Der Landesbezirk der Vereinigten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) in Baden-Württemberg hat über 300 Mitarbeiter - und seit Juli mit Maike Schollenberger eine neue Landesvorsitzende. Seit 2023 war sie stellvertretende Landesvorsitzende der Gewerkschaft, diesen Somer wurde die 35-Jährige bei der Delegiertenkonferenz in Leinfelden-Echterdingen zur neuen Chefin gewählt. Die BZ hat sich mit der Gewerkschafterin, die aus Unterriexingen stammt, unterhalten.
Landkreis Ludwigsburg „Ohne Gewerkschaften gäbe es keine soziale Errungenschaften“
Maike Schollenberger ist seit Juli die neue Landesvorsitzende der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di – wir haben uns mit ihr unterhalten.
„Ich bin in Unterriexingen zur Grundschule und später in Markgröningen auf die Realschule gegangen. Danach habe ich meine Ausbildung zur Kauffrau bei der Deutschen Post in Waiblingen absolviert und bin täglich mit dem Bus um kurz vor sechs Uhr von Unterriexingen ins Remstal gependelt.“
Seit 2015 bei ver.di engagiert
Die Liebe zu gewerkschaftlichem Engagement sei schon damals in ihr geweckt worden, sagt sie und lacht. „Bei der Post war ich von Anfang an für ver.di aktiv und auch Mitglied in der Jugend- und Auszubildendenvertretung.“ 2015 habe sich dann der endgültige Wechsel zu ver.di vollzogen. „Zunächst arbeitete ich als Jugendsekretärin in Reutlingen, dann als Landesjugendsekretärin in Stuttgart und schließlich wurde ich 2023 zur stellvertretenden Landesbezirksleiterin gewählt“, erzählt Maike Schollenberger. „Und seit diesem Sommer habe ich die große Ehre, den Landesbezirk als Nachfolgerin von Martin Gross leiten zu dürfen.“
Da die Kommunen im Land aktuell nicht gerade auf Rosen gebettet seien und es auch in Zukunft nicht besser aussehe, sagt Schollenberger, möchte und werde sie einen Schwerpunkt ihrer Arbeit in den nächsten Jahren auf dem Thema Kommunalfinanzen legen: „Wir haben am vergangenen Samstag mit einer landesweiten Demonstration, in einem breiten Bündnis, einen Auftakt gemacht und ein erstes Zeichen gesetzt. Wir sind der festen Überzeugung, dass wir, um unsere Städte und Gemeinden lebenswert zu gestalten, mehr Steuergerechtigkeit brauchen - zwischen Bund, Ländern und Kommunen und zwischen oben und unten.“
Mitmach-Gewerkschaft als Ziel
Klar sei für sie auch, dass dies ein Marathonlauf werde. Außerdem stehe Anfang Dezember im Kerngeschäft, den Tarifverhandlungen, die Runde im öffentlichen Dienst der Länder an. Dazu kämen im kommenden Jahr viele große und kleinere Runden - exemplarisch nennt sie den Handel, aber auch die Unikliniken und die Telekom. Ziel für sie sei es überdies, ver.di weiter zu einer Mitmach-Gewerkschaft auszubauen. Maike Schollenberger: „Wir wollen politisch und kämpferisch auftreten und das alles im engen Schulterschluss mit sozialen Bewegungen und anderen Organisationen.“
Die große Stärke der Gewerkschaft ver.di sei, sagt deren neue Landesvorsitzende, „dass wir ganz unterschiedliche Menschen zusammenbringen, um uns dann gemeinsam für eine Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen einzusetzen.“ Dabei erlebe sie täglich, dass Solidarität verbinde und diese gesellschaftliche Spaltungen überwinden könne.
Genügend Zeit für Hobbies
Wenn Maike Schollenberger nicht gerade in ihrem Büro an der „Theo“ (Theodor-Heuss-Straße) in Stuttgart sitzt, so sei, lacht sie, immer auch noch genügend Spielraum für Hobbies. „Ich verbringe sehr viel Freizeit mit Freundinnen und Freunden in unserem gemeinsamen Garten. Und wenn es ein gutes Konzert in der Stadt gibt, bin ich dabei.“ Zudem ist die 35-Jährige in der Initiative Lern- und Gedenkort Hotel Silber in Stuttgart aktiv.
In den zehn Berufsjahren bei der Gewerkschaft ist Maike Schollenberger längst im Gefüge von ver.di angekommen, hat die Strukturen kennengelernt und schätzt die Arbeit der Dienstleistungsgewerkschaft.
Denn, wie sie lächelnd, aber bestimmt sagt, sei eine Gesellschaft ohne Gewerkschaften wie ver.di, „um vieles ärmer. Praktisch alle sozialen Errungenschaften und Verbesserungen haben Gewerkschaften erkämpft. Wir spüren nun gerade wieder, dass diese nicht selbstverständlich sind, sondern täglich und immer und immer wieder verteidigt werden müssen.“ Maike Schollenberger hat also noch viel vor – und allerhand zu tun...
