Ludwigsburg Am Grundgesetz mitgewirkt

Von Martin Hein
Am 1. September 1948 tagte erstmals der Parlamentarische Rat in Bonn. Felix Walter war Mitglied in diesem Gremium. Foto: /dpa

Einer der Väter des Grundgesetzes war der Ludwigsburger Jurist Felix Walter. Er wollte die neue Verfassung und den zu schaffenden Staat „diktaturfest“ machen. 

Der gebürtige Ludwigsburger Felix Walter war 1948 Mitglied des Parlamentarischen Rat. Das 77-köpfige Gremium war die verfassungsgebende Versammlung, die von September bis Mai 1949 das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland ausgearbeitet hat. Die Mitglieder waren von den damals elf Länderparlamenten der drei Westzonen nach Bonn entsandt worden. Württemberg-Baden durfte fünf Politiker nach Bonn schicken.

Eines hatten alle Mitglieder gemeinsam, sie einte die Gegnerschaft zum Nationalsozialismus. Beinahe alle wurden von den Nazis diskriminiert, verfolgt oder waren sogar teilweise inhaftiert.

Felix Walter wurde am 19. September 1890 in Ludwigsburg geboren. Sein Vater war Richter am Ludwigsburger Amtsgericht. Naheliegend, dass Felix Walter ebenfalls Rechts- und Staatswissenschaften studierte. Sein Studium führte ihn nach Tübingen und Berlin. Er legte sein erstes und 1917 sein zweites Staatsexamen ab. Von 1915 bis 1919 war er als Amtsrichter und Hilfsanwalt in Stuttgart und Ulm tätig. Auch sein Weg in die Politik wurde ihm sozusagen von seinem Vater vorgezeichnet, der bereits 1906 für die Zentrumspartei in den württembergischen Landtag gewählt worden war.

Felix Walter trat 1919 in die Zentrumspartei ein, war 1922 sogar deren Vorsitzender für den Bereich Stuttgart-West und von 1924 bis 1933 Vorsitzender der Zentrumspartei von Groß-Stuttgart. Den Nationalsozialisten blieben nach deren Machtergreifung 1933 Walters politische Aktivitäten nicht verborgen. Er wurde, vermutlich durch die Fürsprache des Rottenburger Bischofs Johann Baptista Sproll, lediglich als Landgerichtsrat an das Stuttgarter Landgericht zwangsversetzt. Nach Kriegsende wurde Felix Walter Ministerialrat und Kanzleidirektor im Justizministerium von Württemberg-Baden.

Gründungsmitglied der CDU

Er war Mitgründer der CDU und als Vertreter des Wahlkreises Aalen-Ellwangen-Neresheim 1946 Mitglied der verfassungsgebenden Landesversammlung. Am 13. August 1948 wurde er schließlich zu einem der fünf Vertreter für den Parlamentarischen Rat gewählt. Dort waren seine Kompetenzen besonders im kombinierten Ausschuss für die Organisation des Bundes, Verfassungsgerichtshof und Rechtspflege sowie im Ausschuss für Wahlrecht gefragt.

Der Ludwigsburger Jurist war auch stellvertretendes Mitglied im Hauptausschuss. In der fünften Sitzung des Hauptausschusses erläuterte Walter, wie er die Aufgabe des Parlamentarischen Rates sah: „Wir sind uns darüber einig…, dass wir eine Verfassung schaffen wollen gerade so, als wenn wir tatsächlich die volle Souveränität im deutschen Volke hätten und als wenn wir nicht die Besatzung durch vier fremde Mächte hätten. Wir wollen hier völlig souverän entscheiden“.

Wollte Todesstrafe beibehalten

Er engagierte sich stark mit seinem Sachverstand, nahm fast regelmäßig an den Sitzungen des Hauptausschusses teil. Walter wollte die neue Verfassung und den zu schaffenden Staat „diktaturfest“ machen und bestand unter anderem auf eine Reduzierung des Einflusses des Bundespräsidenten, wollte einen mit dem Bundestag gleichberechtigten Bundesrat. Er konnte sich nicht überall durchsetzen, beispielsweise scheiterte der Jurist mit dem Ansinnen, die Todesstrafe beizubehalten.

An den Abschlussberatungen des Grundgesetzes konnte Walter nicht mehr teilnehmen. Er starb überraschend am 17. Februar 1949 in Stuttgart.

Konrad Adenauer, der Präsident des Parlamentarischen Rates und spätere Bundeskanzler, würdigte Felix Walter am 24. Februar 1949 mit den Worten: „Er ist uns allen lieb geworden durch seinen Pflichteifer, seine Zuverlässigkeit, seine Ausgeglichenheit und seine starke Hilfsbereitschaft“.

 
 
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