Lokalsport Virtueller Lauf als Trostpflaster

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Erstmals seit 39 Jahren bleibt 2020 an Silvester der Start- und Zielbereich unter dem Bietigheimer Viadukt leer. ⇥ Foto: Dieter Matzat

Der Bietigheimer Silvesterlauf findet diesmal anders statt als gewohnt. Die Macher sprühen vor Ideen und hoffen auf mindestens 1000 Teilnehmer.

Ein Massenstart mit Tausenden Sportlern, Laufen im Pulk, Fans, die an der Strecke mit Klatschpappen, Ratschen und Trommeln Stimmung machen, das Gewusel am Glühwein- und Rote-Wurst-Stand, Hochbetrieb bei der Laufmesse in der Viadukthalle – solche Szenen wird es an Silvester 2020 in Bietigheim nicht geben. Denn der 40. Silvesterlauf wurde coronabedingt abgesagt (die BZ berichtete). Erstmals seit 1981 findet der für viele Athleten und Zuschauer längst zu einer liebgewonnenen Tradition gewordene sportliche Jahresausklang nicht statt. Das Coronavirus hat das geschafft, was in den 39 Jahren zuvor bisher noch nicht mal der schlimmste Wintereinbruch mit Schnee und Eis vermocht hatte.

Als Trostpflaster hat der Veranstalter TSV Bietigheim – in Zusammenarbeit mit der LG Neckar-Enz, dem Förderkreis Leichtathletik an Neckar und Enz, dem Lauftreff Bietigheim und der Stadt – einen virtuellen Ersatz ins Leben gerufen. Unter dem Motto „Alle zusammen, jeder für sich“ können Hobby- und Spitzenläufer zwischen dem 29. und dem 31. Dezember die Originalstrecke von 11,2 Kilometern sowie zwei kürzere Rennen absolvieren – und zwar überall auf der Welt. Jeder Athlet legt dabei seinen Startzeitpunkt und Startort individuell fest. „Der Silvesterlauf hat im Jahreskalender einen großen Stellenwert. Wir wollten ihn darum nicht heimlich, still und leise ausfallen lassen. Mit dem virtuellen Wettkampf bieten wir der Läufern nun die Gelegenheit, sich kurz vor dem Jahreswechsel trotzdem mit anderen zu messen“, sagt Organisationschef Gerhard Müller. Der 63-Jährige strebt damit „ein Stück weit Kontinuität“ an: „So bleiben wir im Gespräch und im Gedächtnis der Sportler und können auch unseren Sponsoren eine Bühne geben.“

Bereits der virtuelle Stuttgart-Lauf, den Müller nach dem gleichen Muster organisiert hat, war in der Szene auf große Resonanz gestoßen – etwa 5000 Sportler mischten am letzten Juni-Wochenende mit. Für den Silvesterlauf nennt er nun 1000 Teilnehmer als Minimalziel – „2000 Läufer wären klasse.“ Zum Vergleich: Vor einem Jahr gingen 3371 Athleten bei der realen Veranstaltung in Bietigheim an den Start.

120 Läufer sind schon dabei

Seit dem Meldebeginn vor knapp einer Woche haben sich, Stand Sonntagmittag, bereits 120 Läufer für die virtuelle Version angemeldet. Wie beim richtigen Wettkampf wird es auch da Einzel- und Mannschaftswertungen, Urkunden sowie kleinere Prämien geben – etwa Freitickets für die auf 2021 verschobene 40. Auflage des Silvesterlaufs.

„Natürlich ist der sportliche Wert begrenzt, denn die Strecken sind ja nicht miteinander vergleichbar. Manche laufen bergauf und bergab, manche vielleicht nur bergab“, stellt Müller fest. Auf das typische Bietigheimer Flair müssen die Teilnehmer dennoch nicht ganz verzichten. Die App, die der Zeitnahmespezialist mika:timing zur Verfügung stellt, simuliert den Original-Streckenverlauf, sprich: Jeder Läufer sieht zu jedem Zeitpunkt, wo er sich theoretisch gerade befindet – ob am Marktplatz, am Kronenzentrum, in den Enzauen oder im Ellental. Auch akustische Effekte wie Trommelwirbel oder Anfeuerungsrufe aus dem Publikum sind vorgesehen. Müller liebäugelt außerdem mit der Idee, vorab am Viadukt einen kurzen Film zu drehen, in dem Oberbürgermeister Jürgen Kessing den Startschuss gibt, flankiert von ein paar Läufern und moderiert von einem Sprecher – quasi als Einstimmung auf den virtuellen Wettkampf.

Eine große Rolle sollen auch die Sozialen Medien spielen. So sollen Müller zufolge die Teilnehmer aufgefordert werden, Fotos von sich im Ziel zu machen, die dann auf den entsprechenden Kanälen weiterverbreitet werden. „Im Vordergrund stehen Spaß und die Motivation am Laufen“, sagt der Organisationschef.

 

Das Wichtigste auf einen Blick

Der virtuelle Bietigheimer Silvesterlauf kann vom Dienstag, 29. Dezember (12 Uhr), bis zum Donnerstag, 31. Dezember (23.59 Uhr), absolviert werden. Der Start erfolgt für jeden Teilnehmer individuell. Im Gegensatz zum realen Rennen stehen drei verschiedene Distanzen zur Auswahl: die klassische Strecke über 11,2 Kilometer für die Jahrgänge 2006 und älter, eine 4,8-Kilometer- Strecke für die Jahrgänge 2008 und älter, die normal der ersten Runde entspricht, sowie eine Zwei-Kilometer-Strecke, die sich an Kinder der Jahrgänge 2007 bis 2014 richtet. Je nach Distanz und Zeitpunkt der Anmeldung ist ein Organisationsbeitrag zwischen zwei und sieben Euro fällig. Teilnehmen kann jeder, ob Vereinsmitglied oder nicht. Auch eine Sammelanmeldung ist möglich. Nach der Anmeldung können die Läufer auf eine spezielle App zurückgreifen, die unter anderem den Bietigheimer Streckenverlauf simuliert. Neben einer Einzelwertung gibt es wie gehabt auch eine Teamwertung. ⇥ae

www.lgne-running.de/silvesterlauf

 
 
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