Den Schlüssel verlegt. Einen Namen vergessen. Kurz nicht mehr wissen, wo man ist. Solche Momente erleben viele Menschen. Vor allem im Alter nimmt die Vergesslichkeit zu. Kommen solche Ereignisse allerdings häufiger vor, kann das den Betroffenen Angst machen. Hilfe bietet der Unterstützerkreis für Menschen mit Vergesslichkeit des Landkreises.
Landkreis Ludwigsburg „Zeit und Aufmerksamkeit schenken“
Der Unterstützerkreis für Menschen mit Vergesslichkeit will Betroffenen helfen, die Ängste entwickeln und sich zunehmend unsicher fühlen.
Seit 2014 existiert dieser Kreis. Ursprünglich mit der Alzheimergesellschaft Baden-Württemberg entwickelt, ist er heute beim Landkreis angesiedelt. Anfangs habe man sich vor allem auf Menschen in einer frühen Phase der Demenz konzentriert, mittlerweile richte man sich bewusst auch an Menschen mit ausgeprägter Vergesslichkeit, erklärt Sibylle Kostron. Man habe sich die Frage gestellt: Was brauchen Menschen, die keinen Pflegebedarf haben, aber dennoch eine innere Not verspüren, unsicher werden und sich mit einer großen persönlichen Herausforderung konfrontiert sehen.
Gewisse Vergesslichkeit normal
Kostron unterscheidet: „Eine gewisse Vergesslichkeit im Alter ist erst mal nichts Ungewöhnliches.“ Wessen Alltag nicht beeinträchtig sei, brauche sich auch keine Sorgen zu machen. „Wenn aber plötzlich das Staubsaugen nicht mehr klappt oder man Probleme hat, die Kaffeemaschine zu bedienen, dann kann das die Betroffenen beunruhigen.“ Doch viele davon würden zunächst nicht darüber sprechen, sondern versuchen, die Probleme für sich selbst zu lösen, weiß Kostron. Dem wolle man mit dem Angebot des Unterstützerkreises etwas entgegenstellen.
Insgesamt 15 geschulte ehrenamtlich Engagierte besuchen die Betroffenen zu Hause oder treffen sich mit ihnen zu einem Spaziergang. Ihre Aufgabe ist es in erster Linie, zuzuhören und den Menschen Aufmerksamkeit zu schenken – ganz ohne Druck und Erwartungen. Seit 2017 ist Anita Kraekel ehrenamtlich im Unterstützerkreis engagiert. Seit sechs Jahren unterstützt sie eine Frau. Diese habe sich damals selbst beim Unterstützerkreis gemeldet, weil sie Anzeichen an sich festgestellt hatte, die sie an ihren an Demenz erkrankten Mann erinnerten. Anfangs gehe es bei den Gesprächen häufig um Familie und allgemeine Themen. „Wichtig ist es, Zeit und Aufmerksamkeit zu schenken und den Menschen auf Augenhöhe zu begegnen“, sagt Kraekel. Mit der Zeit würden sich die Menschen dann öffnen, so die ehemalige Schulleiterin. Sibylle Kostron weiß: „Um über etwas ganz Privates zu sprechen, ist ein großes Vertrauen nötig. Dann kann das Gespräch aber sehr entlastend wirken.“ Alle zwei Wochen trifft sich Anita Kraekel mit der Betroffenen, sie gehen spazieren. Die Häufigkeit der Treffen richte sich ganz nach dem Bedarf. „Jede Begleitung ist individuell“, sagt Kostron.
Ängste, Wut und Verzweiflung
Man biete den Menschen Raum und Zeit, mal etwas tiefes Inneres auszusprechen, so Kostron. Die Betroffenen erzählen von ihren Problemen im Alltag, von der Wut auf sich selbst, der Verzweiflung, Horrorszenarien, die man sich im Kopf ausmalt. „Man vergisst, zu sehen, was man alles kann“, sagt Kostron.
Deshalb sei es auch die Aufgabe der Ehrenamtlichen, den Menschen das Gefühl von Sicherheit zu geben, findet Kraekel. Da können auch schon mal kleine Praxistipps helfen: Bei Ängsten abends das Licht anlassen. Sich hinlegen, wenn man zu müde wird. Oder sich Zettel an den Kühlschrank zu heften. Klar sei laut Kostron aber: „Es gibt kein allgemeines Rezept.“ Alleine der soziale Kontakt und Bewegung können demnach helfen. Erfolg habe man mit der Betreuung dann, wenn sich jemand weniger alleine fühle, eigene Ängste ausspreche und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zurückgewinne. „Wir erleben ganz oft, wie bereichernd das ist – für beide Seiten.“
Sich im Unterstützerkreis engagieren kann grundsätzlich jeder, eine berufliche Vorqualifikation ist nicht erforderlich. Vielmehr zähle die Haltung, man sollte offen, neugierig, geduldig und respektvoll anderen gegenüber sein, sagt Kostron. Im Umgang mit Demenz werde man vorab geschult. Betroffene wiederum können in einem Informationsgespräch Fragen klären und erste Eindrücke gewinnen. Eine Verpflichtung entstehe nicht. Das Angebot ist kostenlos. Auch Angehörige, die merken, dass jemand in ihrem Umfeld Hilfe gebrauchen könnte, können sich melden.
Der Unterstützerkreis für Menschen mit Vergesslichkeit beim Landratsamt ist erreichbar unter Telefon (07141) 144-2463 oder per E-Mail an unterstuetzerkreis@landkreis-ludwigsburg.de
