Landtagswahl 2026 „Teil einer positiven Veränderung werden“

Von Heidi Falk
Steve Burgstett arbeitet in Remseck. Nahe seiner Arbeitsstelle ist dieses Graffito in der Bahnhofsunterführung. Das gefalle dem Landtagskandidaten der Linken für den Wahlkreis 13 (Vaihingen) richtig gut. Foto: /Oliver Bürkle

Linken-Landtagskandidat Steve Burgstett spricht mit der BZ über gesellschaftlichen Zusammenhalt, „andere Nachnamen“ und Tabletop-Spiele.

Politisch interessiert war ich schon immer“, sagt Steve Burgstett. Nach den Bundestagswahlen im vergangenen Jahr sei er „von der Dreistigkeit entsetzt“ gewesen. „Wie kann man mit dem Wahlversprechen ‚Wir halten an der schwarzen Null fest’ starten und dann so eine Kehrtwende hinlegen? Ich habe mich gefragt, wie das nicht Wählertäuschung sein kann.“ Das habe ihn so gestört, dass der Gemeinschaftsschullehrer beschloss, selbst aktiv zu werden und „Teil einer positiven Veränderung zu werden“. In diesem Jahr möchte er für Die Linke im Wahlkreis 13 (Vaihingen) in den Landtag einziehen. Seine Schwerpunkte liegen auf Bildung, bezahlbarem Wohnraum, Friedensaspekten.

Klima und Soziales in Kombination

„Klimapolitik muss für mich mit Sozialpolitik Hand in Hand gehen“, ergänzt Burgstett. Er wünsche sich: „Politik soll das Abstrakte verlieren und wieder bei allen ankommen.“

Steve Burgstett ist seit knapp zehn Jahren Lehrer – und das aus Leidenschaft, das wird im Gespräch mit der BZ schnell deutlich. Wenn der 37-Jährige von seinem Beruf erzählt, kommt er ins Schwärmen. „Ich habe einen guten Job für mich gefunden, der mich erfüllt.“ Studiert habe er Lehramt für die Fächer Deutsch, Geografie, Politik; unterrichtet schon immer an Gemeinschaftsschulen. Am Deutsch-Unterrichten gefalle ihm: „Ich finde das Interpretieren toll und finde es wichtig, über Texte zu reden.“ Dabei versuche er über Inhalte zu sprechen, die die Schüler interessieren: Songtexte, Instagram-Content, zeitgenössische Literatur.

Er unterrichte in Zeiten von Lehrermangel aber auch gerne Gemeinschaftskunde, Wirtschaft und Geschichte. Auch für den Chemieunterricht habe er sich fortbilden lassen. „Mathe zu unterrichten, finde ich total spannend. Ich war nicht der beste Mathe-Schüler, aber wenn man sich das mit etwas Abstand schaut, erkennt man, dass es einfache Lösungen gibt“, sagt er. Er könne sich dafür begeistern.

Burgstett ist auch seit Jahren in der Jungen GEW, der Bildungsgewerkschaft, aktiv. Unter anderem gehe es ihm um die Frage, wie die Bedingungen im Referendariat verändert werden können, um junge Lehrer und Lehrerinnen zu unterstützen. Die Arbeitsgruppe heiße „Ref-olution“. „Wie schaffen wir Bedingungen, junge Menschen im System zu halten?“, sei eine der Fragen, um die er sich kümmere.

Probleme bei der Wohnungssuche

Beim Thema Wohnungspolitik hat der 37-Jährige selbst schon negative Erfahrungen gesammelt. Er und seine damals Noch-Freundin hätten kaum einen Besichtigungstermin bekommen, wenn sein Name angegeben war. War der Name seiner mittlerweile Frau angegeben, wurden sie deutlich häufiger eingeladen – zum Teil von den selben Vermietern. Sein Geburtsname ist Leciejewska. Er nahm den Nachnamen seiner Frau an, „allerdings nicht wegen der Wohnungsproblematik. Es geht mir und uns dabei um Gleichberechtigung“, sagt Burgstett und lacht. Er wolle sich politisch „für die Gerechtigkeit von Frauen, von Männern, von Menschen mit anderen Nachnamen“ einsetzen.

Steve Burgstett wohnt mit seinem achtjährigen Sohn und seiner Frau in Stuttgart, er interessiere sich aber sehr für den ländlichen Raum, finde ihn wichtig. Er selbst ist in Hoyerswerda im Landkreis Bautzen in Sachsen geboren und im beschaulichen Schonach im Schwarzwald aufgewachsen, „bei der ersten, weltgrößten, frei stehenden Kuckucksuhr“, sagt er und schmunzelt. Seine Gymnasialzeit habe er in Gundelfingen, sechs Kilometer nördlich von Freiburg, verbracht, es folgte das Studium in Freiburg. Eine Zeit lang unterrichtete er an der Schule im Sand in Bietigheim-Bissingen, nachdem die dortige Gemeinschaftsschule jedoch aufgelöst wurde, wechselte er an die Wilhelm-Keil-Schule in Remseck, wo er noch immer unterrichtet.

In seiner Freizeit verbringt Burgstett gerne Zeit mit seiner Familie, „die hat oberste Priorität.“ Sein Sohn sei ein Zug-Fan, gerne besuchen die beiden Ausstellungen zum Thema. Oder sie powern sich auf Pumptracks aus oder Lesen gemeinsam. Die Burgstetts veranstalten gern Spieleabende mit Freunden, dabei stünden Pen-&-Paper- sowie Tabletop-Spiele hoch im Kurs.

Jeder kann auf jeden treffen

Auch Klettern und Bouldern gehören zu Burgstetts Hobbys. Unter anderem gibt er auch Kurse für Jugendliche. „Ich genieße es sehr, mit Kindern und Jugendlichen zu arbeiten, ihre Entwicklung zu begleiten, Wissen zu vermitteln.“ Dabei stelle er immer wieder fest: „Ich glaube, man schafft den gesellschaftlichen Zusammenhalt nur, indem man auch Treffpunkte für Gesellschaft findet.“ Kultur sei dafür wichtig, aber auch (Sport-)Vereine. Jeder könne an solchen Orten auf jeden treffen. Dabei könne sich ein tiefes Verständnis füreinander entwickeln, denn auch wenn es Zuhause ganz anders aussehe, habe man ein gleiches Hobby und dadurch einen Zugang zueinander.

Kandidatenporträts

In loser Reihenfolge stellt die BZ-Redaktion die Kandidatinnen und die Kandidaten vor, die sich bei der Landtagswahl am Sonntag, 8. März, in den Wahlkreisen Bietigheim-Bissingen und Vaihingen um ein Mandat für den Baden-Württembergischen Landtag bewerben. In dieser Artikelreihe geht es nicht um politische Aussagen der Kandidaten, viel mehr will die Redaktion die Person mit ihren Leidenschaften und Interessen sowie ihrem persönlichen und beruflichen Werdegang vorstellen.

Hier geht’s zu mehr BZ-Kandidatenporträts zur Landtagswahl 2026:

Meike Günter (Die Grünen)

Konrad Epple (CDU)

Torsten Liebig (SPD)

Steve Burgstett (Die Linke)

Helena Herzig (FDP)

Nikolaos Boutakoglou (AfD)

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