In den vergangenen Wochen waren sie in der Region allgegenwärtig – die mächtigen Mähdrescher, die über goldgelbe Felder fahrend die Ernte einbrachten. Die Getreideernte im Kreis ist mittlerweile seit dem Wochenende abgeschlossen, Zeit also, eine Bilanz zu ziehen. Die BZ hat bei Landwirtin Christine Bayha aus Bönnigheim nachgefragt, wie denn die Erträge bei Weizen, Roggen, Braugerste und Co. einzuschätzen sind.
Landwirtschaft Hitze lässt Ertragsmenge und Qualität schrumpfen
Fehlender Regen während der Wachstumsperiode lässt beim Weizen im Kreis nur kleine Körner mit wenig Substanz entstehen. Die Ernte begann so früh wie noch nie.
„Wir sind dieses Jahr sehr früh in die Getreideernte gestartet und haben diese auch ungewöhnlich früh abschließen können“, sagt Bayha. Vor allem die ungewöhnlich lange Hitze- und Trockenphase habe zu einer schnellen Abreife geführt, sagt die 36-jährige Landwirtin, die das Hofgut „Bellevue“ am Rand der Ganerbenstadt betreibt.
„Notreife“ statt ausgereiftes Korn
Die Krux sei auch gewesen, dass der fehlende Regen beim Weizen eine volle Ausbildung verhindert und die Hitze zu einer vorschnellen „Notreife“ geführt habe – dies sei eine Stressreaktion der Pflanze, um ihr Wachstum vorzeitig zu beenden und ihr Überleben zu sichern. Die so herangereiften „Schmachtkörner“ sind nach der überschnellen Entwicklung kleiner, leichter und enthalten wesentlich weniger Mehl. „Auch die Braugerste ist leicht hinter unseren Qualitätserwartungen zurück geblieben, mit dem Winterweizen sind wir jedoch ganz zufrieden“ - allgemein hätten einfach die Niederschläge im Mai und Juni gefehlt, also in der Hauptwachstumsphase dieser Getreidesorte.
Niedrige Verkaufspreise
Herausfordernd für sie und ihre Kollegen seien vor allem die sehr niedrigen Verkaufspreise beim Getreide, die auf sehr hohe Produktionskosten insbesondere beim Dünger treffen: „Ohne deutliche Entspannung beim Düngerpreis wird der Anbau von Getreide immer unwirtschaftlicher“, sagt Bayha.
Statt auf Weizen, Gerste und Roggen zu setzen, wären denn andere Feldfrüchte für den Anbau denkbar? Christine Bayha zweifelt hier merklich, denn „Kulturen wie Sonnenblumen und Soja stellen nur sehr bedingt eine Alternative dar, auch hier muss die Wirtschaftlichkeit gegeben sein und eine solche Kultur grundsätzlich auch in die Fruchtfolge passen.“
Auch bei den anderen Kulturen, die die Bönnigheimerin anbaut, schaut es aktuell alles andere als rosig aus: „Die Kulturen wie Zuckerrüben, Mais, Kartoffeln und Zwiebeln, deren Ernte erst in den Herbstmonaten erfolgt, leiden besonders unter der aktuellen Trockenheit“, diese hätten nicht mehr von der in den Wintermonaten gegebenen Feuchtigkeit profitieren können.
Große Ertragsverluste erwartet
Und ohne schwarz malen zu wollen, fügt sie hinzu: „Ohne deutliche Niederschläge in den nächsten Tagen und Wochen sind hier sehr große Ertragsverluste zu erwarten.“ Die ungewöhnlich frühe Ernte, dazu eine nicht optimale Qualität bei Menge und Ertrag, all das trübe dann doch die Stimmung, nicht nur bei ihr, sondern auch bei vielen anderen landwirtschaftlichen Betrieben im Unterland. Deshalb wird auch in Zukunft die künstliche Zuführung von Wasser auf die Felder immer notwendiger. Bayha: „Wieder einmal zeigt sich bei der aktuell herrschenden Trockenheit, dass ohne zusätzliche Bewässerung der Anbau von Feldgemüse und Kartoffeln in solchen Jahren wie diesem nun eigentlich nicht mehr möglich ist.“
Auch wenn in den kommenden Tagen Regen und Gewitter vorhergesagt sind, zweifelt Bayha an der für die Pflanzen ausreichenden Menge. „Das wird hinten und vorne nicht reichen“, gibt sie sich keiner Illusion hin.
Ein Blick auf die meteorologischen Rahmenbedingungen zeigt, dass sich die Zahl der Hitzetage in Baden-Württemberg in den vergangenen 50 Jahren etwa verdreifacht hat. Mittlerweile steigt das Thermometer im Schnitt an mehr als 15 Tagen im Jahr auf über 30 Grad.
Nach der ersten Hitzephase im Juni, in der die Temperaturen örtlich bereits an zehn Tagen über dieser Marke lagen, ist für die kommenden Tage die nächste Hitzephase mit erneut deutlich über 35 Grad vorhergesagt. Die Lage bleibt also nach wie vor angespannt – bei Christine Bayha und ihren Kollegen in der Landwirtschaft.
