Ludwigsburg BUGA 2043: „Den Neckar neu denken“

Von Claudia Mocek
Der Esslinger OB Matthias Klopfer (von links), Regionaldirektor Alexander Lahl, der Stuttgarter OB Frank Nopper und Ludwigsburgs OB Matthias Knecht sehen in einer interkommunalen Gartenschau eine Chance für die Region. Foto: Landeshauptstadt Stuttgart/Fabrice Weichelt

Stuttgart, Ludwigsburg, Esslingen und der Regionalverband wollen sich gemeinsam bewerben. In den nächsten 18 Monaten erstellt ein Planungsteam eine Machbarkeitsstudie.

Die Bundesgartenschau (BUGA) ist unsere Chance, den Neckar neu zu denken“, sagte Dr. Alexander Lahl, Regionaldirektor Verband Region Stuttgart am Montag bei einem Pressegespräch in Stuttgart. Gemeinsam mit den Städten Stuttgart, Ludwigsburg und Esslingen will sich der Verband um die BUGA 2043 bewerben. In den nächsten 18 Monaten wird für rund 200.000 Euro eine Machbarkeitsstudie erstellt. Nun ist das Planungsteam dafür von einer Jury einstimmig unter fünf Bewerbern ausgewählt worden. Unter dem Titel „Wir wollen Neckar“ sollen Köber Landschaftsarchitektur, ASP Architekten, Geitz und Partner sowie Agency Apero gemeinsam ein Gesamtkonzept entwickeln.

Projekt statt fertiger Plan

Die Machbarkeitsstudie sei kein fertiger Plan, sie sei der Auftakt zu einem langfristigen Prozess, „ein echtes Zukunftsprojekt für die ganze Region“, sagte Lahl. Von Esslingen über Stuttgart bis nach Ludwigsburg soll sich das etwa 35 Kilometer lange Gebiet der BUGA erstrecken. Der Fluss und seine Erlebbarkeit sollen Priorität erhalten, der Flussraum erweitert, bestehende Landschaftsräume wie Wald, Landwirtschaft, Weinbau sollen eingebunden werden. Erhalt und Entwicklung der Kultur- und Naturlandschaft sollen im Konzept ebenso thematisiert werden wie eine klimaangepasste Stadtentwicklung. Freiraumverbünde wie bestehende und neue Parkanlagen sollen ineinander fließen, aber auch Siedlungsflächen, Gewerbe- und Industriestandorte eingebunden werden. „Keine Stadt startet dabei bei Null“, sagte Dr. Christine Baumgärtner, Fachbereichskoordinatorin Landschaftsentwicklung/Landschaftspark Region Stuttgart.

Industrieregion der Zukunft

Das Konzept soll Verbindungen herstellen, Abkühlung schaffen und Baden ermöglichen, erläuterte Christine von Raven vom Projektteam. Zentral sei dabei der so genannte Flusserwartungsraum – die Entwicklung eines ineinanderfließenden Freiraumverbunds. „Es ist ein Weiterdenken der Industrieregion der Zukunft“, sagte sie. Dabei könnten Leuchtturmprojekte genauso eingebunden werden wie die Entwicklung wassersensibler Quartiere. Neben der Mobilität innerhalb der einzelnen Elemente für eine BUGA spiele bei der Studie auch die Finanzierung eine wichtige Rolle.

Die BUGA biete für Ludwigsburg eine außergewöhnliche Entwicklungsperspektive, sagte Oberbürgermeister Dr. Matthias Knecht. „Sie ermöglicht es, den Neckarraum als bislang unterschätzten Bestandteil der Stadt nachhaltig aufzuwerten und stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken“, sagte er. Dabei gehe es nicht nur um einzelne Projekte, sondern um eine langfristige, strategische Transformation: mehr Lebensqualität, neue Grün- und Freiräume, eine bessere Vernetzung von Stadtteilen und Innenstadt sowie Impulse für Wirtschaft, Tourismus und Klimaanpassung. Die BUGA könne damit zum Motor für eine ganzheitliche Stadtentwicklung über viele Jahre werden.

