Ludwigsburg Burkhard Pflomm geht nach Lindau

Von Von Gabriele Szczegulski
Burkhard Pflomm wird nur noch bis Mai die Orgel der Stadtkirche Bietigheim spielen.⇥ Foto: Martin Kalb

Der Kantor der Gesamtkirchengemeinde Bietigheim-Bissingen wird am Bodensee Bezirkskantor. Dort warten zwei Kirchen, viele Kirchenmusiker und Touristen auf ihn.

Aufgeregt sei er schon, sagt Burkhard Pflomm. Am 1. Mai 2020 übernimmt der Kantor der Gesamtkirchengemeinde Bietigheim-Bissingen das Bezirkskantorat in Lindau. „Es ist ein Aufbruch in etwas Neues und auch die Aufgaben dort werden anders sein als hier in Bietigheim“, sagt der 52-Jährige. Nach 19 Jahren in Bietigheim-Bissingen „wollten meine Frau und ich nochmal Neues wagen“, so Pflomm.

Burkhard Pflomm wird in Lindau Dekanatskantor. Lindau gehört zum Dekanat Kempten. Pflomm wurde aus drei Kandidaten ausgewählt, die der bayrische Landeskirchenmusikdirektor Ulrich Knörr (München) vorgeschlagen hatte.

Heimat in der Kirchenmusik

Burkhard Pflomm stammt aus Esslingen und studierte an der dortigen Hochschule für Kirchenmusik. Gefallen hat dem Auswahlgremium laut einer Mitteilung aus dem Dekanat, dass es Pflomm wichtig sei, mit anderen gemeinsam musikalische Ideen zu entwickeln und vielen Menschen ein Stück Heimat in der Gemeinde und der Kirchenmusik zu bieten.

Wie auch in Bietigheim-Bissingen und im Dekanat Besigheim, so sagt Pflomm werde in Lindau ein wichtiger Punkt seiner Arbeit die Vernetzung mit anderen Kulturträgern sein. Vor allem mit der katholischen Gemeinde, die am Bodensee in der Überzahl ist. „Das ist schon eine Herausforderung für mich und auch eine neue Erfahrung, in einer Gegend zu arbeiten, die nicht so protestantisch geprägt ist wie hier im Dekanat“, so Pflomm gegenüber der BZ.

Arbeit mit Touristen

Neu ist für den Kirchenmusiker die Arbeit mit Touristen im Rahmen der Lindauer Sommerkirche. Er muss ein eigenes kirchenmusikalisches Programm auflegen, das Auswärtige anziehen soll.  In Lindau wird er hauptsächlich in der Gemeinde Sankt Stephan-Christuskirche tätig sein. Außerdem wird er die Organisten in der Region um Lindau unterstützen, ausbilden und Fortbildungen organisieren.

Obwohl die Entscheidung, Bietigheim zu verlassen, ganz bewusst war, falle ihm der Abschied nicht leicht. „Es ist selten, dass man als Kirchenmusiker so einen Rückhalt in der Gemeinde spürt, wie hier in Bietigheim“, verpackt Pflomm ein großes Dankeschön in Worte.

Er selbst engagierte sich sehr für die Kirchenmusik in der Gesamtkirchengemeinde. Er gründete den Förderverein Kirchenmusik an der Stadtkirche, mit spektakulären Aktionen sammelte er Geld für eine Truhenorgel. „Leierte“, so sagt er selbst, als eine seiner ersten Amtshandlungen dem Gemeinderat ein Podeste für die Kantorei und eine E-Piano aus dem Geldbeutel. „Ich muss aber sagen, ich musste nie viel betteln, die Kirchenmusik hat in der Gemeinde einen hohen Stand“. Für ihn sei es immer sehr wichtig gewesen, Musik auf allerhöchstem Niveau zu bieten und auch viele Menschen mit der Musik zu begeistern, darin sei er immer unterstützt worden.

Die Kantorei führte er zu höchsten Qualitätskonzerten. Erst in diesem Jahr überzeugten die Sänger gleich mit zwei großen Werken: der Johannes-Passion und erst vor Kurzem mit dem Mammutwerk Requiem von Verdi. Zudem entstanden unter seiner Ägide der Kinderchor, der Gospelchor und zuletzt ein Seniorenchor in Zusammenarbeit mit den Aktiven Senioren.

Der Netzwerker

Überhaupt, Netzwerken ist ganz die Sache von Burkhard Pflomm. Er knüpfte Bande zu anderen Kirchenmusikern, Orchestermusikern, Vereinen und städtischen Institutionen. „Ein Highlight war das Refomationsjubiläum, wo wir mit sieben Chören aus der Stadt in der Halle am Viadukt den Lobgesang präsentierten, das war schon sehr berührend“, so Pflomm.

Verabschiedet wird Burkhard Pflomm, dessen Frau Kirchenmusikerin in Mühlacker ist, und ihm mit den beiden Kindern nach Lindau folgen wird, am letzten Sonntag im April in einem Gottesdienst in der Stadtkirche. Er selbst wird sich mit einem Orgelkonzert an Karfreitag mit Musik verabschieden, „mit viel Wehmut im Herzen, aber auch mit Neugier auf Neues“.

 
 
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