Long Covid Die Krankheit mit Ergometer steuern

Von Gabriele Szczegulski
Dr. Martin Maunz, leitender Kardiologe des Krankenhauses in Bietigheim-Bissingen. Foto: /Martin Kalb

Dr. Martin Maunz behandelt Patienten mit Long Covid oder Chronique Fatigue mit Belastungstraining. 

„Es gibt Leute, die waren kerngesund und plötzlich sind sie körperlich und seelisch nicht mehr belastbar, und schon Spazierengehen wird zur Herausforderung“, sagt der leitende Kardiologe des Bietigheimer Krankenhauses, Dr. Martin Maunz. Sie haben Symptome wie bei chronischen Erschöpfungskrankheiten, Autoimmunerkrankungen oder Long Covid. „Wir verstehen bisher nicht, wie es zu diesem Zustand der Belastungsunfähigkeit kommt“, sagt Maunz. Findet eine ständige Überbelastung des Körpers statt, kommt der Betroffene von einer Erschöpfung in die nächste.

Ihm als Kardiologe gehe es darum, ständiger Überbelastung und Erschöpfung zuvor zu kommen. Deswegen hat er in seiner Abteilung eine Spiroergometrie-Maschine, mit der Patienten wie Frank Wittendorfer untersucht werden können. Damit ist eine Stoffwechselanalyse und eine Leistungsdiagnostik möglich.

Belastungsfähigkeit wie ein 80-Jähriger

Bestimmt werden die Atemfrequenz, die Sauerstoff-Aufnahme und die Kohlendioxid-Ausscheidung sowie die Lungen- und Herz-Kreislauf-Funktion. „Das Ergebnis zeigt, welches Belastungsniveau der Patient erreichen kann“, so Maunz. „Ein 42-Jähriger wie Frank Wittendorfer sollte an die 200 Watt erreichen können, bei ihm waren es im Herbst 2024 70 Watt, wie ein 80-Jähriger.“ Das heißt, schon ein Stadtbummel übersteigt die Dauerbelastungsgrenze. Das ist für den Betroffenen und seine Angehörigen kaum vorstellbar. „Mit der Spiroergometrie wird diese massiv erniedrigte Dauerbelastungsgrenze objektiviert und die Diagnose gesichert – die verminderte Belastbarkeit hat einen Namen, das entlastet sehr“, sagt Maunz.

Mit Wittendorfer erarbeitete Maunz ein Belastungsprogramm durch gesteuertes Radfahren. Fünf Mal die Woche trainiert Wittendorfer auf dem Ergometer, an dem er die Wattzahl etwas unter der gemessenen Dauerbelastungsgrenze einstellen kann, dann wird seine Leistung wieder gemessen und eventuell die Belastung erhöht. Wichtig sei, so Maunz, dass der Patient nicht eigenmächtig trainiere. „Dann ist sofort die nächste Krise da.“ Mittlerweile kann Wittendorfer 105 Watt Leistung erbringen. „Wir müssen den Patienten wieder handlungsfähig machen“, so Martin Maunz.

 
 
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