Ludwigsburg Ein Konzert der Gegensätze

Von Michael Soltys
Die Deutsche Radiophilharmonie gastierte im Ludwigsburger Forum.  Foto: /Oliver Bürkle

Frank Zimmermanns Interpretation von Beethovens Violinkonzert bildete den Kern eines Programms mit Musik aus vier Jahrhunderten im Forum am Schlosspark.

Zu einem ungewöhnlichen Konzert füllte sich am Freitagabend das Forum in Ludwigsburg. Der spanische Dirigent Joseph Pons hatte mit der Deutschen Radiophilharmonie ein Programm vorbereitet, für das sich nur mit Mühe ein Leitgedanke finden ließe.

Was hat eine Rarität wie eine Orchesterversion der „Lachrimae antiqua“, eine für Laute und Streicher geschriebene Miniatur des englischen Komponisten John Dowland (1563 bis 1626), gemeinsam mit Maurice Ravels (1875 bis 1937) „Le Tombeau de Couperin“, ebenfalls eine Orchesterversion der von Ravel selbst komponierten Klavierfassung? Oder mit „Dardanus“, einer Suite aus der gleichnamigen Oper des französischen Barock-Komponisten Jean-Philippe Rameau (1683 bis 1764)?

Weltweit als Solist aktiv

Behutsam leitete Pons das Orchester mit den melancholischen und leisen Harmonien der „Lachrimae“ hin zum Zentrum des Abends: Kern des Programms war Beethovens Violinkonzert in D-Dur, für das im Forum Frank Peter Zimmermann engagiert worden war, weltweit als Solist aktiv und einer der Stars der Solisten-Branche.

Als ausdrucksstarker und intensiver Interpret ohne jede Star-Allüren in der Einführung angekündigt, ließ er es auf der Bühne an Energie und körperlichem Einsatz nicht missen. Schon vor dem bekannten Einsatz der Solo-Violine reihte er sich in die Geigenstimme ein und machte sich damit zum Teil des Orchesters. Mal stampfte Zimmermann nach langen Solo-Passagen energisch auf den Boden, mal wandte er sich mit dem Bogen dem Orchester zu, als wolle er es selbst dirigieren. Unter dem tänzerischen Dirigat von Pons wurde er vom Orchester präzise unterstützt. Bestens gelang dies in den langen schwebenden Piano-Passagen des Violinkonzerts, das 1806 in Wien uraufgeführt wurde.

Stradivari von 1711

Zimmermanns Brillanz im Spiel mit der Stradivari „Lady Inchiquin“ von 1711 wurde vor allem in der von Fritz Kreisler komponierten Kadenz im ersten Satz deutlich. Die parallele Darbietung musikalischer Hauptthemen und der Übergang zur zarten Melodik eines dieser Themen gelangen so grandios, dass es nach dem Ende des ersten Satzes ganz gegen die Gepflogenheiten klassischer Aufführungen langen Beifall gab. „Es kommt aber noch was“, sagte der Solist, der die ungewohnte Unruhe nutzte, um sein Instrument zu stimmen.

Was als Zugabe kam, war eine technisch herausfordernde Violin-Version von Franz Schuberts „Erlkönig“, die in ihrer Wildheit den Galopp des Pferdes im Sturm der Nacht plastisch vor Augen führte. Bravo-Rufe und Jubel für Solist und Orchester – es herrschte eine Stimmung wie in der Oper.

Großer Applaus

Was nach der Pause kam, war Rameaus barocke Kammermusik, gefolgt von Ravels „Tombeau“, wörtlich übersetzt als Grabmal. Doch das ist missverständlich: Die vier Teile der Suite sind eher als Hommage, als eine Art Denkmal zu verstehen. Sie greift nach Ravels eigener Aussage Traditionen der französischen Musik des 18. Jahrhunderts auf und interpretiert sie neu. Oboe und Flöte sind in der Suite besonders gefordert. Der Charakter der Musik ist eher quirlig, teils fröhlich mit melancholischen Einschlägen, im vierten Teil auch unterlegt mit romantischen und träumerischen Harmonien.

Alles in allem: Musik aus vier Jahrhunderten und ein Konzert der Gegensätze, das am Schluss erneut mit großem Applaus bedacht wurde.

 
 
- Anzeige -