Peter Maffay heizte den Fans kräftig ein.“ Selten passte dieser Satz aus dem Repertoire der Konzertbesprechung so treffend wie am Freitagabend unter dem Viadukt. In der Hitze der Juni-Sommernacht begeisterte der 75 Jahre alte Rockstar etwa 11.000 Fans mit seiner musikalischen Energie. Die Bühne an der Enz wurde für die Band und das Publikum zum „Love Place“, zum Lieblingsplatz, wie der Titel der diesjährigen Maffay-Sommertournee lautet.
Live am Viadukt Zeitreise bis ganz zurück
Piu, Piu, Piu“ unter dem Viadukt – Peter Maffay und seine Band begeistern 11.000 Fans mit ihrer musikalischen Energie.
Kaum war die Sonne untergegangen und die Bühne endlich im Schatten, betrat Schlagzeuger Bertram Engel die Szenerie, gefolgt von der Band in großer Besetzung. Schon zu den ersten Takten von „Die Zeiten stehen auf Jetzt“ hielt es die Fans nicht auf den Sitzplätzen.
Doch das „Jetzt“ war nur ein Teil des Abends. Maffay versprach eine Zeitreise „bis ganz zurück“ – eine frische Perspektive auf seine alten Hits. „Es macht Spaß, diese alten Schinken zu spielen“, sagte er. Immer wieder entdecke man Neues darin. Und dieser Spaß sprang auf seine Fans über. Von Nostalgie keine Spur. „Eiszeit“, ein Lied aus dem Jahr 1982, entstand in einer Ära der atomaren Nachrüstung, die Ängste und Sorgen schürte. Heute, angesichts aktueller Konflikte, bleibt das Stück für Maffay erschreckend relevant. „Also singen wir dieses Lied wieder“, sagte er.
Und dann natürlich „die Hymne aller 16-Jährigen“. Wie oft ist das „Piu, Piu, Piu“, in „Und es war Sommer“ nicht schon karikiert worden? Augenzwinkernd forderte Maffay seine Fans auf, es mitzusingen. Und die folgten begeistert. Ausgerechnet in diesem Moment hielt ein Zug auf dem Viadukt, als ob auch die Fahrgäste ein Stück dieses Klassikers erleben wollten.
Apropos Klassiker. „Du“, Maffays Durchbruch als junger Sänger 1970, entstand zu einer Zeit, als Schlagerstars wie Roy Black, Jürgen Drews und Michael Holm die „ZDF-Hitparade“ beherrschten. Seite an Seite mit Maffay selbst, damals noch in glitzernder Seide. Am Freitag, 56 Jahre später, im Totenkopf-Hemd und schwerer Goldkette, schmetterte Maffay den Hit aus voller Brust. Unterlegt mit harten Rock-Rythmen wurde die einstige Schnulze zu neuem Leben erweckt. Seinen Bandmitgliedern, mit denen er teils schon sehr lange Zeit auf den Bühnen unterwegs ist, ließ Maffay den nötigen Raum. Bertram Engel, mit seinen 68 Jahre ein Veteran der Rockmusik, trieb die Band über fast zweieinhalb Stunden mit seinem Schlagzeug vorwärts. Ken Taylor am Bass und Peter Keller an der Gitarre komplettierten die Rhythmus-Gruppe. Gitarrist Carl Carlton erntete mit seinen Gitarren-Soli tosenden Applaus. Und Lisa Müller füllte „Sonne in der Nacht“ mit einem Piano-Solo.
Rührender Abschluss eines energiegeladenen Abends
Ein wenig Marketing floss ebenfalls ein. Maffays Son Yaris durfte mit einem Song auf seine eigene Tournee aufmerksam machen, die ihn im November nach Stuttgart führt. Zusammen mit Linda Teodosiu sang Maffay „Ein Leben lang ist nicht lang“, einen Song, den er zusammen mit Johannes Oerding eingespielt hat. Maffay und Oerding gehen im Frühjahr 2027 auf gemeinsame Tournee.
Immer wieder suchte der Sänger die Nähe zum Publikum. Er wandte er sich einer jungen Frau zu, der er eine Kusshand hinterherwarf. Später legte eine Zuschauerin auf der Bühne ein emotionales Bekenntnis der Freundschaft zu einem Mann ab – ein Moment, der zum Konzept der Tournee gehört, wie Maffay erklärte. Zum Finale, bei „Über sieben Brücken“, holte er eine junge Frau auf die Bühne. Sie konnte ihr Glück kaum fassen, als der Rockstar sie in den Arm nahm. Ein rührender Abschluss eines energiegeladenen Abends.
