Das Gespräch findet sozusagen am Ort des Geschehens statt: Intendantin und Regisseurin informieren im Theatergarten des Ludwigsburger Sommertheaters über ein Stück, das vor der eigentlichen Spielzeit schon von 12. bis 17. Mai auf der kleineren Rondell-Bühne zu sehen sein wird. Die Rede ist von „Novecento“, die fiktive Geschichte des gleichnamigen „Ozeanpianisten“, der sein Schiff, die Virginia, nie verlassen hat. Die Aufführung ist ein Pilotprojekt der Akademie für Darstellende Kunst Baden-Württemberg in Ludwigsburg (AdK) und dem Theatersommer.
Ludwigsburg Ein Schauspieler in über zehn Rollen
Regisseurin Kim Salmon inszeniert „Novecento“ mit Hauptdarsteller Levi Tounkara.
Kim Salmon, die in diesem Jahr – neben drei anderen – Regie-Absolventin ist, inszeniert das als Monolog angelegte Stück von Schriftsteller Alessandro Baricco. Sie lässt Levi Tounkara, ausgezeichnet als bester Schauspieler beim Jugendfilmpreis 2024, als Trompeter Tim Tooney in über zehn verschiedene Rollen schlüpfen, die im Abstand von nur zwei Metern zum Publikum ständig wechseln. „Er hat eine unerschöpfliche Energie“, ist Salmon begeistert. Dmitry Klenin begleitet die Handlung live als Klavierspieler. Für die Dramaturgie sorgt Mirjam Strahl.
Rolle auf den Leib geschrieben
„Auf das Stück bin ich durch einen Schauspieler aufmerksam geworden“, sagt die Nachwuchs-Regisseurin, die mit ihren beiden Protagonisten schon in größeren Ensembles zusammengearbeitet und ihnen die Rollen auf den Leib geschrieben hat – „das passt wie Faust auf Auge“. Tounkara spielt „emotional, extrem nuanciert und verletzlich, Klenin hat eine hohe Bühnenpräsenz und variiert zwischen klassischem und Improvisationsjazz“, so die Kurz-Charakterisierung von Kim Salmon. Der Erzählung vom Leben auf dem Schiff ist inszeniert in einer „Hafenkneipe“ auf der schrägen Holzbühne des Rondells. Die Bretter, die die Welt bedeuten, dürfen dabei durchaus als Metapher für die Schiffsplanken gedeutet werden. Es gibt keinen Hintergrund, nur den Boden, eine Bar und das Piano.
Das Pilotprojekt „Novecento“ gründet auf der Kooperation zwischen AdK und Theater, die es seit 2025 gibt. „Damit generieren wir ganz neues Publikum, neue Schauspielerinnen und Schauspieler und einen ganz neuen Spielstil“, freut sich Intendantin Christine Hofer und sieht darin einen Erfolgsfaktor für die Zukunft. Sie hat persönlichen Kontakt zu AdK-Dekan Ludger Engels, über den Kim Salmon im letzten Herbst eine Initiativ-Bewerbung beim Theater als Regisseurin startete. Salmon, Jahrgang 1999, hat im Schultheater erste Schritte als Schauspielerin gemacht, ein abgeschlossenes Studium als Linguistin, ein Freiwilliges Soziales Jahr absolviert und auch schon als Kellnerin gearbeitet. Lebenserfahrung sieht sie als wertvolle Voraussetzung für die Regie-Arbeit. Nach einer Frankenstein-Inszenierung fehlt ihr jetzt nur noch ein „Freies Projekt“, für das sie „Novecento“ ausgewählt hat. Über ihre Zukunftsplanung sagt sie „ich will und ich werde, aber ich weiß noch nicht wann und wo“.
Frischer Wind für das Theater
Für Hofer ist die Kooperation eine „ganz große Bereicherung“, die frischen, motivierenden künstlerischen Team-Spirit ins Theater bringt und gleichzeitig den Studierenden das Spiel vor echtem Publikum ermöglicht. Insgesamt sieben Schauspieler der AdK sind in diesem Jahr im Theater dabei: Drei bei „Emil und die Detektive“, drei bei „Pinocchio“ und eben Levi Tounkara bei „Novecento“. Die Intendantin wünscht ihren Kollegen an anderen Theatern, dass sie ebenfalls den Mut haben, mit Regie-Absolventen zu arbeiten.
Aktuell ist das Ensemble von „Novecento“ am Ende der dritten Probewoche. Von 12. bis 17. Mai wird es sechs Vorstellungen geben, immer um 20 Uhr, nur am Sonntag, 17. Mai, beginnt die Vorstellung bereits um 19 Uhr.
Oliver Gerst
