Leseförderung im Kreis Ludwigsburg Förderprogramm für Grundschulen

Von Gabriele Szczegulski
Die Schüler der dritten Foto: Werner Kuhnle

Das Förderprogramm „Biss – Bildung, Sprache, Schrift“ soll in den Grundschulen die Lesekompetenz fördern. Die Ingersheimer Schillerschule ist dafür Vorreiter und Lehrerin Birgit Dürrstein wird nun andere Schulen anleiten.

Birgit Dürrstein, Lehrerin an der Schiller-Grundschule Ingersheim, hat vor zwei Jahren in ihrer Schule angefangen, das systematische Lese-Förderprogramm „Biss“ einzuführen. Das Programm ist eine Initiative des Kultusministeriums, um der Leseschwäche von Grundschülern entgegenzuwirken und das Leseverhalten zu verbessern. „Wenn Kinder nach der Grundschule nicht flüssig lesen und richtig schreiben können, fehlt ihnen eine entscheidende Schlüsselkompetenz. Unser gemeinsames Ziel ist es deshalb, mit „Biss-Transfer“ den Unterricht an den Schulen qualitativ weiterzuentwickeln und die Lehrerinnen und Lehrer bei dieser wichtigen Aufgabe noch stärker zu unterstützen“, sagte Kultusministerin Theresa Schopper, als sie im September verkündete, dass weitere Schulen der Initiative beigetreten sind. Ziel von „Biss“ ist eine durchgängige und stärkere Leseförderung als zuvor an den Grundschulen. „Das kontinuierliche Lesen fiel bisher im Deutschunterricht oft weg, weil andere Bereiche vorgezogen wurden“, sagt Birgit Dürrstein.

Erste Schule im Kreis

2020 war die Ingersheimer Schule die erste im Landkreis Ludwigsburg, „ein Proband“, wie Dürrstein sagt. In diesem Schuljahr sind es insgesamt 400 Schulen in Baden-Württemberg, die die Lesekompetenz der Grundschüler mit diesem Programm systematisch schulen, weitere sollen dazukommen. Im Landkreis setzen neben der Ingersheimer Schillerschule die Grundschule Oberriexingen, die Hillerschule in Bietigheim-Bissingen, die Osterholzschule in Ludwigsburg sowie die Murrer Grundschule auf „Biss“. Das Ingersheimer Modell wird dafür als Beispiel genommen, Birgit Dürrstein fungiert dabei als Ansprechpartnerin.

Durch die „Biss“-Initiative sollen die Lesekompetenzen von Schülern in der Grundschule gestärkt werden. Die beteiligten Grundschulen sollen sich vernetzen und Erfahrungen austauschen. „Biss“ systematisiert die Leseförderung an den Schulen. Es besteht aus zwei Bausteinen: der Förderung der Leseflüssigkeit und der Förderung der Lesefähigkeit.

Um die Leseflüssigkeit zu verbessern, werden Lesezeiten in den Stundenplan eingebaut, finden regelmäßig in allen Klassen statt. In der Ingersheimer Schillerschule lesen die Erstklässler täglich zu Beginn des Unterrichts zehn Minuten, die Zweitklässler zweimal die Woche je 20 Minuten und die Dritt- und Viertklässler lesen einmal die Woche 45 Minuten lang gemeinsam. „Wie die Schulen das Lesen in den Unterricht integrieren, bleibt ihnen selbst überlassen“, sagt Dürrstein. Durch die Aufnahme in den Stundenplan als eigene Unterrichtseinheit „fällt das Lesen nicht mehr durchs Raster“, so Dürrstein.

Durch eine engmaschige Begleitung durch Berater am Kultusministerium, viele Unterrichtsmaterialien und Anregungen wird das Programm ergänzt. Beispielsweise, so Dürrstein, werden die „Laut-Lese-Tandems“ empfohlen. Bei dieser Methode lesen sich zwei Kinder gegenseitig Texte vor; ein lesestarkes Kind arbeitet dabei jeweils mit einem leseschwächeren Kind zusammen und kann letzterem dabei helfen, Wörter und Sätze korrekt vorzulesen.

