Ludwigsburg/Iran „Die Bombenangriffe wirken wie ein Feuerwerk“

Von Claudia Mocek
Exil-Iranerin Arezoo Shoaleh Foto: /Martin Kalb

Die Exil-Iranerin Arezoo Shoaleh hofft, dass sich ihr Heimatland bald dem Westen öffnen kann.

„Noch nie hat ein Volk so sehnsüchtig auf einen militärischen Angriff von außen gewartet“, hatte Arezoo Shoaleh, Leiterin des Vereins Frauen für Frauen, am 9. Februar zur BZ gesagt. Wie schätzt die Exil-Iranerin die Lage jetzt, nach dem Angriff der USA und Israel, ein?

„Es war der Wunsch von Millionen Iranern, die sich nach Freiheit sehnen“, ist Shoaleh überzeugt. Angesichts der allein beim Massaker am 8./9. Januar ermordeten geschätzten 95.000 Frauen, Männer und Kinder, „gab es keine andere Möglichkeit“, sagt sie. Ein Online-Video, das ein Paar lächelnd nahe Teheran vor der Kulisse der Bombenangriffe zeigt, sei symbolisch für die Stimmung im Land. „Die Bombenangriffe wirken darin wie ein Feuerwerk“, sagt Arezoo Shoaleh. Von der Polizeistation bis zu Behörden: Die Einschläge träfen punktgenau, hört sie aus dem Iran. Das sei auch der Grund, warum die Mullahs ihre Sitzungen und Pressekonferenzen mittlerweile in Krankenhäusern oder Schulen abhalten – weil es keine zivilgesellschaftlichen Angriffe gebe. Von getöteten Zivilisten habe sie bisher in größerem Umfang nichts gehört. „Nach dem Massaker vom Januar nehmen die Menschen alles in Kauf“, sagt die Leiterin des Vereins Frauen für Frauen.

Große Hoffnung im Iran

„Das ist jetzt erst der Anfang, die Menschen sind zuversichtlich und haben große Hoffnung, dass sich die Situation nun dauerhaft ändert“, sagt Shoaleh. Aber die Bevölkerung sei nicht so naiv zu glauben, dass es der USA und Israel vor allem um die Menschen im Iran gehe. Sollte es jetzt zu Verhandlungen kommen, die nur eine neue Führung unter alten Vorzeichen zur Folge hätten, „wäre das eine Katastrophe“.

„Dieses Regime kann nur zerstören und töten“, sagt Shoaleh. Dass der Iran Hotels in Dubai und andere Nachbarländer angreife, darin offenbare das Regime sein wahres Gesicht. „Nun zeigt sich, wozu es in der Lage ist, um an der Macht zu bleiben“, sagt sie.

Im Sohn des letzten Schahs, Reza Pahlavi, sehe die Mehrheit im Iran den größten Hoffnungsträger. Er sei zwar schon 47 Jahre im Exil, aber immer mit dem Land in Verbindung geblieben. Er persönlich wolle keine Macht anhäufen, sondern den Übergang zu einer demokratischen Staatsform gestalten. Ein Wunsch, den auch viele Iraner hätten: „Viele im Iran identifizieren sich nicht mit dem Regime, sie sind westlich orientiert“, sagt Shoaleh.

Ob sie in den Angriffen seitens der USA und Israels einen Bruch des Völkerrechts sieht, entgegnet sie: „Ich bin enttäuscht von der Diskussion. Warum hat man nicht nach dem 8./9. Januar auf der Einhaltung des Völkerrechts bestanden, als das iranische Regime der Mullahs zig Tausend Menschen ermordet hat?“ Die Verbrechen, bei denen vielfach Menschenrechte gebrochen wurden, würden einem Völkerbruch der USA gegenüberstehen.

„Es ist schwer zu verstehen, dass ausgerechnet jemand wie Donald Trump, der selbst immer wieder wegen seines Umgangs mit Menschenrechten massiv in der Kritik steht, nun als Retter erscheinen muss“, sagt sie. „Gleichzeitig wirkt Europa, das sich den Schutz der Menschenrechte auf die Fahnen schreibt, sehr zurückhaltend und hat dieses Regime über Jahre politisch legitimiert. Sogar nach dem Massaker vom 8. und 9. Januar gab es weiterhin offizielle Glückwünsche zum Jahrestag der Islamischen Republik. Das ist ein Skandal.“ Für die Iraner vor Ort gelte jedoch: „Wenn mein Haus brennt, ist es egal, wer der Feuerwehrmann ist“, sagt sie.

Für  sie selbst sei die Situation derzeit sehr belastend. Teile der Familie leben im Iran. Weil das Internet dort nicht funktioniere seien die Kontaktmöglichkeiten stark eingeschränkt. Claudia Mocek

 
 
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