In die diesjährige Haushaltsdebatte des Gemeinderats seiner Heimatgemeinde Kirchheim, in dem er seit 2019 Mitglied ist, kann Tobias Vogt nicht gehen, er macht auf dem Weg nach Calw zu einem Wahlkampftermin in der BZ-Redaktion Halt. Dafür nimmt er sich aber fast zwei Stunden Zeit, danach geht es nach Kirchheim zum Mittagessen mit Frau und den drei Kindern. Am Abend hat er eine Sitzung des CDU-Landesverbands. „Ich bin aber in neun von zehn Sitzungen des Gemeinderats in Kirchheim“.
Landtagswahl „Meine Grundwerte sind Respekt, Anstand und Fleiß“
Zum zweiten Mal möchte Tobias Vogt (CDU) in den Landtag einziehen. Als Generalsekretär der Partei organisiert er den Wahlkampf.
Die Arbeit im Gemeinderat erde den CDU-Generalsekretär
Dass er bei der Haushaltsdebatte nicht dabei sein kann, wurmt den CDU-Generalsekretär, der den Wahlkampf der Partei organisiert und steuert. „Die Arbeit vor Ort im Kirchheimer Gemeinderat erdet mich, dort werden kommunale Probleme diskutiert, die direkte Wirkung zeigen“, so der Generalsekretär, der zudem noch in eigener Sache Wahlkampf macht, denn schließlich möchte der Kirchheimer zum zweiten Mal in Folge für den Wahlkreis Bietigheim-Bissingen in den baden-württembergischen Landtag.
1200 Stunden ist er in diesem Wahlkampf schon im Dienstwagen gesessen. Auch Christian Schäuffele, sein Büroleiter und Sohn des Erligheimer Bürgermeisters Rainer Schäuffele und Gemeinderat in Walheim, ist immer dabei. „Mir ist wichtig, ein lokales Team zu haben, die Nähe zum Wahlkreis nicht zu verlieren“, sagt Vogt.
Bodenständig sei er, sagt er von sich und bringt seine berufliche Laufbahn in Bezug zur Bildungsthematik, die ihm sehr am Herzen liegt. „Mir geht es um Chancengleichheit, dass jeder, egal welchen Ausgangspunkt er hat, die gleichen Möglichkeiten und Zugang zur Bildung hat“, so Vogt. Er selbst absolvierte die Werkrealschule in Kirchheim, lernte den Beruf des Kfz-Mechatronikers, „weil ich was mit den Händen machen wollte“ – und wohl auch, weil sein Vater eine Autowerkstatt in Kirchheim betrieb. „Meine Fingernägel waren dauerschwarz vom Schrauben an den Autos.“ Vogt bezeichnet sich auch auf seinen Wahlplakaten als Handwerker. Seine Mutter betrieb zwei Friseursalons, in Kirchheim und Gemmrigheim. Wie seine Eltern machte er die Meisterprüfung.
Auf der Abendschule absolvierte Vogt die Fachhochschulreife, studierte dann Betriebswirtschaft und Automotive Management. „Bildungsaufstieg ist im Ländle immer noch möglich“, sagt er. Von der Faulheit der Deutschen, wie CDU-Bundeskanzler Friedrich Merz redet, will er nichts wissen. „Wir Baden-Württemberger sind fleißig“, sagt er.
Aus der einen Autowerkstatt machte Vogt mit seinem Bruder vier Autohäuser, leitete sie, bis er 2021 in den Landtag gewählt wurde. „Ich fahre privat ein E-Auto, weil ich denke, das ist die Zukunft“, sagt Vogt. Dennoch ist er gegen das Verbrenneraus im Autoland Baden-Württemberg, „zumindest nicht schon jetzt“. Jeder soll sich die Art, fortzubewegen, selbst auswählen können und dafür müsse die Landespolitik die Grundlagen schaffen.
