Ludwigsburg Im Zentrum der Pandemie

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Der Leiter des MVZ Labors in Ludwigsburg, Professor Dr. Rüdiger Braun, vor einem Raum in dem Tests auf das neue Coronavirus durchgeführt werden. Es gelten strikte Hygieneregeln, so dass nur Mitarbeiter das sterile Labor betreten dürfen.⇥ Foto: Martin Kalb

Im MVZ-Labor in Ludwigsburg werden jede Woche tausende Corona-Tests ausgewertet. Neben der medizinischen Tätigkeit, bereitet vor allem ein ausgedrucktes Formular viel Aufwand.

Sie stehen im Zentrum der Pandemie, werden nicht selten gescholten, erheben aber nur vereinzelt das Wort: die medizinischen Labore. „Wir hätten gut ohne die Aufmerksamkeit leben können“, lacht Professor Dr. Rüdiger Braun. Der Virologe leitet das MVZ-Labor in Ludwigsburg. Mehr als 100 Mitarbeiter analysieren dort eine große Bandbreite an Proben. „Wir sind auch forensisch akkreditiert. Das heißt, unsere Ergebnisse sind gerichtsfest“, erklärt Braun. Dass sie hier eine ganze Reihe von Verfahren durchführen, spielt derzeit aber im öffentlichen Bewusstsein keine große Rolle. Alles fokussiert sich auf Corona-Tests und deren Ergebnisse.

Bis zu 7000 Tests pro Woche

4000 bis 7000 PCR-Tests analysiert das Labor pro Woche. „Bei 7000 sind wir aber an der oberen Grenze“, so Braun. Hochphasen der Belastung gab es im Frühjahr und auch Anfang Oktober. In der Regel schaffe man es aber innerhalb von 24 Stunden, die Ergebnisse eines Corona-Tests zu liefern. „Wobei wir von 24 Stunden ab Eingang bei uns sprechen“, sagt IT-Chef Jean-Pierre Leveillé. Zeitweise komme es zu 1500 Anrufen von Getesten beim Labor. Viele davon ungeduldig. Leveillé, dem bei den Tests, obgleich nicht Mediziner, eine zentrale Rolle zukommt, erklärt, warum es manchmal länger dauern kann: „Es gilt eben 24 Stunden ab Eingang bei uns. Wenn man bei seinem Hausarzt etwa um 14 Uhr getestet wurde, unser Fahrer aber schon um 13 Uhr da war, erhalten wir die Probe erst am folgenden Tag.“

Leveillé kommt genau zu diesem Zeitpunkt eine zentrale Rolle zu. 90 Prozent der Proben kommen nämlich mit einem oft handschriftlich ausgefüllten Zettel im Labor an. Das Formular muss dann eingescannt und mit einer Erkennungssoftware bearbeitet werden.

Häufig erkennt die Software nicht alles und dann sind speziell geschulte Mitarbeiter an der Reihe. Bei einem Rundgang durch das Labor zeigen Braun und sein IT-Chef auch diese Abteilung. Zettel für Zettel gehen die Mitarbeiterinnen dort am Bildschirm durch und ergänzen, was die Software nicht erfasst. Viel Arbeit, dennoch entsteht dadurch kein Rückstau.

Während in einem Büro die Zettel digitalisiert werden, geht es ein Stockwerk höher ans Eingemachte bei den Proben. „PCR-Test sind aufwendig“, sagt Braun. Man könne eben nicht einfach die Probe in eine Maschine stecken und am Ende komme der fertige Befund heraus. In einem  empfindlichen molekularen Test wird das genetische Material der Probe in mehreren Zyklen vervielfältigt. Diese Zyklen spielen eine wichtige Rolle. Am Ende müssen Mediziner und Medizinisch-Technisch-Angestellte die vom Untersuchungsgerät angezeigten Kurven analysieren und den Ct-Werten bewerten. Der Ct-Wert bezieht sich auf die Zahl der Zyklen und zeigt an, nach wie vielen Zyklen ein bestimmter Schwellenwert überschritten wird. „Bei Werten zwischen zwölf und 38 müssen wir den Test als positiv bescheinigen. Ab 30 geht man aber nicht mehr von einer starken Infektiosität, also hoher Viruslast beim Patienten aus“, erklärt Braun.

Einen großen Gewinn kann man aus den Tests wegen der hohen der Komplexität nicht ziehen, darum gehe es aber auch gar nicht, meint Braun. „Unseren Mitarbeitern ist bewusst, wie wichtig ihre Arbeit für die Gesellschaft ist und deshalb sind sie in Hochphasen auch schon mal bis 2 Uhr in der Nacht hier. Das geht aber nicht auf Dauer. Ich möchte meine Leute nicht verheizen“, sagt Braun. Ohne die Labore hätte Deutschland die erste Welle nicht so gut überstanden, ist sich der Virologe sicher.

Deshalb hat ihn die Strategie im Sommer auch gestört, als es von der Bundesregierung hieß, man teste großflächig und anlasslos. Solche Massentestungen seien unsinnig, denn es gebe dadurch einfach zu viele falsche und falsch-positive Ergebnisse. Das liegt an dem Testverfahren und der Erkrankung selbst. Wegen der Strategie im Sommer habe man den Plan, Vorräte etwa an Reagenzien und Pipettenspitzen anzulegen, nicht umsetzen können. Weil das Material auf der ganzen Welt nachgefragt sei, laufe man Gefahr, nicht genug Nachschub für die Tests zu bekommen, warnt Braun.

Generell ist der Mediziner  zufrieden mit der Bundes- und Landespolitik in der Pandemie. „Außer dass es am Anfang hieß, Masken brächten nichts“, so Braun. Das treffe nämlich nur auf Stoffmasken zu. Das werde nicht genügend kommuniziert. Stoffmasken seien wegen ihrer Porengröße nicht geeignet, Aerosole abzuhalten. „Am besten ist eine FFP2-Maske mit oder ohne Filter oder eben eine klinische Maske“, rät der Virologe.

 
 
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