Local to go Cleebronn Verkaufsidee mit nachhaltiger Wirkung

Von Gabriele Szczegulski
Stefanie Fischer aus Cleebronn mit den Produkten ihres Mehrwegsystems „Local to go“, das schon viele gastronomische Betriebe in der Region nutzen. Foto: /Martin Kalb

Stefanie Fischer aus Cleebronn produziert und vertreibt mit ihrer Firma „Local to go“ Mehrweggeschirr an gastronomische Betriebe und hat die Unterstützung vieler Kommunen gewonnen.

Corona, das wachsende nachhaltige Bewusstsein der Kommunen sowie die gesetzliche Verpflichtung für die Gastronomie, Mehrweggeschirr anzubieten, spielten Stefanie Fischer in die Karten. Gerade zur rechten Zeit hatte die 34-jährige Cleebronnerin und gebürtige Bönnigheimerin eine nachhaltige Geschäftsidee. Schon lange dachte sie über Alternativen zur Aufbewahrung nach, die weniger Müll produzieren würden, nachhaltig produziert werden sowie mehrfach benutzt werden können. Sie nutzte die Elternzeit nach der Geburt ihrer ersten Tochter 2019 – mittlerweile ist die zweite geboren.

Zusammenarbeit mit der Stadt Brackenheim

Sie suchte nach Lösungen und fand sie zuerst einmal in einer kleinen Familientöpferei im Westerwald, die für sie runde, hohe Behältnisse aus Keramik produzierte, die sie vor allem an Unverpacktläden verkaufte. Jonathan Klein, der Klimamanager der Stadt Brackenheim wurde darauf aufmerksam. Schon einige Zeit suchte er nach Alternativen für Wegwerfgeschirr für die gastronomischen Betriebe in seiner Stadt. „Das war dann 2021 und wir waren mitten in Corona, viele gastronomische Betriebe stellten auf Lieferessen um und benutzten meist Wegwerfbehälter“, so erinnert sich Stefanie Fischer. Sie machte sich auf die Suche nach einem in Deutschland ansässigen Produzenten für Mehrweggeschirr. „Wir haben uns letztendlich doch für Kunststoff entschieden, weil Glas und Edelstahl zu schwer, zu unpraktikabel und zu teuer sind“, sagt sie. Die Firma Ornamin im westfälischen Minden stellte schon lange hochwertiges und recycelbares Mehrweggeschirr für Pflegeeinrichtungen her.

Gemeinsam mit Stefanie Fischer entwickelte die Firma ein mehrteiliges Set, das edel aussieht, hochwertig und sehr praktisch ist sowie isoliert, sodass die Außenwände nicht heiß werden. Die Produkte sind auslaufsicher, spülmaschinenfest und mikrowellengeeignet. Außerdem eignen sie sich zum Einfrieren. „Jedes Geschirr kann ungefähr 1000 mal gespült werden, so lange sieht es aus wie neu“, sagt Fischer. Und wenn es kaputt geht, kann es zurückgegeben werden und es wird für neues Geschirr recycelt. „Das war die für mich nachhaltigste Lösung“, so Fischer. Die Firma „Local to go“ wurde gegründet. „Lokal ist für mich auch ein Schlüsselwort, denn die Wege sollen so kurz wie möglich sein und unser Mehrwegsystem sollte vor allem im ländlichen Bereich funktionieren“, sagt sie.

Der Brackenheimer Gemeinderat entschied sich für die Firma der 34-Jährigen und schloss eine Vereinbarung mit „Local to go“: Jeder Betrieb, der sich dem Fischerschen Mehrwegsystem anschließt, bekommt eine Förderung von der Stadt. Das Mehrweggeschirr funktioniert ganz einfach im Pfandsystem. Durch eine gleichbleibende monatliche Systemgebühr für den gastronomischen Betrieb sind die Kosten einfach kalkulierbar. Die Betriebe leihen die gewünschten Sets und Mengen von Fischer und zahlen für die Mehrwegprodukte nur so viel Pfand, wie sie auch von ihren Kunden verlangen. Das sind 5 Euro für Schalen und 2,50 Euro für To-go-Becher in verschiedenen Größen. „Bereits bei nur zehn Mitnahmegerichten pro Tag kostet die Verwendung des Mehrweggeschirrs nur 0,12 Euro“, sagt sie.

Im Landkreis Hohenlohe sind es schon 30 Betriebe

Der Landkreis Hohenlohe mit bisher 30 Betrieben schloss ebenfalls nach einer Ausschreibung, die Fischer gewann, eine Vereinbarung. „Hohenlohe to go“ entstand. Auch die Stadt Bönnigheim fördert seit 2022 Betriebe, die „Local to go“ verwenden. Mit weiteren Betrieben in den Landkreisen Ludwigsburg Heilbronn, Esslingen und im Ostalbkreis beziehen derzeit mehr als 100 Gastronomen das Mehrwegsystem – eineinhalb Jahre nach Gründung der Firma. „Es werden immer mehr, da nun ja auch die Pflicht zum Mehrweggeschirr gilt“, so Fischer.

Vor allem aus Nachhaltigkeitsgründen fände sie es gut, wenn sich ihr System verbreitet. „So kann ein Kunde, der nach Brackenheim kommt, sich dort was zu essen holen, aber das Geschirr in Ludwigsburg abgeben oder wieder füllen lassen, weil er dort wohnt“, sagt sie. Deshalb finden sich auch alle Partner auf einer Landkarte auf ihrer Homepage.

Ganz lokal wird ihre Firma nicht bleiben, derzeit hat sie, wie sie sagt, „Anfragen aus ganz Deutschland und von europäischen Nachbarn“. Fischer will auch weiterhin den persönlichen Kontakt zu ihren regionalen Kunden haben.

„Ich fahre oft herum und frage die Kunden nach ihren Erfahrungen“, so Fischer. Anfangs hat sie die aus Minden gelieferten Waren in der Einliegerwohnung ihres Hauses gelagert und selbst ausgeliefert. Mittlerweile hat sie ein Logistikunternehmen beauftragt, das die Produkte – auch mit dem Firmenlogo graviert – lagert und ausliefert. Dennoch ist sie derzeit auf der Suche nach ihrem ersten Mitarbeiter oder ihrer ersten Mitarbeiterin. „Das macht mich schon stolz, dass ich das alles geschafft habe, denn mittlerweile habe ich 10 000 Sets im Umlauf“, sagte die Mutter zweier kleiner Kinder.

 
 
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