Löchgau Mit dem Charme vergangener Zeiten

Von Jürgen Kunz
Blumen- und Kunstbausätzen, wie etwa das „Love“-Logo des amerikanischen Pop-Art-Künstlers Robert Indiana, werden bei Spielwaren und Schreibwaren Beck in Löchgau hauptsächlich von Erwachsenen nachgefragt. Foto: /Oliver Bürkle

Auf rund 250 Quadratmetern bieten Joachim und Claudia Beck in Löchgau in ihrem Fachgeschäft ein Sortiment an Spielwaren für Babys bis Erwachsene.

Er hat den Charme einer in Vergessenheit geratenden Zeit, er ist einer der Letzten seiner Art und ein Ort, wo nicht nur eingekauft wird, sondern einer, an dem seit Jahrzehnten Menschen sich treffen. So lässt sich der Spiel- und Schreibwarenladen von Joachim und Claudia Beck beschreiben, den die beiden Mittfünfziger in dieser Kombination erfolgreich in Löchgau betreiben. Natürlich ist der Ladenstandort an der Ortsdurchfahrt, direkt an der Löchgauer Wette, mit einem großen Parkplatz auf der gegenüberliegenden Straßenseite ideal für Kunden – doch dies allein erklärt den Erfolg des Traditionsfachgeschäft nicht, denn Joachim Beck scheint mit der Entwicklung seines Ladens zufrieden und blickt durchaus zuversichtlich in die Zukunft.

Lego als Wachstumsbringer

In jeder Familie sind Spielzeuge ein bedeutender Teil des Lebens. Wie der Bundesverband des Spielwaren-Einzelhandels (BVS) Mitte November vermeldete, haben die Spielzeug-Einzelhändler, das vergangene Jahr zwar mit einem negativen Umsatzergebnis von minus einem Prozent abgeschlossen, von Januar bis Ende Oktober dieses Jahres konnte der Markt aber um vier Prozent wachsen.

Ein Wachstumserzeuger sei die Firma Amigo, die für den Vertrieb der Pokémon-Sammelkarten verantwortlich ist. Nach Einschätzung des BVS wird das Unternehmen um mehr als 80 Prozent beziehungsweise 68 Millionen Euro wachsen. Auch in diesem Jahr sei Lego wieder auf Wachstumskurs und könne um fast acht Prozent zulegen.

Dauerbrenner: Schleichfiguren

Das kann auch Joachim Beck bestätigen: „Besonders Lego-Blumen haben sicherlich die höchsten Zuwachsraten.“ Dem dänischen Unternehmen sei es, nach seiner Einschätzung, am besten gelungen mit diversen Bausätzen Erwachsene als Kunden wiederzugewinnen. „Auch Pokémon-Karten laufen seit vielen Jahren, wenn auch immer wieder mit Lieferschwierigkeiten“, merkt der 56-Jährige an. Ein Dauerrenner sind bei ihm Schleichfiguren, allerdings nicht mehr die klassischen Zoo- und Bauernhoftiere, sondern seit einigen Jahren vermehrt Fantasyfiguren wie Einhörner, Meerjungfrauen, Drachen und Zauberwesen.

Wie viele Spielwaren, Gesellschaftsspiele, Puppen, Puzzles oder Kleingesellschaftsspiele es in den Regalen mit dem 1980- und 1990er-Charme im Löchgauer Fachgeschäft gibt, kann Joachim Beck nicht sagten. Mehr als 5000 werden es mindestens sein, mutmaßt er.

Immerhin erstrecken sich die Auslagen über zwei Etagen auf über 240 Quadratmeter Fläche. Die lange Erfahrung und die Freude an der Beratung bei Claudia und Joachim Beck sowie ihrer Teilzeitverkäuferin machen es möglich, dass auch Ältere passende Geschenke für Enkel oder Urenkel finden. „Unser Sortiment umfasst die klassischen Spielwaren – ohne Elektronik und ohne funkgesteuerte Fahrzeuge – vom Baby bis zu den 13- bis 14-Jährigen“, erklärt Beck. Die über 30-jährigen Männer kommen inzwischen auch zu ihm, um Lego-Bausätze und alternative Klemmbausteine für Erwachsene zu kaufen. Die meiste Ware bezieht Beck von zwei bis drei Großhändlern, vereinzelt auch direkt bei den Herstellern. So können Kundenwünsche, die nicht in den Regalen in Löchgau gelagert sind, schnell bestellt und geliefert werden.

Oma Lina verkaufte Kinderwagen

In den 1950er-Jahren wurde die Firma Beck von den Großeltern des heutigen Inhabers in Löchgau gegründet. Wilhelm Beck machte sich als Polsterer selbstständig und „Oma Lina verkaufte Kinderwagen“, erklärt Joachim Beck, dessen Vater die Polsterei zu einem Raumausstattungsgeschäft ausbaute. 1994 hat Joachim Beck als frisch gekürter Raumausstattungsmeister den Betrieb übernommen. „Deshalb haben wir auch die ungewöhnliche Kombination von Raumausstattung und Spielwaren“, merkt er an. Vor rund sechs Jahren hat er den Bereich Raumausstattung schließlich aufgegeben, nachdem zu diesem Zeitpunkt die Sparte Schreibwaren hinzukam.

Auf die Schließung einiger Spielwarenfachgeschäfte, etwa in Besigheim oder Sachsenheim, angesprochen, sagt Joachim Beck: „Die meisten hören aus Altersgründen auf.“ Er merke deutlich, dass bei Spielwaren, wie auch im Schreibwarenbereich, neue Kunden aus den umliegenden Orten nun zu ihm kommen – und er blickt zuversichtlich auf die Zukunft seines Fachgeschäfts an der Löchgauer Wette.

 
 
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