Mein Schwiegervater hat den Zeitungsartikel in der BZ über die Sanierungssprints gesehen und meinte, dass das doch etwas für uns sein könnte. Noch im Dezember haben wir dann bei Maximilian Chamaoun angerufen“, sagt Katja Felger. „Wir waren natürlich schon skeptisch. Eine Haussanierung innerhalb von 22 Tagen – klappt das denn?“, ergänzt ihr Mann Alex. Die Anfangszweifel seien aber schnell aus dem Weg geräumt worden. „Wir haben uns dann schnell entschieden und sind seitdem Feuer und Flamme.“
Löchgau Erster Sanierungssprint im Kreis
Katja und Alex Felger lassen ihr 60 Jahre altes Haus nach dem Prinzip von Ronald Meyer energetisch kernsanieren. Die BZ begleitet die Löchgauer Familie in einer Serie.
Idee wird in die Tat umgesetzt
Bereits vor 20 Jahren kam Ronald Meyer die Idee zu Expresssanierungen von Eigenheimen innerhalb kürzester Zeit, inklusive energetischer Sanierung. Vor drei Jahren ging seine Idee dann in die Umsetzung – und schlägt seitdem Wellen. Deutschlandweit wurden die Sanierungssprints schon zig mal umgesetzt, in der Region Stuttgart auch schon einige Male und mit Familie Felger nun auch erstmals im Landkreis Ludwigsburg. Die BZ begleitet die Familie und das Bauteam. Bei diesem ersten Treffen konnte Grundlegendes geklärt werden. Es wird noch ein Treffen der Handwerker vor Sanierungsbeginn geben – und am 10. April geht es dann final los.
Dann läuft die Stoppuhr für 22 Tage, in denen das Haus komplett saniert wird. Und das nach Meyers Sanierungscode: 24.16.10.3.S. Hinter dieser Formel verbergen sich Angaben zur Energiesanierung: 24 Zentimeter Dachdämmung, 16 Zentimeter Fassadendämmung, zehn Zentimeter Dämmung der Kellerdecke, dreifach verglaste Fenster und die Nutzung von Sonnenenergie durch Wärmepumpe, Photovoltaikanlage, Fußbodenheizung. „Wir setzen die Formel fast so um, die 24 Zentimeter Mineralwolle-Dämmung ersetzen wir durch 16 Zentimeter PU-Hartschaum-Dämmung“, sagt Maximilian Chamaoun. Er ist Bauphysiker, Energieberater und einer der ersten, die von Meyer zum „Sanierungscoach“ ausgebildet worden waren.
Der Bietigheim-Bissinger übernimmt nämlich die gesamte Planung vorab und die Koordination währenddessen. Und das ist der entscheidende Unterschied zu gewöhnlichen Sanierungen: eine präzise Planung, was Material, aber auch was die zeitliche Taktung anbelangt. „Der Sanierungssprint klappt nur wegen des Konzepts so gut“, ist Chamaoun überzeugt. Aber auch ein eingespieltes Team ist für den Erfolg des Projekts unerlässlich. Dabei konnte die Energieagentur für den Kreis Ludwigsburg (LEA) helfen. „Die LEA hat ein Netzwerk von Handwerkern und konnte vermitteln“, sagt Chamaoun. Das sogenannte Qualitätsnetzwerk Bauen im Kreis Ludwigsburg (QNB) wurde von der LEA gegründet und bietet einen Pool an Handwerksbetrieben, die Interesse haben, bei Sanierungssprints mitzuwirken.
Neubau statt Bestandshaus?
„Wir standen kurz davor, das Haus zu verkaufen. Dabei ist es das Haus meiner Großeltern“, berichtet Katja Felger. Bereits 2017 ist die junge Familie eingezogen, hat immer wieder überlegt, eine Kernsanierung durchzuführen. Es blieb aber bei kleineren Ausbesserungen, weil dem Paar klar war, dass hinter jeder Aufgabe noch ein Haufen anderer, zeitintensiver Aufgaben stecken. „Aber es ist einfach eine so tolle Nachbarschaft hier, außerdem haben wir ein schönes Grundstück, das hat man bei Neubauten oft nicht mehr“, so die Hausherrin. Die Doppelhaushälfte hat rund 160 Quadratmeter Wohnfläche verteilt auf drei Etagen und ein etwa 340 Quadratmeter großes Grundstück.
Nachdem die Entscheidung für den Sanierungssprint gefallen war, gab es viel Organisatorisches zu regeln. „Man könnte ja meinen, dass die Sanierung mit zwei kleinen Kindern gerade zur schlechten Zeit kommt. Tatsächlich ist es aber ein Vorteil, da ich aktuell in Elternzeit bin und mich um viel kümmern kann“, sagt Katja Felger. Der Sohn der Felgers ist fünf Jahre alt und hat bereits großen Spaß daran, seinen Eltern zu helfen und die einjährige Tochter tappst beim Besuch der BZ interessiert herum, stets unter den wachsamen Augen des Opas, der auch gerne tatkräftig anpackt, wenn er nicht gerade seine Enkel beaufsichtigt.
„Bei der Entkernung hatten wir viel Hilfe von Freunden und Familie“, berichtet Alex Felger. Man habe seit Januar immer samstags gearbeitet und sei durchaus überrascht gewesen, wie viel Material aus dem Haus heraus muss. „Wir haben drei Zehn-Kubik-Container befüllt, davor haben wir auch schon etliche Anhänger Schutt zur Deponie gefahren“, berichtet Katja Felger. Aber das Ende ist in Sicht, demnächst ist die Entkernung abgeschlossen. Damit sind die Löchgauer gut im Zeitplan.
Standardisierte Sanierung
Das Haus der Felgers ist, was Baujahr und Größe betrifft, perfekt für die standardisierte Schnellsanierung nach Ronald Meyer. „In einem Bestandshaus warten aber immer auch Überraschungen“, sagt Chamaoun. Doch auch für solche Herausforderungen ist Zeit, es erfordert nur noch ein wenig mehr Planung durch den Sanierungscouch. An der Sanierung in 22 Tagen ändere das nichts.
Kostentechnisch liegt Familie Felger bei 400.000 Euro für die komplette Sanierung. „Das entspricht den Kosten einer normalen energetischen Sanierung, nur geht es viel schneller“, sagt Lisa Glinski von der LEA. Sie ist unter anderem Netzwerkmanagerin des QNB. Die Expresssanierung sei aus ihrer Sicht für Hausbesitzer und für Handwerksfirmen gleichermaßen attraktiv. „Das gibt Planungssicherheit.“
Insgesamt kann Familie Felger 90.000 Euro Förderung vom Bund beantragen. Darunter die KfW-Effizienzhaus-Förderung 261, die BAFA-Einzelmaßnahmen-Förderung sowie die Heizungsförderung 458.
Infoveranstaltung rund um Sanierungssprints
Am Mittwoch, 18. März, findet im Reithaus Ludwigsburg, Königsallee 43, ein Infoabend zum Konzept der Sanierungssprints statt. Das Angebot richtet sich an Handwerker und Hausbesitzer, die energetisch sanieren wollen. Unter anderem wird der Erfinder der Sanierungssprints, Ronald Meyer, sprechen. Die Energieagentur Kreis Ludwigsburg (LEA), die Stadt Ludwigsburg und die Kreissparkasse Ludwigsburg laden gemeinsam zur Veranstaltung ein. Ab 18 Uhr präsentieren sich die Handwerksbetriebe des Qualitätsnetzwerks Bauen der LEA in einer Fachausstellung, um 19 Uhr startet der Vortrag.
