Habt ihr Lust mit uns Musik zu machen?“, fragten „Hey Sunny“ am Sonntagnachmittag vor dem Ludwigsburger Schloss. Die Antwort, die das deutsche Folk-Pop-Duo bekam war ein vielstimmiges Ja - wenn ihre Zuhörer auch unter den Bäumen der Allee blieben und die freie Fläche vor der Bühne mieden. Denn die Temperatur lag weit über 30 Grad, die frontale Sonne suchte kaum einer. Die Band mit dem zum Wetter passenden Namen hielt das aber nicht zurück: „Ich bin ein Optimist!“ war der Titel ihres Liedes, negatives Denken oder Ärger über Randbedingungen hatte bei ihnen kein Platz
Ludwigsburg Heißes Fest der Musik
Nach gut zwei Jahrzehnten will das Straßenmusikfestival sich neu erfinden und dabei doch den bewährten Flair des großen Musikfests der kleinen Bands im BlüBa bewahren. Wie lief es?
Einmal im Jahr kommen internationale Bands in die barocke Gartenpracht des Blühenden Barocks zu einem der beliebtesten Open Air Events der Region und spielen auf vielen Bühnen, mehrere Tage lang – und was das Zeug hält.
Neuer Termin
In diesem Jahr aber sollte das Fest nach dem Willen der Veranstalter noch ausgebaut werden: noch besser, im Sommer und für Familien noch attraktiver, versprachen die Veranstalter pulsmacher GmbH und das Blühende Barock Ludwigsburg. Die wichtigste Änderung ist dabei der neue Termin am 20. bis 21. Juni: Bisher fand das Festival immer an drei Tagen am Pfingstwochenende statt – in den Pfingstferien, unpraktisch für Familien. Bessere Planbarkeit und höhere Wahrscheinlichkeit für gutes Wetter, so die Hoffnung vorab - und zumindest letztere erfüllte sich wohl fast zu gut: die Besucher erlebten die Auftritte der Bands in der ersten Hitzewelle dieses Jahres.
„Wenigstens haben wir gutes Wetter“, fand Thorsten Weh von Pulsmacher, kein Regen. Für die Temperaturen hatte man vorgesorgt: eine „Cool-down-Area“ mit Wassersprinklern eingerichtet, bei der „Wasser-Happy-Hour“ gab es zwei Wasser zum Preis von einem, Sonnenhüte wurden verteilt. Alle Bühnen waren durch Schirme im Schatten, für die Zuschauer erhoffte man sich Schatten durch die Bäume des Parks. Für den Notfall war das Rote Kreuz vor Ort.
Gute Stimmung trotz Hitze
Tat die Hitze aber der Stimmung einen Abbruch? Nein, sah man etwa bei Loop’n Lompa, angereist aus Spanien und schon Festival-Veteranen: „Bella Ciao“ spielten sie genauso wild und virtuos wie „Born to be wild“ die Gitarre hinterm Kopf, und schon auch mit der Nase auf der Saite.
Die Ukulayers spielten vor der Orangerie im Schatten. Die Zuhörer entspannten sich auf Decken und Sitzkissen und lauschten den drei Ukulelen aus Finnland.
„Ich möchte gar nicht hier runter“, sagte HaltMaKurz am Ende seines Auftritts nebenan, es sei „jedes Jahr eines meiner Lieblingsfestivals.“ Ganz anders als die Acoustic-Pop-Combo waren seine Nachfolger auf derselben Bühne unterwegs: Umanaya, übersetzt „menschliche Herzen“, kamen aus Polen und zündeten erstmal Räucherstäbchen an. Ihre Instrumente waren Handpan, Didgeridoo, Flöten, Gitarre, Beatbox und mehr. „Tanzen ist nicht, etwas besonders zu machen, sondern nur sich zu bewegen. Wenn man den Impuls hat sollte man ihm nachgehen“, war ihr Motto - und spätestens beim dritten Lied wiegten sich die unterschiedlichsten Besucher im Takt.
Mit den Mellie Meteors summte man vor der Emichsburg gemeinsam ihren Refrain und lauschte dann Allie and the Feathers ausdrucksstarker Stimmvariation, von empfindsam bis roh und röhrend.
Musikalisches Familienfest
Vielleicht etwas hitzebedingt ruhiger in der Atmosphäre aber deswegen nicht weniger stimmungsvoll wurde das Festival so - dank der mitreißenden 37 Künstler. Eine weitere Neuerung des Festivals: Das Straßenmusikfestival wurde mit erweiterten Öffnungszeiten zum Familienfest. Samstag und Sonntag ab 12 Uhr gab es Spiel- und Mitmachaktionen für Kinder. Zudem öffnete sich das Festival erstmals auch für andere Straßenkünstler wie Clowns, Gaukler und Artisten, die ab 12 Uhr im ganzen BlüBa für Unterhaltung sorgten.
Die letzte Neuerung: das Festival wurde von drei auf zwei Tage reduziert. Trotzdem gibt es genauso viel Straßenmusik: Durch den früheren täglichen Beginn spielten die fast 40 Einzelkünstler und Bands aus der ganzen Welt genauso viele Auftritte auf den elf Bühnen im BlüBa wie bisher – die Bühnen wurden samstags von 14 bis 21 Uhr bespielt, sonntags ebenfalls ab 14 Uhr mit dem großen Abschlusskonzert um 21 Uhr.
Wie in jedem Jahr besteht das Line-Up in etwa zur Hälfte aus Publikumslieblingen, die schon einmal beim Straßenmusikfestival in Ludwigsburg gespielt haben, und zur Hälfte aus neuen Künstlern.
Mit den ausliegenden Stimmkarten und auch online konnten die Besucher dann für ihre Favoriten stimmen: diejenigen mit den meisten Stimmen kamen spät am Sonntagabend zum großen Finale auf die Bühne. Das Ergebnis stand zu Redaktionsschluss noch nicht fest.
