Ludwigsburg „Das ist kein Friedensabkommen“

Von Claudia Mocek
Die Exil-Iranerin Arezoo Shoaleh ist angesichts der Verhandlungen in Sorge um die Menschen im Iran.  Foto: /Martin Kalb

Arezoo Shoaleh: Bei den Verhandlungen zwischen USA und Iran stehen Wirtschaftsinteressen über den Menschenrechten.  

Die USA und der Iran haben sich bei ihren Verhandlungen in der Schweiz auf das ‌weitere Vorgehen für ein endgültiges Abkommen innerhalb von 60 Tagen geeinigt. Dass der Iran-Krieg so ausgeht, „ist ein Schlag ins Gesicht und ein Verrat an das iranische Volk“, sagt die Exil-Iranerin Arezoo Shoaleh, Leiterin des Vereins Frauen für Frauen in Ludwigsburg: „Die Welt stellt damit wirtschaftliche Interessen über die Menschenrechte. Das ist nur schwer zu ertragen.“

„Haltet durch“, habe US-Präsident Donald Trump den Iranern noch zu Beginn des Kriegs zugerufen. Bundeskanzler Friedrich Merz habe behauptet, dass das Mullah-Regime am Ende sei. Doch nun gratuliere er zu einem möglichen Abkommen, das irreführend als Friedensabkommen bezeichnet werde. „Das ist kein Friedensabkommen, das ist ein Geschäft.“

„Man hat dem Terror-Regime Zeit und Geld geschenkt und damit die Verbrechen legitimiert, die seit mehr als fast 50 Jahren andauern“, sagt Shoaleh. Zugesagte Gelder würden nicht in die Infrastruktur des Landes fließen, ist sie sich sicher, sondern in weiteren Terror. Spätestens mit dem Massaker am 8./9. Januar, bei dem mehr als 40.000 Frauen, Männer und Kinder ermordet worden waren, habe das Regime die Verbindung zum Volk verloren. Doch für den Machterhalt würden die Mullahs nun alles tun.

„Es sind schon wieder Sittenwächter postiert worden“, sagt sie. In diesem Jahr habe es bereits 800 Hinrichtungen gegeben, „das wird so weitergehen und das ist schwer zu ertragen“, sagt sie. Wenn das Regime nicht fällt, wird es für die Menschen im Iran noch schlimmer. „Das ist für mich die größte Angst, aber auch die größte Hoffnung.“ Die politische Stärkung des Regimes bedeute gleichzeitig, dass die Weltgemeinschaft die Menschen im Iran bei ihrem Kampf um Menschenrechte alleine gelassen hätte. Aber diese würden weiterkämpfen, ist sich Shoaleh sicher. Viele Menschen würden den Kampf um Freiheit mit ihrem Leben bezahlen, vor allem auch Frauen.

Auswirkungen auch im Westen

„Meine Welt ist zusammengebrochen“, sagt Arezoo Shoaleh, „demokratische Werte, für die ich mich engagiere, scheinen der Weltgemeinschaft nichts mehr zu bedeuten, wenn es um das wirtschaftliche Interesse geht.“ Ein Frieden mit dem Terror-Regime, dessen Hauptziel die Vernichtung Israels sei, „wird es nicht geben“, ist die Exil-Iranerin überzeugt. Sie befürchtet, dass die Auswirkungen auch im Westen spürbar werden: „Dann geht es nicht nur um ein paar Cent an der Tankstelle, sondern um Fragen der Sicherheit. Und wer mit dem Regime verhandelt, trägt daran eine Mitschuld.“ Claudia Mocek

 
 
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