Landkreis: Umstellung auf G9 Fast reibungsloser Neustart

Von Gabriele Szczegulski
Es ist so weit: Nach etwas mehr als 20 Jahren achtjähriges Gymnasium wird seit diesem Schuljahr auf G9 umgestellt. Foto: /Martin Kalb

Seit diesem Schuljahr müssen die Gymnasiasten wieder ein Jahr länger die Schulbank drücken. Neue Schulbücher gibt es noch nicht.

Die Gymnasien hatten in den letzten Monaten einiges zu tun: Mit der Umstellung der Schulzeit von achtjährig wieder zurück auf neunjährig waren die Schulen schon im vergangenen Schuljahr sehr beschäftigt, so bestätigen die meisten Schulleiter. Obwohl die Arbeit an den Bildungsplänen vom Kultusministerium Baden-Württemberg erst im Februar 2025 begann und das Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung (ZSL) deshalb keine Schulbücher für G9 fertigstellen konnte. Diese sollen erst nach und nach in Druck gehen. Dennoch: „Die Umstellung auf das G9-System ist bei uns insgesamt fast reibungslos verlaufen“, sagt Achim Salomon, Schulleiter des Bönnigheimer Alfred-Amann-Gymnasiums.

Umstellungen wurden im letzten Schuljahr vorbereitet

Es seien aber im Vorfeld umfangreiche Planungen nötig gewesen, um sicherzustellen, dass der Übergang für alle Beteiligten so glatt wie möglich verlaufe. Es mussten, so Salomon, unter anderem die Anpassung der Lehrpläne, die Schulung der Lehrkräfte, die Anpassung der Stundenpläne sowie die organisatorische Neugestaltung des Schuljahresablaufs in kurzer Zeit erfolgen. Auch wenn bisher nur die fünften und sechsten Klassen auf G9 umgestellt werden – alle anderen durchlaufen weiterhin das achtjährige Gymnasium –, bedeute die Umstellung, so Salomon, einige Änderungen. 228 Schüler und Schülerinnen sind im Bönnigheimer Gymnasium betroffen.

In den Ellental-Gymnasien Bietigheim-Bissingen betrifft die Umstellung insgesamt 15 fünfte und sechste Klassen, sagt Schulleiterin Nicole Stockmann. „Bei der Umstellung auf das neue G9 sind die bisherigen Poolstunden, die den Schulen zusätzlich zum verpflichtenden Unterricht zur Verfügung stehen, verändert worden“, so Stockmann. „Wir als Schulen mussten uns überlegen, wie wir die jetzt zur Verfügung stehenden Poolstunden einsetzen möchten.“

Für die Klassenstufen 5 und 6 hat sich die Lehrerkonferenz der Ellental-Gymnasien auf je eine Stunde zur Einführung und Einübung des selbstregulierten Lernens geeinigt. „Diese Stunde wird von einer Lehrkraft des Klassenlehrerteams unterrichtet“, sagt Stockmann. Zwei Lehrkräfte hätten einen Leitfaden für die Inhalte zur Verfügung gestellt. Der Leitfaden versuche auch, die Vorgehensweisen und Inhalte der Grundschulen in Bietigheim-Bissingen aufzunehmen und weiterzuführen. „Grundsätzlich geht es darum, dass die Lernenden sich Ziele setzen, Strategien kennenlernen, sich diese Ziele zu erarbeiten und ihren Erfolg am Ende reflektieren“, so die Schulleiterin. Möglichkeiten, sich selbst zu motivieren und die eigenen Emotionen zu regulieren werden schrittweise eingeübt.

Daneben wird im neuen G9 das Schulfach Informatik einstündig für alle Klassen eingeführt. Hier haben zwei andere Lehrkräfte die neuen Bildungspläne angeschaut und mit den anderen Angeboten (Prävention, Bibliothek) abgeglichen, „sodass wir dieses wichtige Schulfach nachhaltig und gut integriert unterrichten können“, sagt Stockmann.