Die Schillerschule in Ingersheim hat sowohl den Baustein Leseflüssigkeit als auch die Lesefähigkeit, also das Verstehen eines Textes, in ihren Lehrplan aufgenommen. „Wir haben ein Lesecurriculum erstellt und in den Unterricht verankert“, sagt Dürrstein. Das bedeute, erklärt sie, eine systematische und verbindliche Einführung von Lesestrategien in den Unterricht.

Eigene Internetseite

Eine eigene „Biss“-Website hilft den teilnehmenden Schulen bei der Entwicklung eines für ihre Schule passenden Programms. Die Lehrkräfte erhalten Materialien kostenlos und werden zu Fortbildungen eingeladen. Birgit Dürrstein bekommt für ihre Aufgabe eine Deputatsstunde pro Schuljahr – zu wenig, sagt sie. Ein Training der Leseflüssigkeit und die Förderung von Lesestrategien helfe Kindern nachweislich, eine bessere Lesekompetenz aufzubauen, sagt Dürrstein.

Seit 2021 ist die Oberriexinger Grundschule am Förderprogramm beteiligt, der erste Testlauf startete, so Rektorin Simone Hasenohr, im vergangenen Schuljahr. Für das laufende Schuljahr seien für jede Klasse verbindliche Lesezeiten festgelegt worden. „Das bedeutet, dass mindestens in zwei Unterrichtsstunden jeweils 20 Minuten gelesen wird“, so Hasenohr.

Auch ihre Schule setzt das für Biss entwickelte Curriculum um. „Unserer Ansicht nach bewirkt das systematische Lesetraining nach Biss gute Fortschritte bei den Kindern. In der letzten VERA-Vergleichsarbeit war unsere Schule über dem Landesdurchschnitt“, so Hasenohr.

In der Bietigheimer Hillerschule ist Sandra Feresin für die Umsetzung der Biss-Standards zuständig. Die Schule beginnt in diesem Schuljahr mit dem Projekt und will alle Strategien in allen Klassen umsetzen. „Wir erhoffen und eine Leistungssteigerung der Schüler in ihrer Lesefähigkeit und werden die kontinuierlichen Lesezeiten sowie die Übungen zur Lesefähigkeit und das Curriculum umsetzen“, so Feresin.

Leseförderkonzept Biss an Grundschulen

Das Leseförderkonzept
Biss-Transfer trägt dazu bei, dass der Anteil der Kinder, welche die Mindeststandards im Lesen nicht erreichen, reduziert wird. Es ist eine gemeinsame Initiative von Bund und Ländern zum Transfer von Sprachbildung, Lese- und Schreibförderung in Schulen und Kitas. Es soll den Schulunterricht weiterentwickeln, den Schwerpunkt aufs Lesen setzen und die noch besser bei den Schlüsselkompetenzen Lesen und Schreiben unterstützen, so das Kultusministerium.

Die Förderung
der Leseflüssigkeit ist einer der Bausteine, die die Schulen künftig im Rahmen eines systematischen Leseförderkonzepts einführen. Dafür integrieren sie ein regelmäßiges Lesetraining in den Stundenplan („Viellese-Zeit“) und wenden Methoden wie beispielsweise das „Laut-Lese-Tandem“ an, die Kindern helfen, flüssiger zu lesen. Weiterhin lernen die Lehrkräfte in Fortbildungen, wie sie die Lesestrategien und die Textkompetenz der Schülerinnen und Schüler mithilfe spezieller Techniken fördern können. Jede Schule richtet außerdem eine Projektgruppe ein und verankert die Lese-Maßnahmen in einem „Lesecurriculum“, das für die gesamt Schule verbindlich gilt. sz

 
 
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