Löchgau Eine Gemeinde wird zum Flohmarkt

Von Corinna Müller
In den Straßen Löchgaus gab es allerlei außergewöhnliche Gegenstände zu finden. Foto: /Oliver Bürkle

An mehr als 150 Ständen, quer durch den ganzen Ort verteilt, wurde beim ersten Löchgauer Garagenflohmarkt Gebrauchtes und Außergewöhnliches angeboten.

Am vergangenen Sonntag fand Löchgaus erster Garagenflohmarkt statt – mit vollem Erfolg. Mehr als 150 Stände verteilten sich im gesamten Ort. Schon früh am Morgen pulsierte das Leben in den Straßen Löchgaus.

„Wir haben hier eine gute Position, so direkt beim Bäcker“, lachte Helga Trinker, die mit ihrer Mutter die Garage in der Weinstraße eine Woche lang vorbereitet hatte. Daniela Ratasa in der Liststraße berichtete von Kunden, die bereits vor Flohmarktbeginn neben der Garage gewartet hatten. Ein Interessent aus Böblingen erkundigte sich bei ihr nach Echtschmuck. Ihm konnten verschiedene Erbstücke vorgelegt werden. Das Gold wurde unter die Lupe genommen und gewogen. Das Angebot war gut, aber die Verkäuferin wollte noch überlegen. Kein Problem – der höfliche Geschäftsmann gab ihr seine Kontaktdaten. Viele professionelle Händler aus ganz Württemberg rollten mit ihren Autos langsam von Stand zu Stand oder stellten das Fahrzeug ab, um auf E-Scooter beziehungsweise Fahrrad umzusteigen.

Kundschaft früh am Morgen

Auch bei Karl-Otto Gauger im Badweg waren die Kunden bereits um 8.15 Uhr da. Zwei Stunden, bevor der Flohmarkt offiziell begann. Drei verwandte Familien mit insgesamt drei Generationen betreuten einen 25 Meter langen Tisch. Schreibmaschinen, Entsafter, Holzhobel, ein Globus, Reithelme und vieles mehr waren im Angebot - sogar eine signierte Autogrammkarte von Lothar Späth.

Andrea Zach, Gemeinderätin und Mitglied des 8-köpfigen Orga-Teams berichtete von einer ausgiebigen Planungszeit. „Das erste Treffen hat im Juni 2025 stattgefunden.“.

Im Bussardweg half man sich gegenseitig mit Kaffee aus, freute sich Martina Hundorf, die bei den kalten Außentemperaturen von ihrer Nachbarin Christine Salamon zu einer Tasse eingeladen worden war. Sie selbst war um 8.30 Uhr von einem Händler aus Ulm auf Videospiele angesprochen worden – dabei bot sie in erster Linie Kinderkleidung an.

Nur wenige Häuser weiter saß Herbert Rath auf einem sonnigen Bänkchen vor der Garage, in der seine Frau unter anderem süßen Secco verkaufte. „Wir haben den geschenkt bekommen, trinken das aber gar nicht.“ Das Ehepaar hatte wochenlang alles Mögliche gesammelt, um es heute zu verkaufen. „Jeden Tag haben wir eine andere Schublade aufgemacht und sortiert.“

Stundenlang konnte man durch Löchgau schlendern und staunen, feilschen, entdecken: Bücher, Möbel, den Tageslichtprojektor in der Besigheimer Straße, Geschirr, ein Puppenhaus der 60er Jahre in der Freudentaler Straße, Schlittschuhe, Brettspiele, Büffetwärmer, alte Tischtücher mit Monogramm und dekorative Pappelstücke im Bussardweg, Sporen fürs Westernreiten, Kaninchenkäfige, einen Rollator, Skateboards, Kleidung, Geschirr und vieles mehr.

Positive Resonanz

Die siebenjährige Ella und die zwei Jahre ältere Emi waren früh aufgestanden, um im Beisein ihrer Mütter Spielsachen zu verkaufen. „Es macht so viel Spaß“, strahlten die beiden Mädchen und führten ihre Holzküche vor. Die E-Gitarre der Eltern hatte bereits den Besitzer gewechselt.

Die Aussteller waren sich einig, dass solch ein Flohmarkt im Ort eine tolle Sache sei. Man spare sich nicht nur das mühsame Ein- und Auspacken, sondern auch das Fahren und die Standgebühr. Anne Lieberherr und Anja Webel aus Ottmarsheim hatten schon jetzt Weihnachtsgeschenke gefunden. Sie mögen private Flohmärkte. „Sie sind nicht so kommerziell, viel liebenswerter und fluffiger.“

Im Finkenweg gab es einen Run auf frische Bio-Eier, die Sabine Schmidt aus Walheim vor der Garage ihrer Freundin anbot. „Da kann man nicht handeln, der Preis ist ok“, war ein Kunde aus Talheim überzeugt. „Man findet hier Dinge, die man gar nicht auf dem Schirm hat,“ sagte er begeistert und wies auf eine Gugelhupfbackform hin, die er billig gekauft habe und zum Schrotthändler bringen wolle. „Bei den Kupferpreisen macht das Sinn“.

 
 
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