Löchgau will im Ortskern die ärztliche Versorgung sicherstellen Ärztehaus hat erste Priorität

Von Jürgen Kunz
Am Parkplatz Nonnengasse beim Rathaus soll ein Ärztehaus (rechts) gebaut werden, dabei wird eine Tiefgarage gebaut und der Platz umgestaltet.⇥ Foto: Martin Kalb

Auf dem Parkplatz Nonnengasse will die Gemeinde in Zusammenarbeit mit Bubeck-Praxen und dem Büro KMB ein Gebäude für eine Hausarztpraxis und Seniorenwohnungen bauen.

„Für uns ist die Planung ein Segen“, geradezu euphorisch beurteilte Bürgermeister Robert Feil das Projekt eines Ärztehauses auf dem Parkplatz Nonnengasse im Löchgauer Ortskern, und auch aus dem Gemeinderat war Begeisterung zu hören: „Ein „Segen“, bestätige Gemeinderätin Birgit Griesinger (FWL), oder „Ein Glücksfall“, wie es Robert Fiesel (SPD) bezeichnete. Bekanntlich wollen Bürgermeister und Gemeinderat im Rahmen eines Gemeindeentwicklungsprojekts die Ortsmitte stärken und die Grundversorgung sicherstellen (die BZ berichtete). Erstes Projekt wird nun die Umgestaltung des Parkplatzes Nonnengasse mit Tiefgarage und Ärztehaus sein, und dies in enger Zusammenarbeit mit den Bubeck-Praxen (siehe Info).

Wie Feil am Donnerstagabend betonte, stellte gerade die Sicherstellung der hausärztlichen Grundversorgung eine große Herausforderung für die Städte und Gemeinden dar und gestaltet sich zunehmend schwierig. Auch der Mittelbereich Bietigheim-Bissingen, zu dem das Gemeindegebiet von Löchgau gehört, ist nach den Versorgungsberechnungen der kassenärztlichen Vereinigung BW mit Hausärzten bereits unterversorgt. Deshalb beschäftigte sich die Gemeinde Löchgau mit der Fragestellung, wie die Hausarztversorgung auch perspektivisch sichergestellt werden kann. In diesem Zusammenhang wurde Kontakt zu den Bubeck-Praxen aufgenommen.

Dazu sind geeignete Praxisräumlichkeiten in zentraler Lage mit einer Größe von 200 bis 250 Quadratmetern nötig, die zudem über eine gute Verkehrsanbindung verfügen. Als verfügbarer Standort eignet sich nach Einschätzung der Verwaltung vor allem der Parkplatz Nonnengasse, für den es bereits 2016 Überlegungen zur Umgestaltung gab.

Deshalb wurde das Ludwigsburger Büro KMB mit einer Machbarkeitsstudie beauftragt, die nun den Standort „Nonnengasse“ als ideal ausweist. Komfortabel mit dem Auto zu erreichen wäre das Ärztehaus, so Architekt Michael Kerker, der die ersten Überlegungen für ein Ärztehaus mit Seniorenwohnungen in den Obergeschossen vorstellte. Das „klar strukturierte Gebäude“, das sich von der Kubatur in den Ortskern beziehungsweise in die Umgebungsbebauung einpasst, soll mit zwei Vollgeschossen und einem Dachgeschoss gebaut werden. Im Erdgeschoss könnte dann die Hausarztpraxis Platz findet, darüber auf zwei Etagen Seniorenwohnungen mit Flächen zwischen 40 und 70 Quadratmetern. Laut dem Bürgermeister, könnten auch Räumlichkeiten im Gebäude für Fachärzte oder ergänzende Dienstleistungen im Gesundheitsbereich vorgesehen werden.

Um den Eingriff in die bestehenden Stellplätze zu minimieren, wäre das Gebäude am östlichen Gelände unter Einbeziehung der gemeindeeigenen Grundstücke im Bereich des Grünwalls sinnvoll, erläuterte Feil. Dazu werden jedoch auch bestehende Stellplatzflächen benötigt. Die entfallenden Stellplätze sollen durch eine Tiefgarage mit etwas mehr als 30 Stellplätzen kompensiert werden.

Feil: „In der Gesamtheit können mit der Errichtung und Ansiedlung der Hausarztpraxis gleich mehrere Zielsetzungen der Gemeinde erreicht werden.“ An erster Stelle steht zunächst die Sicherstellung der Hausarztversorgung. Daneben würde auch die Ortsmitte eine Stärkung erfahren, da weitere Akteure der Ortsmitte durch die zusätzliche Frequenz profitieren würden. Ebenso dürfte die Sicherstellung der örtlichen Hausarztversorgung für die Apotheke positiv zu werten sein. Gerade im Zusammenhang mit der Umgestaltung der Ortsmitte würde eine Neuordnung des Parkplatzes Nonnengasse auch städtebaulich einen erheblichen Mehrwert bieten.

Den Vorschlag, die Umgestaltung des Parkplatzes Nonnengasse als den ersten Bauabschnitt der Umgestaltung der Ortsmitte samt Rathaus- und Marktplatz zu priorisieren, folgte der Gemeinderat. „Mit vollem Engagement wollen wir die Hausarzt-Praxis umsetzen“, resümierte Feil.

Info
„Als klassischer Familienbetrieb“, wie es Firmensprecher Frank Breckwoldt am Donnerstagabend in der Gemeinderatssitzung formulierte, betreiben die Bubeck-Praxen mit Stammsitz in Vaihingen sechs Hausarztpraxen in Besigheim, Eberdingen, Güglingen, Mühlacker und Sachsenheim. 20 Ärzte und etwa 55 medizinische Fachangestellte sowie zahlreiche Auszubildende werden von der Betreiberfamilie – den Gründern Dr. Jörg Bubeck und Beata Breckwoldt sowie Dr. Christine Klose und Isabella Müller-Bubeck als nächste Generation im Gesellschafterkreis – beschäftigt.

Bei der „modernen Form der klassischen Hausarztpraxis“ der Bubeck-Praxen ist nach Informationen des Firmensprechers Breckwoldt die Besonderheit die ärztliche Versorgung getrennt von der Administration. Das Kernproblem klassischer Einzel-Hausarztpraxen sei die Überforderung des Inhabers neben der umfangreichen medizinischen Versorgung der Patienten gleichzeitig eine immer umfangreicher werdende Verwaltungs- und Abrechnungs-Arbeit leisten zu müssen. Das Bubeck-Konzept setze deshalb konsequent auf die Trennung von ärztlicher Dienstleistung durch Ärzte und Verwaltungsaufgaben durch entsprechend ausgebildete Mitarbeiter. Wirtschaftlich notwendig sei dabei ein größerer Verbund. Deshalb wurde ausgehend vom Stammsitz in Vaihingen ein Verbund von Hausarztpraxen aufgebaut.

Ein weiterer Vorteil diese Praxisform sei eine Vertretungsregelung bei Urlaub oder Krankheit, so komme es laut Breckwoldt, zu keinen Schließzeiten. Isabella Müller-Bubeck (Fachärztin für Allgemeinmedizin) betonte bei der Vorstellungsrunde in der jüngsten Gemeinderatssitzung ein Alleinstellungsmerkmal der Bubeck-Praxen: „Wir führen regelmäßig interne Fortbildungen für alle Ärzte durch.“ Auf Nachfrage aus Gemeinderat bestätigte sie, dass die Bubeck-Praxen auch Hausbesuche machen und natürlich auch Patienten im Pflegeheim vor Ort betreuen.

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