Ludwigsburg Fest für Sammler und Bücherfreunde

Von Jörg Palitzsch
Blick in die Antiquaria: Auf der Messe wurden zahlreiche Bücher präsentiert – ehemalige Bestseller, wertvolle Erstausgaben und auch illustrierte Exemplare. Foto: /Martin Kalb

Die 40. Antiquaria in der Musikhalle ist eine Zeitreise durch Bücher, Sammlungen und Objekte vergangener Jahrhunderte.

Die Antiquaria ist eine Messe, die die Besucher Jahr für Jahr ein Stück weit in die Vergangenheit mitnimmt. Präsentiert werden Bücher, die einst Bestseller waren, wertvolle Erstausgaben und illustrierte Exemplare, die vor Jahrzehnten mit Gold und zweifarbig gedruckt wurden. Dazu Blockbücher aus dem Mittelalter, wo Text und Bild aus derselben Holztafel geschnitzt wurden, bunte Plakate die viel versprechen, Flugschriften und Werke aus dem 16. Jahrhundert zur Erbauung des eigenen Glaubens. Und alles hat die Wirren der Zeit überstanden.

Die 40. Antiquaria, die am Wochenende in der Ludwigsburger Musikhalle bibliophile Liebhaber anzog, war in kleinen Teilen auch eine Sachmesse. In diesem Jahr war etwa eine mobile Abhöranlage der Stasi im Angebot, ebenso ein fünfteiliges Würfel ABC von 1880, ein Buddha aus einer Kupferlegierung, 55 Zentimeter hoch, eine Partiturbox mit über 60 Notenblättern des Komponisten und Künstlers John Cage und viele unterschiedliche Figuren.

Wie Enzyklopädien

Tatsächlich sind die Verkaufsstände der rund 50 Antiquariate wie Enzyklopädien für allerlei Trends, Modeerscheinungen und technische Entwicklungen, die längst vorbei sind. Oft belegt mit Fotos in Sepiabraun, der die Epoche der Schwarz-Weiß-Fotografie folgte, bis hin zu Farbfotos. Dabei werden viele Tausende von Geschichten erzählt. An diesem Punkt zeigt sich die Antiquaria seit 40 Jahren als historisch eingestellter Seismograf für Privates, Familiäres und Geschäftliches. Jede Epoche, jeder Umbruch schlägt sich nieder. Sie ist damit auch ein Gegenentwurf zu einem heiß gelaufenen Bücherbetrieb, der jährlich unter anderem allein bis zu 1500 Krimi-Neuerscheinungen in den Markt spült.

Messe-Veranstalterin Petra Bewer zeigte sich im Gespräch mit der BZ zufrieden mit den Besucherzahlen, das Interesse an historischem Lesestoff scheint ungebrochen. Auch unter den Händlerinnen und Händlern fand ein reger Austausch statt, nach 40 Jahren seien viele Freundschaften entstanden, so Bewer.

Karl-May-Sammlung

Und es gab viel zu entdecken. Spannend etwa die umfangreiche Sammlung von 67 Autografen von Karl und Klara May auf Postkarten. Diese Karten aus dem Zeitraum von 1897 bis 1909 mit ihren teils mehrzeiligen Texten, kürzeren Grußwidmungen und eigenhändigen Signaturen wurden aus Deutschland, aus den USA oder aus dem Orient versandt. Immerhin von den tatsächlich von May unternommenen Reisen oder in seinem Auftrag aus dem Ausland verschickt. An echte Karl-May-Fans gerichtet war ebenso die umfangreiche Sammler- und Forscherbibliothek von Dr. Klaus Hoffmann, seit 1987 wissenschaftlichen Leiter des Karl-May-Museums Radebeul. Auf rund 100 laufenden Regalmetern wurde Mays Primär- und Sekundärliteratur angeboten. Wegen des Umfangs konnte die Sammlung jedoch nicht am Stand präsentiert werden, eine Besichtigung war nur nach Terminabsprache möglich.

An den Ständen gab es schön aufgemachte Bücher und Konvolute, die Themen abdeckten wie etwa Mode, Musik und Militärgeschichte. Darunter ein Exemplar über die Wiener Herrenkleidung von Franz Tesar, einen umfangreichen Sammelband mit 131 Flugblattliedern aus der Zeit von 1830 bis 1860 und ein Handbuch von 1825 über die Feuerwaffen der königlich-bayerischen Infanterie – inklusive einer Anwendung von Knall-Pulver für Gewehre.

Ort für Entdeckungen

Bei allem bleibt die Antiquaria auch immer ein Ort für Entdeckungen. Eine Sammelstelle für Gedrucktes und Veröffentlichtes, eine Schatzkiste mitten in Ludwigsburg. Während im gebundenen Katalog in diesem Jahr – vor 40 Jahren war dieser sechs Jahre lang lediglich eine Lose-Blatt-Sammlung – kein einheitliches Thema als Richtschnur vorgegeben war, stieß man immer wieder auf Besonderes und Erschwingliches, was sich in den Angebots-Publikationen der Antiquariate über die Neuzugänge niederschlug. Etwa „Der Mann mit der Ledertasche“ von Charles Bukowski der Büchergilde Gutenberg für 30 Euro oder „Ginster“, ein von Siegfried Kracauer verfasster Antikriegsroman für 50 Euro. Eines der vielen Bücher im Angebot, das an Aktualität nichts verloren hat.

 
 
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