Lichtenstern-Gymnasium Leidensweg Jesu neu interpretiert

Von Michaela Glemser
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Schüler gestalten eine moderne Version des Jugendkreuzwegs.

Die junge Frau beugt angestrengt und erschöpft ihren Kopf, denn sie trägt schwer an ihrem voll gefüllten Rucksack. „Wie die junge Frau auf dem Bild tragen wir alle immer wieder einen Rucksack voller Erwartungen, Sorgen und Verantwortungen mit uns. Daher soll der Betrachter dieser Station des Jugendkreuzwegs einmal intensiver über sich selbst nachdenken“, schildert Joachim Braunschuh, Religionslehrer am evangelischen Lichtenstern- Gymnasium.

Lieder per QR-Code anhören

Er hat im Park vor dem Schlössle gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern der Klasse 9b die Stationen des diesjährigen Jugendkreuzwegs gestaltet. „Die Bildvorlagen haben wir vom deutschlandweiten ökumenischen Jugendkreuzweg übernommen. Die Schülerinnen und Schüler haben dazu eigene geistliche Impulse und Gebete verfasst sowie passende Lieder ausgewählt“, erläutert Braunschuh. Die Lieder können sich die Betrachter der einzelnen Stationen teilweise per QR-Code anhören.

An der Station „Die angenommene Last“ erklingt beispielsweise das Lied „Lean on me“ des amerikanischen Sängers Bill Withers, „denn trotz des schweren Rucksacks voller Erwartungen und Sorgen können wir uns an Gott und Jesus anlehnen, sie helfen uns weiterzugehen, auch wenn wir aufgeben wollen“, so Braunschuh. Die Station „Verloren“ wiederum erinnert an die Situation im Garten am Ölberg bei Jesus` Leidensweg. Auf dem Bild zu dieser Station sitzt ein Junge alleine mit seinem Handy in einem dunklen Zimmer. Der Betrachter ist aufgefordert, auch die Augen zu schließen und zu überlegen, warum trotz Dunkelheit bei ihm keine Angst aufkommt. „Jesus gibt uns nämlich das Gefühl, uns sicher fühlen zu können“, haben die Schüler als Antwort auf die Tafel unter dem Bild geschrieben.

„Die Jugendlichen haben jeweils eine Station in kleinen Gruppen vorbereitet und jeder hat dabei individuell einen anderen Bezug zur Passionsgeschichte entwickelt. Alle neunten Klassen stellen an unserer Schule zur Passionszeit eine besondere Aktion auf die Beine. Es gab auch einen wöchentlichen Fasten-Newsletter von einer Klasse und einen Gottesdienst vor Beginn der Osterferien“, berichtet Lehrer Braunschuh.

Zudem haben unterschiedliche Klassen in den zurückliegenden Tagen vor Ferienbeginn die Stationen des Jugendkreuzwegs im Religionsunterricht besucht, um innezuhalten und den Leidensweg von Jesus in ihre eigene Zeit zu übertragen. So geht die Station „Zurückgekehrt“ auf die mangelnde persönliche Kommunikation mit Augenkontakt in der heutigen Zeit ein, wo vorwiegend per Handy Nachrichten an Freunde und Bekannte verschickt werden.

Die Station „Abgestempelt“ erinnert an das Problem des Ausgrenzens und Verspottens von Mitmenschen, über die leichtfertig gelacht und auf die mit dem Finger gezeigt wird. Auch dabei gibt es Parallelen zum Leidensweg Jesus, der von den Mitgliedern des Hohen Rats verhöhnt wurde.

Fünf Stationen mit Pro- und Epilog

„Unser Jugendkreuzweg hat insgesamt nur fünf Stationen sowie eine Station als Prolog und eine als Epilog. Dabei haben wir über den eigentlichen Kreuzweg hinausgeblickt und die Auferstehung am Osterfest bereits in den Fokus der Aufmerksamkeit gerückt“, macht Braunschuh deutlich. Beim Epilog ist nämlich unter dem Titel „Verwandelt“ ein Jugendlicher mit einem Kreuz zu sehen, das sich jedoch als Fensterrahmen entpuppt, und im Glas spiegelt sich das Gesicht des jungen Menschen.

Dem Betrachter bietet sich an dieser letzten Station Gelegenheit zur Selbstreflexion mit der musikalischen Untermalung von „Wind of change“ von den Scorpions. „Wir laden gerne die Öffentlichkeit noch bis Ostern dazu ein, unseren Jugendkreuzwerk zu besuchen und sich von den Gedanken der Schülerinnen und Schüler inspirieren zu lassen“, unterstreicht Braunschuh. Der Jugendkreuzweg ist öffentlich zugänglich.

 
 
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