Leichtathletik Jürgen Scholz gibt Spitzenamt ab

Von Paul Herbinger
Seit 2004 ist Jürgen Scholz Präsident des Württembergischen Leichtathletik-Verbandes. Beim Verbandstag in Bad Liebenzell gibt der Diplom-Verwaltungswirt den Stab nun weiter. Foto: Paul Herbinger

Der Sersheimer Bürgermeister beendet nach 18 Jahren seine Arbeit für den Württembergischen Leichtathletik-Verband. Er ist nun Präsident des Landessportverbandes Baden-Württemberg, dem 3,9 Millionen Mitglieder angehören.

Vom Sprinter zum Dauerläufer. In jungen Jahren legte Jürgen Scholz im Trikot von Salamander Kornwestheim die 100 Meter in 10,9 Sekunden zurück. Heute ist der inzwischen 61-Jährige für seinen langen Atem bekannt. Seit 1990 ist er Bürgermeister in Sersheim, seit 2004 Präsident des Württembergischen Leichtathletik-Verbandes. Beim Verbandstag in Bad Liebenzell gibt er sein Amt am 18. September ab. Eine neue Aufgabe hat er bereits übernommen: Im Juli wurde er zum Präsidenten des Landessportverbandes Baden-Württemberg (LSV) gewählt, dem rund 3,9 Millionen Mitglieder angehören.

Bei der LSV-Wahl votierten 96,6 Prozent der 170 Delegierten für Scholz. Ein ähnliches Ergebnis wäre auch am 25. September bei der Bürgermeisterwahl in Sersheim keine Überraschung. Vor acht Jahren sammelte er 90,1 Prozent aller Stimmen, jetzt strebt der Diplom-Verwaltungswirt seine fünfte Amtsperiode als Schultes der 5600 Einwohner zählenden Gemeinde an. „Ich will das Schiff am Laufen halten. Es gibt in den kommenden Jahren viel zu tun.“

Jürgen Kessing als DLV-Präsident vorgeschlagen

Mit Bietigheim-Bissingens Oberbürgermeister Jürgen Kessing, dem Präsidenten des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV), und Scholz kommen zwei der mächtigsten deutschen Sportfunktionäre aus dem Kreis. Die Achse Bietigheim – Sersheim funktioniert. „Als ich vor fünf Jahren wegen der Führung des DLV angesprochen wurde, habe ich abgelehnt“, berichtet Scholz, „aber gleichzeitig Jürgen Kessing vorgeschlagen. Es freut mich, dass das geklappt hat. Eine gute Wahl.“

Dem Sport im Raum Bietigheim stellt Scholz ein gutes Zeugnis aus. „Er lebt von der Vielfalt. Die LG Neckar-Enz feiert am Samstag ihr 50-jähriges Bestehen, die Handballerinnen und Handballer sind genau wie die Steelers hervorragend, die Leichtathleten und der Reitsport können sich sehen lassen. Wir haben für jeden etwas und sogar ausgezeichnete Tischtennisspielerinnen.“

Für seine eigene Sportart sieht Scholz, der sich mit dem Rad fit hält, im Kreis gute Perspektiven. „Die aus Ludwigsburg kommende Lisa Nippgen war bei der Leichtathletik-EM als Ersatzläuferin der siegreichen 4x100-Meter-Staffel dabei. Wir haben eine sehr erfolgreiche Nachwuchsarbeit mit vielen Talenten. Mir ist vor der Zukunft nicht bange.“ Neben dem Sprint war Scholz auch im Weitsprung aktiv. „Meine Bestweite lag bei 6,60 bis 6,70 Metern. Allerdings ohne jemals das Brett zu treffen“, meint er lachend.

Umbau des Stuttgarter Stadions zur Fußball-Arena als Tiefpunkt

Der Tiefpunkt seiner WLV-Amtszeit schmerzt Scholz bis heute. Das Stuttgarter Stadion, gerühmt als „Wimbledon der Leichtathletik“ und Austragungsort der sensationellen WM 1993, wurde ab 2007 zur reinen Fußball-Arena umgebaut. Eigenhändig montierte Scholz nach dem letzten Wettkampf die Schlussglocke ab: „Das tat weh und tut es bis heute.“

Aktuell sorgt sich der neue LSV-Präsident um die Auswirkungen der aktuellen politischen und wirtschaftlichen Situation: „Ich hoffe, dass die Vereine im Zuge der Energiekrise nicht noch weiter leider müssen und die Sporthallen frei bleiben. Seit März 2020 sind wir im Krisenmodus. Irgendwann müssen wir zur Normalität zurückfinden.“ Den oft aus dem Bereich des Sports zu hörenden Ruf nach mehr finanzieller Unterstützung, teilt er nicht. „Mehr ist nicht immer gut. Man muss auch mal mit dem zufrieden sein, was man hat. Es ist viel Geld im System, man muss es nur richtig einsetzen.“

 
 
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