In einer Drahtanlage stehen die rund 5000 Mandelbäumchen auf einer Fläche von zwei Hektar in einem Abstand von 1,35 Metern. „Das gibt die Händel-Hecken“, lacht Tobias Händel.
Landwirtschaft Bönnigheim Pionier des Bio-Mandelanbaus
Tobias Händel baut in Hohenstein auf zwei Hektar Fläche 5000 Mandelbäumchen als zertifizierter ökologischer Betrieb an.
Der 28-jährige Landwirt aus Hohenstein bildet zusammen mit seinem Vater Wolfgang das Pionierteam, das seit letztem Jahr Bio-Mandelbäume anbaut. „In der Region sind wir auf jeden Fall die einzigen, die in größerem Stil produzieren, bundesweit wahrscheinlich auch“, resümiert Tobias Händel.
Als zertifizierter ökologischer Betrieb bauen die Händels bereits seit längerem Wal- und Pekannüsse an. Jetzt kamen die Mandeln hinzu. Warum? „Wir haben alternative Möglichkeiten zum Pflanzenanbau gesucht“, erklärt Tobias Händel. Der Weinbau sei nicht mehr attraktiv. Doch eine Pflanzung in den Steillagen leider auch nicht. „Da ist die Bewirtschaftung und Ernte zu aufwendig“, erklärt Händel. Anders ist das in den normalen Weinlagen. „Da haben wir auch schon Mandeln gepflanzt“, so Händel.
Doch gedeiht das Schalenobst mit seiner harten und holzigen Schale und seinem eiweiß- und ölhaltigen Kern hier überhaupt? Die Händels sind zuversichtlich. Vater und Sohn haben sich über den Anbau in Kalifornien und Portugal informiert, Erfahrungen und Eindrücke gesammelt. „Mit diesem Wissen entwickeln wir ein eigenes Anbausystem für Mandeln, das auf unser Klima, den Boden und die Strukturen angepasst ist,“ so Tobias Händel. Da die Mandeln sehr früh blühen, sind die Frühjahrsfröste eine Gefahr. „Wir haben noch keine Erfahrung, warten noch ab. Notfalls wollen wir ein Windsystem, das kalte Luft von unten nach oben transportiert, installieren“, sagen die Pioniere. Auf einem Sortenversuchsfeld mit sechs zeitlich unterschiedlich reifenden Mandeln sammeln sie nun ihre Erfahrungen. Derzeit ist die Hauptblüte der ersten Mandeln fast vorbei, nur die späte Sorte, die Händels aus Ungarn bekommen haben, blüht noch. Damit es eine gute Ernte bei dem wertvollen Nahrungsmittel mit seinem hohen Gehalt an ungesättigten Fettsäuren, pflanzlichem Eiweiß, Vitaminen, Ballaststoffen und Antioxidantien gibt, ist natürlich die Bestäubung unerlässlich. „Wir haben Bienen von einem Imker bekommen, die erst vorgestern wieder weggezogen sind“, berichtet Händel. „Ob es zu einem Mandelhonig reicht, wissen wir noch nicht.“
Spannend ist auch die vorgesehene Erntetechnik: Mit dem Vollernter aus dem Weinbau können die reifen Mandeln abgeschüttelt werden. Das passiert in der Zeit zwischen Ende August und Anfang Oktober. „Wir planen eine Aufbereitungsanlage für die Mandeln und wollen einen Online-Shop einrichten“, sagt Händel.
Ernte soll auf bis zu sechs Tonnen kommen
Später sollen die Bio-Mandeln auch im örtlichen Handel angeboten werden. Wenn alles klappt, wird es in diesem Jahr nur eine erste kleine Ernte geben, die in den kommenden Jahren auf vier bis sechs Tonnen pro Hektar anwachsen soll. Die Händels sehen im Mandelanbau großes Potenzial.
