Löchgau Süddeutsche Erdgasleitung auch für Wasserstoff geeignet

Von Martin Hein
Auf der künftigen Trasse der Süddeutschen Erdgasleitung werden derzeit archäologische Sondierungsgrabungen durchgeführt. Erste Untersuchungen bei Löchgau und Bönnigheim haben bisher noch keine vorzeigbaren Funde zutage gefördert.  Foto: /Oliver Bürkle

Bald beginnen die Arbeiten für die Süddeutsche Erdgasleitung. Archäologische Voruntersuchungen entlang der künftigen Trasse laufen bereits.

Der eine oder aufmerksame Bürger wird sich gewundert haben, dass derzeit Grabungsarbeiten bei Löchgau stattfinden.

Dies ist erst der Beginn einer größeren Bautätigkeit. Terranets bw plant den Bau der rund 250 Kilometer langen Süddeutschen Erdgasleitung (SEL), die von Lampertheim in Hessen bis nach Bayern verläuft.

Nach Auskunft von Terranets-Pressesprecherein Linda Grösch ist die Süddeutsche Erdgasleitung ein Teil des notwendigen der Infrastruktur. Indem diese Gasleitung die Versorgung mit Wärme und Strom sichert, ermögliche die SEL den Ausstieg aus der Atom- und Kohleenergie, so Linda Grösch. Die SEL soll als erste Pipeline im Land mit Anbindung an die europäischen Transportrouten ab 2030 Wasserstoff transportieren. Damit schaffe die SEL die Voraussetzungen für die CO2-neutrale Energieversorgung.

Bau in mehreren Abschnitten

Der Bau der Leitung wird in mehreren Abschnitten umgesetzt, abhängig von der konkreten Bedarfsentwicklung in den nächsten zehn Jahren. Für den etwa 81 Kilometer langen Abschnitt der Süddeutschen Erdgasleitung der im Regierungsbezirk Stuttgart von Siegelsbach über Bad Rappenau, Heilbronn, Ludwigsburg, Waiblingen bis nach Esslingen verläuft, sind nach Auskunft von Pressesprecherin Grösch, die Planungen durch den Planfeststellungsbeschluss abgeschlossen.

Der Bau der SEL wird zwischen 2024 und 2026 in drei Teilabschnitten umgesetzt. Dementsprechend sind die Vorbereitungen für den Bau fortgeschritten. Der erste Leitungsabschnitt der realisiert wird, ist der rund 24 Kilometer lange Abschnitt von Heilbronn über Leingarten, Nordheim Lauffen, Brackenheim, Kirchheim, Bönnigheim, Erligheim bis nach Löchgau. Bis Ende 2024 soll dieser Abschnitt fertiggestellt sein.

Bereits seit September 2022 laufen auf diesem Abschnitt archäologische Untersuchungen. Bei Heilbronn-Kirchhausen haben die Archäologen begonnen und arbeiten sich in Richtung Süden vor.

Bisher keine vorzeigbaren Funde

Bei diesen Untersuchungen wird mit einer so genannten Sondage zunächst die Funddichte entlang des künftigen Rohrgrabens ermittelt. Ziel dieser Aktion ist, die Flächen zu dokumentieren, die von archäologischem Interesse sind.

Wie bei der inzwischen fertigen Neckarenztal-Leitung ist erneut die Firma Fodilus aus Tübingen und zusätzlich die Firma Archaeo Task aus Engen am Bodensee mit diesen Arbeiten betraut. Die Grabungsarbeiten auf dem Abschnitt Heilbronn – Löchgau haben bislang hauptsächlich im Kreis Heilbronn stattgefunden.

Erste Untersuchungen bei Bönnigheim und Löchgau haben bisher, so Linda Grösch, noch keine vorzeigbaren Befunde oder Funde erbracht.

Was die Erdgasleitung angeht, werden ab Herbst weitere Vorbereitungen für den Leitungsbau beginnen. Dazu gehören nach Auskunft von Linda Grösch beispielsweise Maßnahmen zum Artenschutz, Gehölzeinschlag und die Errichtung von drei Rohrlagerplätzen entlang der Trasse. Ab November werden dann bereits die ersten Rohre angeliefert. Der Baubeginn ist für das Früjahr 2024 vorgesehen.

Zweiter Abschnitt ab Löchgau

Der zweite, sich dann anschließende Abschnitt im Regierungsbezirk Stuttgart mit einer Länge von rund 43 Kilometern, verläuft von Löchgau bis nach Esslingen.

Dieser Abschnitt soll bis Ende 2025 realisiert werden. Vor kurzem begann der Wegerechtserwerb, also das Einholen der für den Bau und Betrieb erforderlichen Genehmigungen und Befugnisse, erläutert Linda Grösch. Terranets gehe dabei auf alle betroffenen Eigentümer zu, um mit ihnen rechtsgültige Vereinbarungen zu treffen. Voraussichtlich ab Ende August wolle man auch auf diesem Leitungsabschnitt mit den archäologischen Untersuchungen beginnen, die bis Ende 2024 andauern werden.

Der letzte etwa 14 Kilometer lange Bauabschnitt im Regierungsbezirk verläuft dann von Siegelsbach über Bad Rappenau bis nach Heilbronn-Kirchhausen und soll bis 2026 realisiert werden.

Spezialrohre

Für die SEL werden beschichtete Stahlrohre verwendet. Dafür verwende man spezielle Materialien die gewährleisten, dass die Rohre dem Druck im Inneren der Leitung standhalten und auch vor äußeren Einflüssen bestmöglich geschützt sind. Mit einer Überdeckung von 1,2 Metern Erde und einem zehn Meter breiten Schutzstreifen, in dem keine Gebäude oder sonstige bauliche Anlagen errichtet werden dürfen, sei die Leitung sicher vor äußeren Einwirkungen, so die Pressesprecherin.

„Energiewende beschleunigen“

Terranets intensiviere die Vorbereitungen für die Umstellung von Gasleitungen auf den Transport von Wasserstoff, damit wolle man die Energiewende beschleunigen. Zudem setzt das Unternehmen nach Auskunft von Linda Grösch, auf „h2 ready“, was schlichtweg heißt dass die SEL für den zukünftigen Transport von Wasserstoff geeignet ist.

1,2 Meter unter der Erde

Die Leitung wird so verlegt, dass die Rohre später mit etwa 1,2 Metern Erde bedeckt sind, bei Sonderkulturen beträgt die Überdeckung rund 1,5 Meter. Terranets weist darauf hin, dass gesetzlich eigentlich nur 1,0 Meter Überdeckung vorgeschrieben ist.

Auf dem etwa 34 Meter breiten Arbeitsstreifen werden die Leitungsrohre und Glasfaserkabel verlegt. Anschließend wird dieser Arbeitsstreifen, wie bereits bei der Neckarenztal-Leitung geschehen, wieder zurückgebaut und bepflanzt. Ist die Gasleitung dann in Betrieb, können Landwirte den Boden darüber in der Regel wieder normal nutzen. Der Schutzstreifen ist zehn Meter breit, Weinanbau ist im Schutzstreifen möglich. Befestigungspfähle dürfen jedoch nicht direkt über der Leitung in die Erde eingebracht werden.

 
 
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