Sie geht weiter ins Detail: Der Teil Naturphänomene des Fächerverbunds Biologie, Naturphänomene und Technik (BNT) falle weg, die beiden anderen Fächer erhalten eine andere Stundenzahl pro Woche. Diese Veränderungen haben in den Fachschaften unterschiedliche Anpassungen notwendig gemacht, so Stockmann. „Die Informationen des Kultusministeriums und die Erarbeitung der Materialien durch das Zentrum für Schulqualität (ZSL) sind, wenn man insgesamt den Zeitplan der Umstellung anschaut, gut“, sagt sie. Die Veränderungen der Stundenzahlen hat auch Auswirkungen auf die Stundenpläne. Die Erstellung der Pläne in den Ferien habe zusätzliche Zeit in Anspruch genommen. Besonders die Jahre mit zwei unterschiedlichen Systemen (das aufwachsende neue G9 und das auslaufende G8) seien sicher auch in der Zukunft eine Herausforderung.

Lesehilfen vom Kultusministerium

Dass es noch keine neuen Schulbücher gibt, so Stockmann, sehe sie nicht als größeres Problem. „Da die Umstellung sehr zügig kam und die Schulbücher eigentlich eine deutliche längere Laufzeit haben, ist das natürlich etwas unglücklich.“ Für die Fächer, für die es Änderungen gibt, so Stockmann, gab es Lesehilfen vom Kultusministerium, „welche Bildungsplaninhalte geschickt wann unterrichtet werden. Damit kommen wir auch mit den aktuellen Schulbüchern gut zurecht“. Natürlich bräuchten, so Stockmann, alle Fächer neue Schulbücher. Das verursache zusätzliche Kosten in den Fächern, deren aktuelle Bücher erst kürzlich eingeführt wurden.

Gute Vorbereitung war vonnöten, sagt auch der Schulleiter des Christoph-Schrempf-Gymnasiums Besigheim, Frank Hielscher. 134 Schülerinnen und Schüler der Klassenstufe 5 und 12 Schüler und Schülerinnen der Klasse 6 betrifft die Umstellung. Das Kollegium sei vor allem mit den Anpassungen im Stundenplan sowie der Auflösung und Neuverteilung des Fächerverbunds BNT beschäftigt, so Hielscher. „Das neue Fach Informatik und Medienbildung musste in den Stundenplan für die Klassen 5 und 6 aufgenommen werden“, so Hielscher. Dazu war auch im Chrstoph-Schrempf-Gymnasium eine Neuverteilung der Poolstunden notwendig.

Umstellung auf das neunjährige Gymnasium

In Baden-Württemberg gibt es eine Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium (G9), die ab dem Schuljahr 2025/2026 schrittweise umgesetzt wird und bis 2032/2033 zur Regel werden soll. Die Reform stärkt Grundlagenfächer, MINT-Fächer und Medienkompetenzen, und führt neue Elemente wie berufliche Orientierung und Demokratiebildung ein. Das achtjährigen Gymnasiums (G8) wurde Anfang der 2000er-Jahre eingeführt und stieß auf breite Ablehnung.

Die Umstellung erfolgt schrittweise. Ab dem Schuljahr 2025/2026 beginnen die Klassen 5 und 6 mit G9. Das neue Schulgesetz in Baden-Württemberg regelt die Rückkehr zu G9 und das zukünftige Format des neunjährigen Gymnasiums, in dem Fächer und Themen gestärkt werden.

Die Fächer Deutsch, Mathematik und die erste Fremdsprache sollen gestärkt werden. Fokus auf Mint: Mint-Fächer (Mathe, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) erhalten mehr Bedeutung. Themen wie Medienkompetenz und Umgang mit Künstlicher Intelligenz stehen im Fokus. Das neue G9 integriert auch Inhalte zur Demokratiebildung und beruflichen Orientierung.

Eine Elterninitiative kämpft für eine noch schnellere und umfassendere Einführung von G9, um die Schülerinnen und Schüler vom Druck des G8 zu entlasten. Die Initiative hat ein Volksbegehren eingereicht, das jedoch abgelehnt wurde. Dennoch bleibt die Initiative aktiv und sucht nach Lösungen für die frühzeitige Entlastung der laufenden G8-Klassen.

 
 
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