Löchgau „Bei uns muss man Zeit investieren“

Von Michael Soltys
Otto Weigel (links) und Kai Schollenberger mit dem Motorsegler vor der Löchgauer Halle der Luftsportgemeinschaft. Foto: /Martin Kalb

Die BZ-Redaktion sucht die „gute Seele im Verein“.  In der Luftsportgemeinschaft braucht es Arbeitseinsätze, um mit dem Segelflugzeug abzuheben. Einer der immer anpackt ist Otto Weigel.

Vorsichtig ziehen LSG-Vorsitzender Kai Schollenberger und Otto Weigel die Schutzhauben des Segelfliegers ab. Die „Duo Discus fes“ ist die neueste Errungenschaft der Luftsportgemeinschaft Bietigheim-Lauffen-Löchgau. Rund 250.000 Euro hat der Verein auf den Tisch gelegt, um das Modell der Firma Schempp-Hirth aus Kirchheim/Teck zu erwerben. Wodurch es sich auszeichnet? „Es verfügt über einen Elektromotor, der den Segler nach Hause bringt, falls es an der Thermik mangelt“, sagt Weigel. „Das vermeidet Außenlandungen.“

Den notwendigen Grundstock für den kostspieligen Kauf hat der Verein durch den Verkauf eines älteren Segelflug-Modells gelegt. Den „Fuhrpark“ auf modernem Stand zu halten, ist schon seit Jahrzehnten gängige Praxis des Vereins. Genauso gehört es zur Vereinspolitik, die Segelflugzeuge und den vereinseigenen Motorschlepper zu pflegen und zu warten. Dafür gibt es in Bietigheim die eigene Werkstatt, die im Winter rege genutzt wird. Andere Flugplätze verstehen sich als Dienstleister, „aber wir machen alles selbst“, sagt Otto Weigel.

Gemeinsam wird angepackt

Das gemeinsame Anpacken in der Werkstatt und auf dem Flugplatz im Wiesental bei Löchgau gehört zur DNA des Vereins. Denn es braucht viele gute Seelen, um den Flugbetrieb aufrecht zu erhalten. Das Gras auf dem Flugplatz muss gemäht werden, dafür gibt es eigens einen „Greenkeeper“. Herrscht Flugbetrieb, müssen Rad- und Fußwege rund um den Flugplatz gesichert werden. Um segeln zu können, braucht es Helfer an der Winde, mit der die Flugzeuge in die Luft gezogen werden, und Helfer, die das Seil wieder zurückholen.

„Um einen Mann in die Luft zu bringen, sind drei bis vier Leute notwendig.“ Weigel selbst füllt die Tankstelle des Vereins auf, kümmert sich um den Blühstreifen entlang der Startbahn und schaut nach den Nistkästen, in denen schon etliche Schleiereulen gebrütet haben.

Seit mehr als 50 Jahre im Verein

Dem 73-jährigen Erligheimer, der dem Verein seit mehr als 50 Jahren angehört, fällt es leicht, die Zeit dafür zu finden. Er ist Rentner. Doch wenn es um die Gewinnung von Nachwuchs geht, werden die notwendigen Arbeitsstunden zum Problem, erläutern Weigel und Schollenberger. „Bei uns muss man Zeit investieren“.

Das ist vor allem nach der Corona-Pandemie zum Problem für den Verein geworden. Das Interesse an gemeinschaftlicher Organisation habe stark nachgelassen. Wer beruflich stark eingebunden ist oder in Schule oder Studium gefordert ist, zieht individuelle Sportarten vor. Die Zeit fürs Joggen, fürs Fitness-Studio oder fürs Radfahren kann man sich eben besser einteilen. Aktuell stoßen vor allem Späteinsteiger und erwachsene Seiteneinsteiger zum Verein hinzu, der rund 60 Mitglieder zählt.

Dabei ist gerade. der Arbeitseinsatz der Grund, warum der Verein die Ausbildung und die Fliegerei so günstig anbieten kann, heben Schollenberger und Weigel hervor. Schollenberger selbst hat 2016 mit 15 Jahren mit der Fliegerei begonnen. Schon 14-Jährige können mit der Ausbildung beginnen, mit 16 Jahren darf man die Lizenz erwerben. Die Fliegerei in Löchgau sei nicht teurer als eine Mitgliedschaft im Fitness-Studio. „Schnupper-Mitgliedschaften“, die bis zum ersten Alleinflug gelten, gibt es schon für 269 Euro. Und „alle Fluglehrer arbeiten ehrenamtlich“, hebt Weigel hervor.

Auf vielen Wegen versucht der Verein, wieder mehr jungen Nachwuchs zu gewinnen. Zuletzt durften erneut viele Kinder beim Ferienprogramm eine Runde im Segelflugzeug drehen. Jedes Jahr im Frühjahr werden Schnuppertage organisiert. Die sozialen Medien werden ebenfalls genutzt, um junge Leute anzusprechen. Weigel ist optimistisch, „dass wir das wieder besser hinkriegen“.

Das Flugfest allerdings, mit dem der Verein regelmäßig im August Tausende von Menschen ansprechen konnte, gibt es seit einigen Jahren nicht mehr. Die vielen behördlichen Auflagen konnte der Verein auf Dauer nicht mehr erfüllen, erläuterte Weigel. Als Ersatz dient das Drachenfest, das in diesem Jahr am 18. und 19. Oktober stattfindet. Statt der Segelflieger werden dann wieder Drachen in jeder Größe, Art und Form über der Landebahn schweben.

 
 
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