Ein klassischer Lost Place ist der Torbogen nicht, schließlich ist er alles andere als ein „vergessener Ort“, so die Definition. Das rund 500 Jahre alte Großbottwarer Tor ist das Wahrzeichen Mundelsheims und mitten im Ort gelegen. In der jüngeren Vergangenheit hat es fast schon traurige Berühmtheit erlangt, weil immer wieder Lastwagen dagegen gerauscht oder stecken geblieben sind und das Bauwerk beschädigten.
Lost Place mit „Lkw-Falle“ Was verbirgt sich hinter der winzigen Tür über dem „Galgen“?
Diesen 500 Jahre alten Torbogen mit Fachwerk kennen viele, weil immer wieder Transporter daran hängen bleiben. Die Räume darüber sind dagegen rätselhaft.
Die Räume über dem Torbogen dürften aber die wenigsten kennen, dabei waren sie sogar lange Zeit bewohnt. Man könnte also sagen, dass es sich eher um ein „Lost Place-chen“ handelt. Dass hier lange keiner drin war, wird offensichtlich, als der Mundelsheimer Bürgermeister Boris Seitz die Türe seitlich des Torbogens öffnet. Die steile Holztreppe ist staubig, Spinnweben hängen an den Wänden. Es ist – zugegeben – schaurig schön und ein bisschen gruselig.
Hier und da bröckelt der Putz
Oben angekommen geht es durch eine weitere Tür in einen länglichen Raum, daneben noch ein weiterer Raum. Den Böden und Decken aus Holz sieht man ihr Alter an, hier und da bröckelt der Putz. Die roten Ziegel zwischen den Fachwerkbalken sehen dagegen recht neu aus.
Schimmel und Einsturzgefahr im Lost Place
Das sind sie auch. Vor etwa zehn Jahren wurden die beiden Räume saniert, denn das historische Bauwerk war einsturzgefährdet. Das hatten Experten im Sommer 2014 herausgefunden, nachdem der Bewohner des Torturms Schimmelbefall an den Wänden gemeldet hatte. Was die Handwerker dann entdeckten, war aber weit schlimmer: Unter dem Putz kamen derart morsche Balken heraus, dass die Standsicherheit des Turms nicht mehr gegeben war.
Als erste Sofortmaßnahme wurden von außen Latten angebracht. In einem zweiten Schritt wurden die Innenräume so mit Bändern versehen, dass Wände und Böden gehalten wurden. Dann kam die Sanierung.
Inzwischen ist auch das Geschichte. Der Torbogen steht wieder sicher – und das, obwohl er immer wieder von Lastwagen angefahren wurde. Damit ist mittlerweile übrigens Schluss. Nach dem letzten großen Unfall im Januar 2024 hat die Gemeinde eine massive rot-weiß gestreifte Höhenkontrolle vor dem Torbogen installiert.
„Der Galgen“, wie man ihn in Mundelsheim nennt, „versaut zwar das Bild, aber er wirkt“, sagt der Bürgermeister. Soll heißen: Seither fahren die Laster nicht mehr gegen das historische Mauerwerk, dessen Höhe sie überschätzen. Sie bleiben vorher an der Metallstange hängen. Der Bauhof der Gemeinde musste diese tatsächlich schon mehrmals wieder geradebiegen, ein „Ersatz-Galgen“ ist ebenfalls vorrätig, berichtet Boris Seitz.
Räume sind nicht nutzbar
Doch zurück zu den Zimmern im Turm. Heute wohnt dort niemand mehr. Auch als Veranstaltungsraum, wie es schon bei der Gemeinde angefragt wurde, sind sie nicht nutzbar. Das historische Gemäuer mit dem Blick auf den Ort hat zwar durchaus seinen Charme, heutigen Ansprüchen und Sicherheitsvorschriften entspricht es aber nicht.
Allein die Stufen sind abenteuerlich. Ebenso das stille Örtchen. Es liegt etwa auf halber Höhe der Treppe hinter einer winzigen Türe. Sie zu öffnen, bräuchte zu viel Mut.
Dieser Artikel erschien erstmals im September 2025 und wurde zum Jahresende aktualisiert.