Mit Blick auf die Finanzen sieht Knecht sowohl Chancen, aber auch finanzielle Verpflichtungen. Entscheidend sei für ihn vor allem die langfristige Perspektive: Viele der Investitionen, die im Zuge einer BUGA angestoßen werden, wären ohnehin notwendig – etwa im Bereich Infrastruktur, Klimaanpassung oder Stadtentwicklung. Durch die BUGA könnten diese Maßnahmen gebündelt, strategisch geplant und durch Fördermittel unterstützt werden. Dennoch sei es wichtig, die finanziellen Rahmenbedingungen realistisch zu bewerten und transparent zu diskutieren. Kritische Stimmen aus dem Gemeinderat nehme er ernst, deshalb sei die Machbarkeitsstudie ein zentraler Schritt: Sie soll belastbare Grundlagen liefern, um Chancen, Risiken und Kosten fundiert gegeneinander abzuwägen und eine verantwortungsvolle Entscheidung zu treffen.

Und was unterscheidet die BUGA von einem Projekt wie die Stadtbahn Lucie? Während die Stadtbahn vor allem ein verkehrliches Großprojekt mit klar definiertem Zweck sei, handele es sich bei der BUGA um ein breit angelegtes Entwicklungsformat, das viele Bereiche gleichzeitig umfasse: Stadtplanung, Landschaftsarchitektur, Ökologie, Wirtschaft und gesellschaftliche Teilhabe, ist Knecht überzeugt. Ein weiterer Unterschied liege im Charakter des Prozesses: Die BUGA sei bewusst offen angelegt. Über viele Jahre hinweg könnten Projekte angepasst, weiterentwickelt und gemeinsam mit Bürgerschaft und Akteuren gestaltet werden. Zudem schaffe sie eine identitätsstiftende Wirkung für die gesamte Region – „sie ist ein gemeinsames Zukunftsprojekt“, so Knecht.

Der Stuttgarter Oberbürgermeister Dr. Frank Nopper erinnerte an vergangene Bundesgartenschauen in der Stadt, doch noch nie habe es eine interkommunale Schau gegeben. Aus dem mittelmäßigen Raum Mittlerer Neckar könne so „ein großartiger, prächtiger Neckar werden. Esslingens Oberbürgermeister Matthias Klopfer bewertete die BUGA als wichtiges Infrastrukturprojekt.

Gartenschau als Türöffner

„Gartenschauen sind Türöffner“, sagte Landschaftsarchitekt Peter Geitz vom Planungsteam. Bestehende Projektideen könnten dann auf eine höhere Ebene gehoben werden und, sollte die Region den Zuschlag bekommen, zur BUGA 2043 umgesetzt werden. „Dann gibt es einen Zeitpunkt, an dem alles fertig sein muss“, sagte er. Aus einem Schrottplatz am Wasser könnte etwa ein Wohngebiet werden, Solarfähren und Seilbahnen könnten Besucher an verschiedene Orte bringen. Ob BUGA in Heilbronn oder Landesgartenschauen in Pforzheim oder Wangen: Veranstaltungen wie diese hätten das Potenzial, die Transformation voranzubringen. Bei einer Bundeswasserstraße wie dem Neckar sei die interkommunale Zusammenarbeit um so wichtiger, „den baut man nicht um wie die Jagst“, sagte er.

Für die Machbarkeitsstudie sind insgesamt 200.000 Euro vorgesehen, in etwa neun Monaten sollen die politischen Vertreter aktiv in den Prozess eingebunden werden. Eine Frist für die BUGA-Bewerbung gibt es nicht, im Idealfall haben Ausrichter acht bis zehn Jahre Zeit für die Umsetzung, heißt es von der Bundesgartenschau-Gesellschaft.

 
 
- Anzeige -