Nicht immer einig mit der Bundespartei und dem Kanzler
Er ist nicht immer einig mit der Bundespartei oder dem Bundeskanzler, dem der 40-Jährige bescheinigt, „manchmal wie vor 30 Jahren zu kommunizieren“. Was die sozialen Medien betrifft, die Vogt für „Teufelszeug und Ausdruck von Hass und Hetze“ bezeichnet, ist er beim Kandidaten der Grünen für das Ministerpräsidentenamt, Cem Özdemir: „Ein Verbot für Social Media für unter 16-Jährige halte ich für angemessen.“ Ansonsten ist er aber Manuel Hagel, dem CDU-Ministerpräsidenten-Kandidaten, zugeneigt – politisch und privat. „Wir sind ganz enge Freunde, unsere Frauen verbringen gemeinsam Zeit, die Kinder spielen oft miteinander“, sagt der dreifache Vater. Mit Hagel lief Vogt auch den Bietigheimer Silvesterlauf, „aber Manuel ist fitter als ich“, sagt Vogt, der dreimal die Woche läuft, in der Natur oder auf dem Laufband.
Vereine und Ehrenamt als wichtige Säulen der Gesellschaft
Sportlich ist der Kirchheimer allemal, er war lange Zeit Skilehrer beim Skiclub Kirchheim. Auch in der Bönnigheimer Feuerwehr war er aktiv, als Ersatzdienst für die Bundeswehr. In seiner Position als Präsident des Turngaus Neckar-Enz verbindet er zwei Leidenschaften – die der Vereine und des Ehrenamts, die er für die wichtigste Säulen der Gesellschaft hält. Zudem unterstützt er Bemühungen des Sports, sich in den Schulen und der Bildung zu engagieren.
„Ich bin kein politischer Theoretiker“, sagt er. Er packe an, das sei auch der Grund gewesen, 2008 in die CDU einzutreten. „Im Bruddeln und Schimpfen sind wir alle gut, aber ich will anpacken und was verändern“, sagt er. Deshalb habe er auch das Amt des CDU-Generalsekretärs angenommen – „organisieren kann ich gut“, das habe er als Leiter eines Unternehmens lernen müssen. Manchen prominenten Politikern empfehle er, statt in eine Talk-Show zu gehen, sich eine Weile in einen Ratsstuhl in einem Gemeinderat zu setzen, „dann wissen sie, was an der Basis abgeht“, sagt er.
Er wolle nicht in die Bundespolitik, betont er. „Dafür bin ich zu sehr Heimatmensch und ich spreche schwäbisch, das versteht in Berlin keiner“, sagt er. Ob er in einer neuen Landesregierung mit CDU-Beteiligung ein Amt übernehme, darüber denke er nach der Wahl nach. „Zudem hat meine Familie hier ein Wort mitzureden“, sagt Vogt, der jede freie Minute in Kirchheim und mit seinen drei Kindern Lea, Louis und Lina verbringt. Sie tragen, so Vogt, französische Namen wie ihre Mutter Caroline, denn deren Großvater war, wie Vogt sagt, ein Frankreich-Fan. Er hatte nach dem Zweiten Weltkrieg seine Gefangenschaft auf einem Bauernhof in Frankreich verbracht und immer geschwärmt, wie nett die Franzosen seien, erzählt Vogt. Sein Leben lang habe er eine innige Freundschaft mit der französischen Familie gepflegt und in seiner Heimatstadt Besigheim französisch-sprachige Stadtführungen angeboten. Ein geeintes Europa, so Vogt, sei die Grundlage für solche Freundschaften.
Seinen Kinder will er vor allem die Werte Respekt, Anstand und Fleiß nahebringen. „Wenn man diese verinnerlicht, kann man alles schaffen“, sagt er. Auch seine Eltern hätten ihm dies beigebracht. Wenn er in der Autowerkstatt Autos wusch und den Werkstattboden kehrte, sei Respekt und Freundlichkeit jedem gegenüber, ob Kunde, Mitarbeiter oder Putzfrau, für sie das Wichtigste gewesen. „Alle Menschen sind gleich und sollen mit demselben Respekt behandelt werden, egal welchen Beruf, sozialen Stand, Herkunft, Bildungsstand oder Hautfarbe sie haben“, sagt Vogt.
