Ludwigsburg „Höfisches Leben aufleben lassen“

Von Corinna Müller
Die Venezianer bereiten sich auf die Messe am Wochenende vor: Anke Ramhofer (links) und Karin Katmann Foto: /Oliver Bürkle

Ab Freitag findet in Ludwigsburg wieder die Venezianische Messe statt. Der Verein „Venezianer Ludwigsburg“ gibt einen Einblick in seine Arbeit.

Glänzende Stoffe und glitzernder Strass liegen auf dem Tisch. Schneiderin Dagmar Güttinger war vom Bodensee nach Ludwigsburg gereist, um ihrer Kundin ein neues Kostüm für die Venezianische Messe, die an diesem Freitag startet, anzupassen. Sie selbst ist seit 1997 Mitglied im Verein der „Venezianer Ludwigsburg Herzog Carl Eugen 1767“, auch wenn sie nicht mehr hier wohnt. „Sie hat die meisten unserer Maskenkostüme und historischen Kleider genäht“, erklärt Karin Kathmann, 1. Vorsitzende des Vereins.

Heute erhält Anke Ramhöfer eines der aufwändigen, bis ins Detail verzierten und äußerst fantasievollen Kostüme. „Die Maske dazu besteht aus Pappmaché, das mit Lack besprüht wurde“, informiert die Schneiderin, „der Rohling stammt aus Italien“. Ramhöfer ist seit 2018 im Verein und tanzt „als Mann mit, da bei 30 Mitgliedern mit nur zwei Tänzern eindeutig Männermangel herrscht.“ Geübt werden die Tänze im Festsaal des Albert-Knapp-Heims. Hier sind Interessierte nach telefonischer Rücksprache auch willkommen.

Das ganze Jahr über aktiv

Der Verein, der nicht nur in Karnevalskostümen an der Venezianischen Messe teilnimmt, sondern das ganze Jahr über in historischen Kleidern flaniert und für Veranstaltungen gebucht werden kann, wurde 1992 gegründet. Hintergrund war Herzog Carl Eugens Begeisterung am Karneval in Venedig, in dessen Folge er 1768 das Maskenfest mitsamt einer Venezianischen Messe in der Residenzstadt Ludwigsburg eingeführt hatte. Erst mit dem Wechsel der Residenz nach Stuttgart war auch die Messe dorthin verlegt worden.

„Unser Verein möchte die Venezianische Messe in Ludwigsburg wiederbeleben und fördern“, teilt Kathmann mit. „Außerdem wollen wir das höfische Leben mit seiner Musik- und Tanzkultur wieder aufblühen lassen.“ Kathmann erinnert sich dabei lächelnd an einen Besuch im Märchengarten. Sie hatte im historischen Kleid flaniert, als ein kleines Mädchen staunend auf sie zukam: „Bist Du die Königin? Wohnst Du im Schloss?“

Passend zu den historischen Gewändern, zu Fächern und speziellen Schuhen werden Perücken getragen, die äußerst empfindlich sind und keinem Regen ausgesetzt werden dürfen. Etwa alle drei Jahre müssen sie zur Reinigung gebracht werden. „Bei der Auswahl der Perücken muss man extrem wählerisch sein. Manche sehen aus wie Zuckerwatte“, warnt die Schneiderin. Die Perücken des Vereins stammen deshalb aus der Nähe von Ulm.

Identität bleibt geheim

„Da wir bereits bei der Neugründung der Venezianischen Messe mit dabei waren, haben wir von jeher das Privileg, bei der Künstlerprozession am Freitag direkt hinter der Gondel gehen zu dürfen“, verkündet Kathmann stolz. Großen Wert legen die Venezianer – wie schon ihre historischen Vorbilder im Rokoko – darauf, nicht erkannt zu werden. „Jedes Stückchen Haut muss unsichtbar sein, um das Alter der Person zu verbergen“, beschreibt Ramhofer und zeigt Handschuhe aus schwarzer Spitze. Mithilfe ihrer „Sturmhaube“, die sie unter der Maske trägt, kann das Haar streng aus dem Gesicht gehalten und die Haut am Hals bedeckt werden. „Es soll immer ein Geheimnis bleiben, ob unter der Maske ein Mann oder eine Frau steckt.“ Geredet werden durfte beim Maskenball daher in früheren Zeiten nicht, „aber wenn wir heute angesprochen werden, antworten wir natürlich“, schmunzelt Kathmann. Die Venezianer vermitteln gerne Infos zu ihren Masken und Kostümen, die allerdings vom Publikum nicht angefasst werden sollten.

Am kommenden Sonntag sind die Venezianer um 14.30 Uhr auf der KSK-Bühne zu erleben. Sie führen das Stück „Der Hofball – oder die Geburtsstunde der Venezianischen Messe zu Ludwigsburg“ auf.

 
 
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