Es gibt Momente im Leben, die uns innehalten lassen und eine völlig neue Perspektive eröffnen. Für den Löchgauer Liedermacher Thomas Zeller war ein solcher Moment weder auf einer großen Bühne noch in einem kreativen Workshop, sondern an einem denkbar unspektakulären Ort: am Rand eines Kinderplanschbeckens.
Löchgauer Thomas Zeller Weckruf andas innere Kind
Thomas Zeller aus Löchgaun hat mit „Opa ist der Knaller“ einen Song geschaffen, der auf Streaming-Diensten erfolgreich ist.
Als er seinen Enkel an einem unbeschwerten Nachmittag beim Spielen, Toben und lauten Lachen zusah, traf ihn ein Gedanke mit voller Wucht. „Ich beobachtete diese Szene und sah eine pure, ungefilterte Lebensfreude. Die Kinder haben geschrien, geplanscht und gelacht, völlig frei von Sorgen und dem, was andere denken könnten“, erinnert sich Zeller. „Da überkam mich eine tiefe Sehnsucht. Ich dachte mir: Genau dieses Gefühl will ich auch wieder spüren.“
Inspiration aus dem Planschbecken
Dieser Funke der Inspiration entzündete das Feuer für seinen neuen Song „Opa ist der Knaller“. Auch wenn es noch über ein Jahr dauern sollte, bis der Titel fertig war, so wurde der Prozess genau in diesem Moment im Planschbecken angestoßen. Doch der Titel täuscht, wenn man ein reines Kinderlied erwartet.
Zellers Werk ist vielmehr ein Spiegel für die erwachsene Seele, eine musikalische Auseinandersetzung mit einem Phänomen, das viele aus ihrem eigenen Leben kennen: dem schleichenden Verlust der Leichtigkeit. „In unserer leistungsorientierten Welt wird man zwangsläufig ernst, kontrolliert und bis ins Detail durchgetaktet“, analysiert der Musiker. „Man funktioniert im Beruf, im Alltag, und verliert dabei Stück für Stück diese wertvolle Ungezwungenheit. Das ist ein Prozess, der unglaublich viel Energie kostet und auslaugt.“
Genau hier setzt sein Lied an. Es ist ein musikalischer Weckruf, der mit einer eingängigen, fröhlichen Melodie daherkommt, aber in seinen Zeilen eine tiefere Botschaft trägt. Es geht um die Rückbesinnung auf das, was wirklich zählt: echte Emotionen, die Fähigkeit zum Staunen und die Harmonie mit sich selbst.
Wer nun hofft, Thomas Zeller mit diesem und anderen Liedern bald auf einer regionalen Bühne erleben zu können, den muss der Künstler enttäuschen. Sein Antrieb ist nicht der Applaus. „Mir geht es nicht darum, im Rampenlicht zu stehen. Meine Absicht ist es, einen kleinen Impuls zu geben, einen Gedanken anzustoßen“, erklärt er seine Zurückhaltung. „Wenn jemand das Lied hört und es ihn vielleicht für einen Moment zum Lächeln oder Nachdenken bringt, dann ist mein Ziel vollständig erreicht.“
Lied bleibt ein musikalischer Solitär
Aus diesem Grund stellt er auch klar, dass „Opa ist der Knaller“ ein musikalischer Solitär bleiben wird. „Ich arbeite weder an einer Serie von Kinderliedern noch an einem Konzept für ein Kinderalbum“, betont Zeller. Seine kreative Energie fließt stattdessen in eine andere, für ihn weitaus spannendere Richtung: die Komposition. Er widmet sich intensiv musikalischen Projekten, bei denen komplexe Strukturen, die Instrumentierung und das Ausloten klanglicher Möglichkeiten im Vordergrund stehen – oft weit entfernt vom klassischen Format eines dreiminütigen Liedes.
Zum Abschluss bleibt die Frage, die der Titel aufwirft: Ist er denn selbst so ein „Knaller-Opa“? Thomas Zeller lacht herzlich. „Ja, ich denke manchmal schon“, antwortet er mit einem Augenzwinkern. „Vor allem in den Momenten, in denen ich mich von meinen Enkeln anstecken lasse und wir gemeinsam allen möglichen Blödsinn machen.“
Wer nun selbst in die beschwingte Melodie und die nachdenklichen Zeilen eintauchen möchte, kann den Song „Opa ist der Knaller“ über die gängigen digitalen Musikplattformen und Streaming-Dienste abrufen.
Hannah Reutter
