Auf dem Hestaleiga Waldhof ist die Luft von Heugeruch und dem Geräusch von entspanntem Malmen erfüllt. Der 30 Hektar große Islandpferdehof mit dem Gestüt Tröllastadir liegt idyllisch von Wiesen, Äckern und Apfelbäumen umgeben zwischen Bietigheim-Bissingen und Löchgau.
Löchgau Immenhof-Idylle auf dem Isländerhof
Für den Hestaleiga Waldhof sind das Wohlergehen der Pferde und der Spaß am Reiten das Wichtigste. Neben der Versorgung der Einstellpferde wird auch eine eigene Zucht betrieben.
Michael Köberer schaut gerade nach einem der selbst gezüchteten Jungpferde. Er kümmert sich um die Einstellerpferde und den Zuchtbetrieb, sein Vetter Andreas Bentz, dem der Hof gehört, macht die Landwirtschaft – von Zuckerrüben über Gerste, Weizen und Kartoffeln bis zum Mais baut er alles an. Köberers Frau arbeitet als Angestellte bei Bosch – nur vom Hof könnten sie nicht leben, so Köberer.
Von der Rinder- zur Pferdezucht
Früher wurde auf dem Hof eine Rinderzucht betrieben. Als sich das nicht mehr gelohnt hat, wurde umgestellt auf Landwirtschaft und Pferde. Mittlerweile stehen auf dem Hof etwa 25 Einsteller und 15 eigens gezüchteten Jungpferde, alles Isländer. Das hat seinen Grund, denn jede Rasse hat ihre eigene Körpersprache, und mit beispielsweise einem Isländer und einem Araber würde es nur zu Kommunikationsproblemen kommen, sagt Köberer. Das wäre problematisch, da hier alle Pferde in Herden auf der Weide und im Offenstall stehen. Boxen werden nur genutzt, wenn ein Pferd mal krank ist. Die Verständigung der Pferde untereinander ist wichtig und wird von Beginn an gefördert: Die Fohlen kommen direkt auf der Koppel zur Welt und verbringen ihre ersten fünf Lebensjahre gemeinsam mit den anderen Jungpferden dort. Manchmal stehen ältere Pferde mit bei ihnen, die hier ihren Lebensabend verbringen und gleichzeitig den Jungpferden Sicherheit geben. In dieser Zeit lernen sie Sozialverhalten und wo ihr Platz in der Gruppe ist. So werden Pferde mit ausgeglichener Mentalität und gutem Verhalten großgezogen.
Unter den gezüchteten Pferden finden sich mehrere Deutsche Meister und ein Europäischer Meister. Der Stall verfügt über einen kleinen Reitplatz, aber Köberer betont: „Wir haben Pferde zum Ausreiten.“ Das bedeute aber nicht, schlecht zu reiten. Ganz im Gegenteil: Man sollte so reiten können, dass man morgen aufs Turnier könnte. Aber das ist nicht die Priorität des Hofs, sondern der Spaß und die Freizeit. Ein bisschen so wie in den alten Immenhof-Filmen, meint Köberer. So darf Reiten heute nicht mehr gelehrt werden: Mit kurzen Hosen und ohne Helm übers Feld preschen. Stattdessen gesellten sich zu „Helikopter-Eltern“ Kinder ohne Empathie fürs Pferd, die bereits rufen, das Pferd habe sie geschlagen, wenn es mit dem Schweif die Fliegen vertrieben und dabei das Kind erwischt habe, so eine Anekdote Köberers. Das ist einer der Gründe, warum seit zehn Jahren keine Reitschule mehr betrieben wird.
Die Einsteller sind trotzdem sehr zufrieden. Stefanie List ist seit 20 Jahren am Hof, mittlerweile kommt auch ihre Tochter mit. Es gehe den Ponys gut hier, und die Hofgemeinschaft sei schön, so List.
Auch beim Umzug des Bietigheimer Pferdemarkts macht der Stall nicht mehr mit: Die Reiter hatten das Gefühl, lediglich Lückenbüßer zu sein. Der Spaß und die Anerkennung blieben auf der Strecke, und zum Aufwand, den der Umzug jedes Mal bedeutete, kam der Groll gegen die Stadt wegen einer geplanten Biomüllanlage in der Nähe des Stalls (die BZ berichtete). Köberer nimmt das gelassen: Manche Betriebe müssen bei solchen Veranstaltungen mitmachen und Leistungen wie Reitunterricht oder Events für Kinder anbieten, um sich finanzieren zu können – der Isländerhof muss das rein finanziell nicht, also wird auch nur das gemacht, woran alle Reiter und Pferde Spaß haben.
