Lokalsport Jonas Link wirft Bietigheim mit der ersten Führung zum Sieg

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Jonas Link avancierte am Freitagabend in Essen mit seinem Tor vier Sekunden vor Spielende zum Bietigheimer Matchwinner. Hier behauptet der 27-jährige Rückraumspieler den Ball gegen Tim Zechel (links vorne) und Rolando Urios Gonzales.⇥ Foto: Mathias M. Lehmann

Die SG BBM lässt sich in Essen auch von einem Fünf-Tore-Rückstand nicht beirren. Der entscheidende Treffer zum 32:31 fällt vier Sekunden vor Schluss.

So verrückt kann Handball sein: Bis zur 60. Minute lag die SG BBM Bietigheim am Freitagabend im Zweitliga- Verfolgerduell beim Tusem Essen nie in Führung – und am Ende jubelte dennoch der Bundesliga-Absteiger aus dem Schwabenland: Vier Sekunden vor der Schlusssirene gelang Jonas Link der Siegtreffer zum 32:31. Dabei hatte das Team um Kapitän Jan Asmuth im zweiten Durchgang bereits mit fünf Toren hinten gelegen.

Neun Siege aus zehn Spielen

Mit dem neunten Erfolg aus den vergangenen zehn Partien zog die Spielgemeinschaft nun nach Punkten mit den bisher zweitplatzierten Essenern gleich. Da der Spitzenreiter HSC Coburg zur gleichen Zeit beim TuS N-Lübbecke verlor, beträgt der Rückstand der SG BBM zu Rang eins jetzt auch nur noch vier Zähler. Keine Frage: Die Bietigheimer sind aktuell die Mannschaft der Stunde. Ihre Chancen auf den sofortigen Wiederaufstieg stehen so gut wie bisher noch nie in der laufenden Runde. „Wir sind voll dabei. Aber wir gehen professionell mit der Situation um und werden fokussiert weiterarbeiten“, sagte Coach Hannes Jon Jonsson.

Seine Mannschaft hatte allerdings einen Fehlstart in die Partie hingelegt. Erst nach knapp acht Minuten erlöste Dominik Claus die SG und ihre mitgereisten Fans mit dem ersten Gästetor. Zu diesem Zeitpunkt stand es bereits 4:0 für Essen, was Jonsson früh zu einer ersten Auszeit zwang. Speziell Spielmacher Michael „Mimi“ Kraus, der vor einer Woche noch eine Schlüsselfigur beim Heimsieg gegen Konstanz gewesen war, agierte in der Anfangsphase unglücklich.

Doch nachdem bei den Schwaben der Torbann gebrochen war, fand auch der Weltmeister von 2007 zu seiner Betriebstemperatur. Fortan lieferte die SG BBM dem dreifachen Deutschen Meister aus Essen vor den 2578 Zuschauern im ausverkauften Sportpark Am Hallo einen heißen Tanz. Zwischen vier und zwei Toren schwankte der Vorsprung des Tusem bis zur Pause.

Bei den Gastgebern überzeugten allen voran Spielmacher Justin Müller und Kreisläufer Zechel mit einem herausragenden Zusammenspiel. Und Linksaußen Tom Skroblien, der nach der Saison beim Klassenrivalen TuS N-Lübbecke anheuert, verwandelte traumwandlerisch sicher seine ersten drei Siebenmeter. Tusem-Keeper Fredrik Genz zeigte, unterstützt von einer starken Deckung vor seiner Nase, ebenfalls eine Topleistung.

Nachdem Zechel zum 12:8 (21.) getroffen hatte, versuchte es Jonsson mit einem Torhüterwechsel: Jonas Maier übernahm den Job von Jürgen Müller, aber auch er blieb glücklos. Und vorne war der Bietigheimer Angriff viel zu statisch. In der Schlussphase der ersten Hälfte funktionierte zumindest das Kreisläufer-Spiel: Patrick Renschler zeigte sich am Kreis abschlussstark. Drei der letzten vier Treffer der Schwaben vor der Pause gingen auf das Konto des ehemaligen Kapitäns. Dennoch ging das Team von der Ruhr mit einem Drei-Tore-Vorsprung in die Kabine. Der Schlussakkord des ersten Durchgangs hatte es in sich: Skroblien, der Siebenmeter-König von Essen, trat gegen Maier vom Strich an, traf mit seinem Aufsetzer die Latte und verwandelte den Abpraller mit einem Kempa, indem er in den Kreis segelte und den Ball aus der Luft zum 15:12 im Netz unterbrachte. Ein Tor des Monats.

Dieser Treffer war ein guter Vorgeschmack auf den Thriller, der sich in den zweiten 30 Minuten abspielen sollte. Zunächst hatte Essen noch Oberwasser und erhöhte bis zur 38. Minute auf 21:16, worauf Jonsson mit einem weiteren Wechsel zwischen den Pfosten reagierte: Müller ersetzte nun wieder Maier. In der verbleibenden Spielzeit zeigte die SG BBM nicht nur Moral, sondern legte auch einen für diese prekäre Situation überraschend coolen Auftritt hin. Statt hektisch zu werden, blieben sich die Gäste treu und vertrauten auf ihre Stärken. Kraus übernahm Verantwortung und legte noch mal eine Schippe drauf, der formstarke Claus, Christian Schäfer und Jonathan Fischer verwandelten eiskalt ihre Chancen, und Müller parierte vier wichtige Bälle.

In der 49. Minute gelang Vetle Rönningen mit seinem einzigen Treffer an diesem Abend der erstmalige Ausgleich der SG zum 25:25. Immer wieder erkämpfte sich der Tusem einen Vorsprung von ein bis zwei Treffern, doch stets glich die Bietigheim aus. Längst stand die Halle kopf.

Jonsson lobt Bietigheimer Mut

In der Endphase war dann Link das Zünglein an der Waage. Das 27-jährige Rückraum-Ass erzielte die letzten drei Tore und avancierte so zum Matchwinner. Als die Gäste dann 38 Sekunden vor Schluss beim Stand von 31:31 in Ballbesitz kamen, nahm Jonsson eine letzte Auszeit – und Link krönte die Bietigheimer Aufholjagd nach einem lang ausgespielten Angriff vier Sekunden vor Spielende mit dem entscheidenden Tor. „Die Mannschaft hat nie den Kopf, den Mut und den Glaube an sich verloren“, lobte  Jonsson. „Dieser Sieg ist Gold wert und macht Lust auf mehr.“

 
 
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