Die Sorge um ihr Heimatland Venezuela lässt die 78-jährige Yajaira Vollmer und ihren 83 Jahre alten Ehemann Bernd nicht mehr ruhen. Das deutsch-venezolanisches Ehepaar lebt seit 1986 in Löchgau. Sie haben sich Anfang der 1970er-Jahre in dem südamerikanischen Land kennengelernt und dort 1972 geheiratet. Die drei Brüder von Yajaira Vollmer – die als Chirurg, Informatiker und Fotograf arbeiten – leben in dem Land, das vor rund fünf Wochen von einem verheerenden Erdbeben heimgesucht wurde.
Löchgau Hilfe für Erdbebenopfer in Venezuela
Bernd und Yajaira Vollmer leben seit 1986 in Löchgau. Ein Bruder von Yajaira Vollmer ist Arzt im Erdbebengebiet. Eine Spendenaktion soll dessen Arbeit unterstützen.
„Unheimliche Korruption“
„Wir haben wenig Vertrauen in die offiziellen Spendenorganisationen, denn in Venezuela herrscht eine unheimliche Korruption“, sagt Yajaira Vollmer im Gespräch mit der BZ. Denn anders, als man es hier in einer ähnlichen Gemengelage kennt, dass sofort umfangreiche Hilfsmaßnahmen auf den Weg gebracht werden, behindere in Venezuela vielfach Korruption und Vetternwirtschaft gut gemeinte Hilfsaktionen. Nach Telefonaten mit ihrem Bruder Enrique Rios, der von allen nur Henry genannt wird, war für das Löchgauer Ehepaar schnell klar, wir müssen selbst aktiv werden. Der 77-Jährige arbeitet als Arzt im Erdbebengebiet und musste sich auf Umwegen Mittel zum Desinfizieren von OP-Bestecken besorgen. Bernd Vollmer: „Unvorstellbar für uns. Gleiches gilt für Verbandsmaterial, Pflaster und gängige Schmerzmedikamente.“
Die Zahl der Todesopfer nach dem schweren Doppelerdbeben in Venezuela ist nach mehr als fünf Wochen auf mehr als 6000 gestiegen. Wie der Präsident der Nationalversammlung, Jorge Rodríguez, mitteilte, wurden bislang 346.000 Tonnen Trümmer weggeräumt, mehr als 800 Gebäude wurden beschädigt oder stürzten vollständig ein. Henry Rios, der eine Wohnung in der Hauptstadt Caracas hat, baute inzwischen mit US-amerikanischen Hilfe ein Feldlazarett auf und arbeitet mit einem Team daran, die Erdbebenopfer medizinisch zu versorgen.
Spenden kommen direkt an
„Mein Bruder kann in dem betroffenen Gebiet helfen“, ist sich Yajaira Vollmer sicher. Sie hat bereits wenige Tage nach der Katastrophe Geld zur Verfügung gestellt und mit ihrem Mann begonnen, in der persönlichen Umgebung Spenden zu sammeln. Denn das Löchgauer Paar hat in den ersten Tagen nach dem Erdbeben aus dem Freundes- und Bekanntenkreis erfreulich viele Anfragen bekommen, in denen die Bereitschaft zum Spenden zum Ausdruck gebracht wird. Vor wenigen Tagen konnten sie einen weiteren hohen vierstelligen Betrag überweisen, sodass Henry Rios die notwendigen Medikamente kaufen und verteilen.
Durch enge berufliche Kontakte des venezolanischen Arztes zu einem Medizinhandel sei sichergestellt, dass die benötigen Medikamente auch gekauft werden können, erklärt Yajaira Vollmer. „Auch wenn wir nicht allumfassend helfen können, möchten wir mit den uns zur Verfügung stehenden Möglichkeiten einen Beitrag leisten, um so kleine Hilfsleistungen zu ermöglichen“, betont Bernd Vollmer, der nun zusammen mit seiner Ehefrau weitere Spendengelder sammeln möchte.
Auch die Familie von Yajaira Vollmer hat in der besonders betroffenen Küstenstadt La Guaira einen Familienangehörigen zu beklagen, der in einem verschütteten Haus sein Leben verloren hat. Neben den vielen Toten, die bereits geborgen wurden, sei zu befürchten, so Bernd Vollmer, dass sich diese Zahl zu einer Größenordnung entwickelt, die mit unfassbarem Leid in den betroffenen Familien führe.
„Die Bilder, die uns die Menschen in den wenigen Notunterkünften zeigen, haben zwar das Glück zu den Überlebenden zu gehören, doch ihnen wurde mit diesem furchtbaren Naturereignis die Lebensgrundlage entzogen. Sie stehen vor dem Nichts“ sagt der 83-Jährige, der von 1969 bis 1973 in der Schulung von Mitarbeitern in der Fotobranche tätig war und von der damals knapp 20-jährigen Studentin Yajaira Rios als Dolmetscherin unterstützt wurde.
Hilfe wird dokumentiert
Seit mehr als zehn Jahren hat Yajaira Vollmer inzwischen ihr Heimatland nicht mehr besuchen können. Ihren Bruder Henry konnte sie zum letzten Mal vor drei Jahren beim 80. Geburtstag ihres Ehemann Bernd in die Arme schließen. Trotz einer eingeschränkten Kommunikation aus Venezuela heraus, hält das Löchgauer Ehepaar mit den Brüdern von Yajaira regen Kontakt und dokumentieren sowohl die Erdbebenschäden, als auch die von ihnen Hilfsgelder finanzierten Medikamente.
Info
Vanessa Baudisch,
Tochter von Yajaira und Bernd Vollmer, hat für die Spendensammlung für Venezuela des Löchgauer Ehepaars ein Spendenadresse bei Paypal eingerichtet: www.paypal.com/pools/c/9qLdmtFioH
