Bald ist es wieder soweit: Von Sonntag, 8. Februar, bis Sonntag, 1. März, findet die Vesperkirche in der Friedenskirche Ludwigsburg zum 17. Mal statt. Täglich gibt es dort von 11.30 bis 14.30 Uhr ein warmes Mittagessen sowie Kaffee und Kuchen für zwei Euro. Die Vesperkirche will explizit keine religiöse Veranstaltung sein: Jeder und jede ist eingeladen – unabhängig von Religion, Hautfarbe, Alter oder Lebenssituation.
Ludwigsburg Auch der Geschäftsmann geht in die Vesperkirche
Das Projekt lebt von seinen unterschiedlichen Gästen. Dass es mehr werden, zeigt, wie vielen Menschen im Kreis es nicht gut geht.
Geleitet wird das Projekt in diesem Jahr von Carola Benker. Sie vertritt Nathalie Koch, die gerade in Elternzeit ist, aber dennoch in der Vesperkirche anwesend sein wird: Zwei bis drei Tage die Woche sind geplant. Auch Martin Strecker, Geschäftsführer der Diakonischen Bezirksstelle Ludwigsburg und des Kreisdiakonieverbands Ludwigsburg, wird diesmal häufiger vor Ort sein.
Benker arbeitet seit 2021 beim Kreisdiakonieverband Ludwigsburg, hat die Vesperkirche auch in den vergangenen Jahren bereits mitorganisiert und kann den erwarteten Andrang deshalb einschätzen: Sie rechnet mit etwa 600 Gästen, das entspricht der Menge des letzten Jahres. So viele Menschen wollen versorgt sein, dafür sorgen täglich 80 ehrenamtliche Helfer und Helferinnen.
Großer Zulauf an Helfern
Neben bekannten und neuen Helfern bewerben sich auch Schulgruppen und verschiedene Firmen, so zum Beispiel die Azubis von Lotter und der Landesbank Baden-Württemberg. „Der Zulauf bei den Helfern ist super“, meint Benker, und fügt hinzu, dass sie sogar Helfern absagen mussten, die sich kurzfristig beworben hatten. Auch die finanzielle Unterstützung sei solide: Das Spendenniveau ist gleich geblieben, verglichen mit den Vorjahren.
Finanzielle und soziale Not
Kostendeckend ist das Ganze dennoch nicht, der Einkaufspreis für das Essen ist in diesem Jahr um 10 bis 20 Cent gestiegen. Nachdem der Preis für die Gäste letztes Jahr von 1,50 Euro auf zwei Euro erhöht wurde, steigt er dieses Jahr jedoch nicht weiter. Das kommt denjenigen zugute, die unter den höheren Lebenshaltungskosten leiden, darunter Rentner und Alleinerziehende, die laut Benker das Angebot der Vesperkirche gerne annehmen.
Neben dem finanziellen Aspekt kommen vor allem einsame Menschen vorbei, sagt Benker. In der Vesperkirche könne man sich aufeinander einlassen, einem guten Zuhörer von seinen Problemen erzählen, oder sich die des Gegenübers anhören. Auffallend ist, so Benker, dass es mittlerweile mehr alte Menschen sind als früher, die zur Vesperkirche kommen – bei ihnen kombiniert sich finanzielle Not besonders oft mit Einsamkeit.
Gerade durch die unterschiedlichen Menschen kommen dabei tolle Gespräche zustande, berichtet sie: „Es gibt Geschäftsleute, die kommen in ihrer Mittagspause in der Vesperkirche vorbei.“ Neben den Begegnungsmöglichkeiten finden auch mehrere Konzerte, Auftritte und ein Kinoabend statt. Die „Steuerungsgruppe“, bestehend aus der Projektleitung durch Carola Benker und Nathalie Koch, Pfarrer Dennis Müller und Geschäftsführer Martin Strecker, beschäftigt sich in einer Vorplanung und einer Nachbesprechung mit dem Kulturangebot und kann dabei auch kurzfristig reagieren. Nach einer kleinen Erholungsphase, wie Benker schmunzelnd anmerkt, lässt die Gruppe alles Revue passieren und beginnt, fürs nächste Jahr zu planen, um das Programm abwechslungsreich und ansprechend zu halten – je nachdem, was bei den Gästen besonders gut ankommt, ob es nun Musikveranstaltungen, Kinoabende oder Chorauftritte sind.
Grundsätzliche Veränderungen sind jedoch nicht angedacht, denn Benker betont: „Wir stehen weiterhin hinter unserem Grundkonzept.“ Auch sonst ist man mit Friseur, Kinderbetreuung und Massage bestens versorgt. Nur an Fußpflege fehlt es in diesem Jahr – wer hier Mitarbeit anbieten möchte, kann sich auch kurzfristig bei der Vesperkirche melden.
