Ludwigsburg hat seit einer Woche 300 E-Scooter „Bislang klappt’s ganz gut mit den Elektro-Rollern“

Von
In Ludwigsburg gibt es seit dem 12. April 300 E-Scooter der beiden Anbieter Tier Mobility und Zeus Scooters. ⇥ Foto: Heidi Vogelhuber

Seit einer Woche kann man die Elektroflitzer durch die Barockstadt fahren sehen. Wie sie angenommen werden, berichtet Matthias Knobloch.

Das befürchtete Chaos blieb aus“, fasst Matthias Knobloch, Leiter des Fachbereichs Nachhaltige Mobilität bei der Stadt Ludwigsburg, zusammen. Die erste Bilanz der E-Scooter, die seit vergangenem Montag durch die Barockstadt flitzen, falle positiv aus. „Es wurde befürchtet, dass die Elektroroller überall in der Stadt herumstehen“, erinnert Knobloch. „Das tun sie nicht.“

Dem Ordnungsamt sei nichts gemeldet worden und ihm sei beim wachsamen Gang durch die Stadt auch nichts negativ aufgefallen. Es gebe aber natürlich unterschiedliche Wahrnehmungen. „Es stehen auch über 60 000 Autos in Ludwigsburg herum“, sagt er. Daran störe sich auch keiner, daran sei man gewöhnt, vielleicht passiere das auch mit den elektrischen Tretrollern.

Sondernutzung liegt vor

Wichtig ist dem Fachbereichsleiter zu betonen, dass Ludwigsburg das neue Mobilitätsangebot nichts kostet. „Seit etwa einem Jahr gibt es eine neue Rechtslage“, erklärt er. Darauf habe Ludwigsburg gewartet. Verwaltungsgerichte entschieden, dass eine erlaubnispflichtige Sondernutzung des Straßenraums vorliege und kein erlaubnisfreier Gemeingebrauch. Dadurch hat die Stadt auch ein Wörtchen mitzureden und es wurde ein Vertrag aufgesetzt mit den beiden Anbietern Tier Mobility und Zeus Scooters. Ludwigsburg sei die einzige Stadt in Baden-Württemberg, die das Sharingangebot der E-Roller per Vertrag geregelt hat. „Und sie müssen auch wieder abrücken, wenn es in Ludwigsburg nicht passt“, sagt Knobloch.

Bislang jedoch seien beide Seiten zufrieden. Natürlich sei es am Anfang vor allem Neugier, die die Menschen auf die elektrisch betriebenen Tretroller bringe. „Spannend wird in Zukunft sein, ob die Roller als nachhaltiges Stadtverkehrsmittel genutzt werden“, sagt Knobloch. Firmen mit Sitz in der Weststadt hätten angemerkt, dass Sondertarife attraktiv werden könnten, sodass Mitarbeiter mit der Bahn kommen und vom Bahnhof aus zur Firma einen Elektro-Scooter nutzen können. Auch Sportvereine hätten bereits Interesse an Sonderverträgen bekundet, verrät Knobloch. Das sei jedoch noch Zukunftsmusik, je nachdem, wie sich die Roller-Nutzung entwickle. „Bislang klappt’s ganz gut.“

Die Scooter haben übrigens einen austauschbaren Akku, das war eine der Bedingungen der Stadt. Dadurch müssen die Geräte nicht eingesammelt und aufgeladen, sondern können mit einem Lastenfahrrad angesteuert werden. Der Akku-Tausch gestalte sich so nachhaltig, erklärt der Stadtmitarbeiter.

Der Vertrag zwischen Tier, Zeus und der Stadt kann immer wieder verlängert werden, dazwischen stehe die Stadtverwaltung im regen Austausch mit den Anbietern, sodass neue Optionen flott vereinbart und Defizite ausgebessert werden können.

 


Ein Selbstversuch

E-Scooter finden Auf der Karte werden die einzelnen E-Roller angezeigt, schnell war einer in meiner Nähe gefunden. QR-Code scannen, den Anweisungen auf dem Handy-Bildschirm folgen, zwei Mal per Fuß anschubsen, mit der rechten Hand das Gas gedrückt halten und los geht’s.

Die Fahrt Anfangs ist es eine wahre Zitterpartie, je mehr man sich jedoch traut, Gas zugeben, desto weniger ruckelig ist die Fahrt. Ich persönlich habe mir eine verkehrsberuhigte Strecke ausgesucht und würde das Anfängern auch raten. Es braucht ein wenig Fahrpraxis bis das Geschlacker der Knie aufhört und der E-Scooter dahin fährt, wo man auch hin möchte. Problematisch sehe ich das „Blinken“ via Handzeichen, einhändig fahren ist eine sehr wackelige Angelegenheit. Auch holpriger Untergrund und Bordsteine sind herausfordernd.

Der Vergleich Während zu Beginn das Zeus-Modell mit seinen drei Rädern stabiler schien, kam mir mit ein wenig Fahrpraxis das Tier-Modell wendiger vor. Auch beim Gasgeben gab es Unterschiede; Tier konnte ich auf eine höhere Geschwindigkeit bringen. Beide E-Scooter bremsen ab einer Geschwindigkeit knapp über 20 km/h automatisch ab. Insgesamt sollte man beim Bremsen vorsichtig sein, auch bei zartem Betätigen der Doppel-Handbremse (wie bei einem Fahrrad) wirkt es sich recht stark auf das Gefährt aus (leichtes Zurücklehnen stabilisiert den Fahrer). Preislich sind die beiden Modelle während der Fahrt gleich, das Pausieren jedoch kostet bei Tier 19 und bei Zeus nur 5 Cent.

Das Parken Nach dem regelkonformen Abstellen und dem Beenden der Fahrt per Klick in der App, noch schnell ein Foto gemacht, dann bestätigt die App das Fahrtende.

Fazit Nicht ganz billig, aber wirklich spaßig und einen Versuch wert. 19 Cent kostet jede angefangene Minute bei beiden Anbietern. Für eine knapp zwanzigminütige Fahrt habe ich etwa fünf Euro pro E-Tretroller gezahlt. hevo

 
 
- Anzeige -