimediageräte nur „unsichtbar“ und ausgeschaltet gestattet. „Wir setzen weitestgehend auf die Eigenverantwortung. Das funktioniert überraschend gut“, sagt er. Die Regelungen seien gemeinsam mit Elternbeirat und Schulkonferenz getroffen worden und würden von allen akzeptiert. Eine Erreichbarkeit sei über das Sekretariat möglich.
„Endlich“ – so Renners Meinung zur geplanten landesweiten Vereinheitlichung. Das sei mehr als überfällig. „Dabei geht es mir in erster Linie darum, dass die Schülerinnen und Schüler sich konzentrieren und ungestört lernen können.“ Auch gegen Regelungen über die Handynutzung in Schulen hinaus hätte der Rektor nichts: „Warum versagen wir so kläglich beim Thema Handy? Die bekannten Social-Media-Apps besitzen ein sehr hohes Suchtpotenzial und gefährden dadurch ganze Generationen.“
Auch die Schule im Sand in Bietigheim-Bissingen bildet beim Handyverbot keine Ausnahme, es sei in der Hausordnung verankert, sagt Schulleiter Tobias Weigel. Schüler dürfen ihre Handys ausgeschaltet bei sich tragen. Vor zwei Jahren sei eine sogenannte Handyzone eingerichtet worden. „In diesem Bereich dürfen die Schülerinnen und Schüler ihre Handys nutzen.“
Überwiegend ist Akzeptanz da
Im Unterricht werden in der Schule im Sand in einigen Klassen die Handys eingesammelt und für alle sichtbar in einer Kiste im Klassenzimmer aufbewahrt. „Auf großes Verständnis stoßen unsere Regelungen nicht immer, dennoch werden sie von der überwiegenden Mehrheit akzeptiert“, so Weigel. Ein Handyverbot in der Schule halte er grundsätzlich für angemessen. Gleichzeitig greife ein reines Verbot zu kurz. Es brauche zusätzlich mehr Aufklärung und einen bewussten Umgang mit digitalen Medien.
Die Sandschule arbeite eng mit der Polizei zusammen und führe in allen Klassenstufen Präventionsangebote durch. „Gleichzeitig sollten wir Erwachsenen uns auch kritisch hinterfragen. Wir sind Vorbilder für unsere Kinder – und unser eigener Umgang mit dem Handy hat eine Wirkung“, so Weigel.
Seit Beginn des Schuljahres gibt es auch am Beruflichen Schulzentrum Bietigheim-Bissingen (BSZ) eine restriktive Handyregelung, die in der gesamten Schule, für alle Schularten und Altersstufen gilt. Das sei eine große Umstellung für alle, dem begegne die Schule mit viel Kommunikation. „Letzten Mittwoch haben wir in der Gesamtlehrerkonferenz zudem beschlossen, dass alle Schüler zu Unterrichtsbeginn ihr Smartphone in einer Handygarage ablegen müssen“, so Oberstudiendirektor Stefan Ranzinger. In den Pausen dürfen die Jugendlichen ihre Handys auf dem Schulhof benutzen.
Bis jetzt hätten sich die Schülerinnen und Schüler erstaunlich gut an die neue Regelung gehalten. „Nach einer Eingewöhnungsphase von zwei Schulwochen werden wir Missachtungen ahnden, wozu auch das Einziehen der digitalen Endgeräte zählt“, so Ranzinger. Auch er findet eine landeseinheitliche, klare, restriktive Regelung positiv, sie erhöhe die Akzeptanz bei allen und verhindere unnötige Diskussionen. „Je schneller sie kommt, umso besser.“ Wichtig wäre ihm dabei noch eine Regelung zum Versicherungsschutz: Wenn Smartphones eingesammelt und von der Schule aufbewahrt werden, könne es schließlich zu Beschädigungen oder einem Verlust kommen.
